Der Hund im Schafspelz

MAMMERN. Hunde verlieren Haare. Das kann lästig sein. Die Bobtail-Züchterin Vreny Wyser aus Mammern sieht das anders und hat eine Leidenschaft entdeckt. Statt die Hundehaare wegzuschmeissen, macht sie Pullover und Decken daraus.

Margrith Pfister-Kübler
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Die Decke, die Vreny Wyser um sich geschlungen trägt, hat sie selbst gestrickt aus den ausgekämmten Haaren der beiden Bobtail-Hunde. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Decke, die Vreny Wyser um sich geschlungen trägt, hat sie selbst gestrickt aus den ausgekämmten Haaren der beiden Bobtail-Hunde. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Sitz. Die Bobtail-Hunde von Vreny Wyser gehorchen aufs Wort und posieren neben der Wolle, die aus ihrem Fell gewonnen wurde. «Die ausgebürsteten Hundehaare sammle ich seit Jahren», sagt Wyser. Allgemein werden Hundehaare als eher etwas Lästiges gesehen.

Vreny Wyser sieht das anders. Sie weiss, dass Garne aus gesponnenem Hundehaar schon in prähistorischen Funden in Skandinavien und in den Textilien der Navajo-Indianer Nordamerikas vorkamen. Und um 1920 herum wurden in England Kragen und Hüte aus Hundehaar als Neuheit angeboten. Das war einmal. Doch Vreny Wyser hat das Gefühl, dass Hundehaare für Wärmendes wieder aktuell sind. Gemessen an seinem Gewicht ist es auch bis zu 80 Prozent wärmender als Schafwolle. Versponnenes Hundehaar ist wasserabweisend, aber auch weniger elastisch als Schafwolle.

Zupfen, waschen, spülen

Wyser verarbeitet die ausgekämmten Haare ihrer Bobtails. Und das sind viele. Nur die schönen Haare legt sie beiseite und zupft sie auseinander. Dann weicht sie die Haare in handwarmem Wasser ein und wäscht sie mit Wollwaschmittel. Sie darf sie nicht stark bewegen, sonst filzt die Wolle. Sie spült die Wolle mehrmals, im letzten Spülwasser gibt sie Essig dazu. Dann muss die Wolle auf Leintücher ausgebreitet und auseinander gezupft werden. Vreny Wyser ist froh, dass ihr Wohnhaus grosszügig Raum bietet.

Wyser schickt die gezupfte Wolle zum Karden an die Firma Spycher-Handwerk in Huttwil. Damit die Hundewolle besser spinnbar ist, lässt Wyser die Hundehaare mit circa 20 Prozent Merinowolle mischen. Und weil es ihr Spass macht, spinnt sie die kardierte Wolle danach selbst. Wyser besitzt mehrere Spinnräder, darunter auch eines ihrer Ururgrossmutter.

«Wer im Handspinnen nicht geübt ist, der sollte zuerst mit Schafwolle üben, und nicht mit der kostbaren Bobtail-Wolle», empfiehlt Wyser und ergänzt: «Wem das alles zu kompliziert ist, sammelt einfach die ausgekämmte, nicht gewaschene Hundehaarwolle und lässt sie bei der Firma Spycher verarbeiten.» Wyser teilt ihre Kenntnisse gerne mit anderen, denn sie möchte andere ermuntern, ebenfalls Hundehaar zu verarbeiten und schöne Unterwolle nicht in den Müll zu werfen.

Kein Beruf, nur ein Hobby

Sie selbst scheut keinen Aufwand, um aus den Haaren ihrer Hunde Decken, Hüte, und Oberbekleidung herzustellen. Ein Geschäft möchte sie daraus aber nicht machen oder gar einen Markt erobern. «Ich mach's aus Freude. Verkaufen ist nicht mein Ding», sagt sie.