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Der Horror-Hype

Es gibt Trends, auf die manche aufspringen, um die andere aber einen grossen Bogen machen: Horror-Clown-Kostüme zum Beispiel. Karstadt führt das Grusel-Gewand im Sortiment und bringt es per Anzeige auch unters Thurgauer Volk.
Alexandra Looser
So wirbt Karstadt für Horror-Kostüme. (Bild: PD)

So wirbt Karstadt für Horror-Kostüme. (Bild: PD)

Für die fiese Fratze ist selbst zu sorgen – ob mit Schminke oder einer Maske. Das Shirt mit den Blutspritzern, das kann hingegen für 19.99 Euro bei Karstadt in Konstanz gekauft werden – so die Anzeige des Kaufhauses, die diese Woche auch in die Thurgauer Haushalte flatterte. Das «Oberteil mit Schleife» für Kinder könnte dabei für Irritation sorgen. Insbesondere im Hinblick auf die derzeitigen Meldungen aus den USA, Deutschland, Schweden und der Schweiz. Vermehrt treten maskierte Horror-Clowns aus dem Dunkel, um Passanten das Fürchten zu lehren.

Auch im Thurgau wurde in der Nacht auf Donnerstag erneut eine dieser Grusel-Gestalten gesichtet. Eine Person sei in clownesker Vollmontur kurz vor Mitternacht mit einer Motorsäge durch die Quartiere von Bürglen geschlichen. Als die Polizei vier Minuten nach dem Anruf eines Anwohners vor Ort war, fehlte vom Maskierten jedoch jede Spur. «Es ist darum unklar, ob nun tatsächlich ein Horror-Clown mit Kettensäge in Bürglen sein Unwesen trieb oder nicht», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Auch während der Kontrollfahrten danach sei weit und breit kein Horror-Clown zum Vorschein gekommen.

Vielleicht war die ganze Aktion auch nur ein Scherz? Seit Jahren kursieren Horror-Clowns in Kurzfilmen auf Internet-Plattformen wie Youtube. Oft sind die Szenen gestellt – für den effektvollen Internetauftritt der Marke Homemade.

Neben all den Inszenierungen gibt es aber auch den Ernstfall. Seit 2016 vermelden Medien zunehmend Übergriffe auf Passanten. Mit Schlagstöcken und Messern. Doch auch das reine Erschrecken kann zu Verletzungen führen – in Deutschland stürzte ein Velofahrer, nachdem eine Grusel-Fratze hinter einem Gebüsch hervorgesprungen kam. Das Opfer musste ins Spital gebracht werden. Dass nun Kaufhäuser oder Internet-Versandshops auf diese Trend-Kostümierung aufspringen, stösst bei manchen auf Unverständnis. Für ein Statement zum Horror-Clown für Kinder war das Kaufhaus Karstadt nicht zu erreichen.

Kein Verständnis für Spässe mit Grusel-Fratzen

«Während der Halloween-Zeit gebe ich keine Clown-Kostüme heraus», sagt Mäggi Althaus. Sie betreibt seit Jahren einen Kostümverleih in Bürglen – die Maskerade des mutmasslichen Horror-Clowns aus demselben Dorf stammt somit nicht aus ihrem Sortiment. «Nein, ich habe zur Zeit auch gar keine Clown-Anfragen erhalten», sagt Althaus. Nur vor zwei Jahren, als in Frauenfeld ein 18-Jähriger von drei Maskierten angegriffen wurde, sei kurz darauf jemand gekommen, der ein Clown-Kostüm ausleihen wollte. «Das mit den Horror-Clowns finde ich aber total daneben.» Sowieso führe sie nur Pierrot-Kostüme und Clowns mit lieben Gesichtern im Sortiment. Aber auch jene werden während der Halloween-Zeit zurückgehalten. Aus Prinzip. Während Althaus über den bösen Clown-Trend nur den Kopf schütteln kann, läuft das Geschäft mit den fiesen Fratzen bei Online-Händlern wie funshop.ch auf Hochtouren. «Teuflischer Zirkus: Bo Bo der gruselige Clown» heisst eines der Kostüme: Die Halbglatze wird von zwei Büscheln violetter Haare flankiert, der grinsende Mund entblösst scharfe Eckzähne, eine rote Nase, das weisses Gesicht; dazu ein rotschwarzer Clown-Anzug mit Bommeln und das obligate Messer, das mit Kunstblut besprenkelt daherkommt, als ob Stephen Kings «Es» aus dem Fernseher in die Wirklichkeit getreten sei. Zum Gruseln. «Die Horror-Clowns haben wir seit mindestens fünf Jahren im Sortiment», sagt Cesare Alessandrelli. «Sie laufen alle Jahre gleich gut und sind immer ein beliebtes Thema», so der Geschäftsführer von Funshop.

Clown-Hype führt mancherorts zur Hetzjagd

Wenn von tausend fies lächelnden Horror-Clowns, die sich während Halloween friedlich geben, zwei gewaltsam aus der Reihe tanzen, dann liegt das nicht am Kostüm. Dennoch, einen gewissen Unmut bemerkt auch Alessandrelli. «Wir haben vereinzelt Abbestellungen – durch den Medien-Hype –, da die Leute nun minim Angst verspüren, sich als Horror-Clown zu verkleiden.» Da sich die Meldungen über Clown-Angriffe häufen, lösen sie zunehmend eine Hysterie in der Gesellschaft aus. Laut «USA today» führte dies an der Universität in Pennsylvania zu einer regelrechten Clowns-Hetzjagd. «Das Kostüm ist aber weiterhin beliebt», sagt Alessandrelli.

Trotz des Booms um den Horror-Clown glaubt die Kantonspolizei Thurgau nicht, dass es am Wochenende vermehrt zu Übergriffen kommen wird. «Wir haben um Halloween zwar Zusatzpatrouillen im Einsatz, aber nicht wegen der Clowns, sondern wegen der gängigen Sachbeschädigungen und anderem Unfug», sagt Meili. Dass im Thurgau ein Clown-Trend losbrechen wird, damit sei nicht zu rechnen.

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