Der Generationenwechsel steht an

Seit 70 Jahren wird die inzwischen einzige Bäckerei in Wängi durch die Familie Nafzger geführt. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts, obwohl Madeleine und Christian Nafzger ihr Unternehmen Ende Monat weitergeben.

Olaf Kühne
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Madeleine und Christian Nafzger übergeben ihr Geschäft an Romina Nafzger und Marco Amstalden. (Bild: Olaf Kühne)

Madeleine und Christian Nafzger übergeben ihr Geschäft an Romina Nafzger und Marco Amstalden. (Bild: Olaf Kühne)

WÄNGI. «Man kennt uns», sagt Christian Nafzger selbstbewusst. Seit 37 Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Madeleine die Bäckerei im Herzen Wängis. Längst können die beiden auf eine veritable Familientradition zurückblicken. Denn Vater Willi Nafzger übernahm das Geschäft vor gar 70 Jahren. Nun steht der nächste Generationenwechsel an.

Am 1. August treten Tochter Romina Nafzger und ihr Lebenspartner Marco Amstalden in Christians und Madeleines Fussstapfen. Sie werden ein florierendes und etabliertes Unternehmen weiterführen. Keine Selbstverständlichkeit. Geriet doch in der Vergangenheit kaum ein Segment so unter Druck wie die klassischen Dorfläden. Tankstellenshops und Discounter allerorten mit immer längeren Öffnungszeiten machen den Dorfbäckern und -metzgern seit Jahren das Leben schwer.

Prominente Lage

Doch die Nafzgers reagierten auf diesen Umbruch nicht mit Resignation. Vielmehr gingen sie in die Offensive und investierten laufend in ihren Betrieb. Verschiedene Umbauten sowie die Integration des Cafés in den Laden zeugen von Nafzgers Glauben an den Standort Wängi. «Wir haben hier ein gutes Einzugsgebiet», sagt Christian Nafzger und spricht damit die prominente Lage seines Geschäftes mitten im Dorf an, unmittelbar neben der Bahnlinie und zwei vielbefahrenen Durchgangsstrassen.

Nur mit der guten Lage lässt sich Nafzgers Erfolg dann aber doch nicht erklären. Laufend wird in der Wängemer Backstube an neuen Produkten getüftelt. So wurde die Thurgauer Mosttorte 2006 an der Swiss Bakery Trophy – einem nationalen Wettbewerb – gar mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Inzwischen ist die regionale Spezialität ein Klassiker in Nafzgers Sortiment, für den sich Woche für Woche rund hundert Liebhaber begeistern können.

Entsprechend euphorisch stehen Romina Nafzger und Marco Amstalden vor ihrer neuen Aufgabe. «Wir sind froh, dass es bald losgeht», sagen beide – und können einen gewissen Respekt vor der Herausforderung doch nicht verbergen. «Klar sind wir auch ein wenig nervös.»

Probelauf geglückt

Dass sie von der Kundschaft und ihren 28 Mitarbeitern akzeptiert werden, haben sie indes längst bewiesen. Vor zwei Jahren verabschiedeten sich Rominas Eltern für drei Monate aus dem Betrieb und überliessen dessen Leitung für drei Monate den Junioren. Der «Probelauf» gelang. «Wir erhielten von allen Seiten positive Feedbacks», blickt die angehende Chefin zurück.

Mutter und Vater Nafzger können dem bevorstehenden Generationenwechsel also gelassen entgegensehen. Sie wissen ihr Lebenswerk in guten Händen. «Es ist für uns ein Glücksfall, dass wir die Nachfolge innerhalb der Familie regeln konnten», freuen sich beide.