Der gute Ruf leidet

Die Thurgauer Kulturstiftung fördert ihre eigenen Stiftungsräte. An die Künstler im Stiftungsrat sind in den letzten fünf Jahren 366 900 Franken ausbezahlt worden. Diese Praxis schadet dem Ruf der Thurgauer Kultur. Der Regierungsrat sollte nur Stiftungsräte ernennen, die auf eigene Gesuche verzichten.

Thomas Wunderlin
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Die Thurgauer Kulturstiftung fördert ihre eigenen Stiftungsräte. An die Künstler im Stiftungsrat sind in den letzten fünf Jahren 366 900 Franken ausbezahlt worden. Diese Praxis schadet dem Ruf der Thurgauer Kultur. Der Regierungsrat sollte nur Stiftungsräte ernennen, die auf eigene Gesuche verzichten.

Behauptet wird, man finde so keine geeigneten Thurgauer. Würde man Kulturschaffende von ausserhalb des Kantons wählen, so hätten diese einen zu hohen Anspruch. Auch einem Gemeinderat würde niemand das Recht verbieten, selber ein Baugesuch zu stellen. Wichtig sei die Beachtung der Ausstandsregeln.

Eine Gemeindebehörde muss aber ein korrektes Baugesuch bewilligen. Andernfalls hat der Gesuchsteller ein Rekursrecht. Lehnt die Kulturstiftung ein Gesuch ab, gibt es kein ordentliches Rechtsmittel. Sie muss die Ablehnung nicht einmal begründen. Ausstandsregeln sind ein Notbehelf. Ein Stiftungsrat hat trotzdem Vorteile gegenüber Aussenstehenden.

Es ist gar nicht belegt, dass sich keine geeigneten Kandidaten fänden, die auf eigene Gesuche verzichten. Sollte das doch stimmen, so müsste man die Sitzungsgelder erhöhen oder Kulturschaffende aus andern Kantonen wählen. Sind deren Ansprüche zu hoch für Thurgauer Verhältnisse, können die übrigen Stiftungsräte mit ihrer absoluten Mehrheit die Messlatte unten halten – will man die Ansprüche wirklich auf provinziellem Niveau halten.