Der Geist aus der Flasche

RESTZUCKER

David Angst
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Wenn man zu einem Fest eingeladen ist und nicht weiss, was man schenken soll, bringt man eine Flasche Wein mit. So tauchte auch Gallus Müller an der Wahlfeier von Heidi Grau mit einer solchen auf.

Offenbar hatte ihm jemand gesagt, er solle einen Kalauer bringen. Er fand aber nur einen Müller-Thurgau in seinem Weinkeller. Wahrscheinlich hatte er ihn ebenfalls geschenkt bekommen, er hatte ja viele Auftritte im letzten Jahr. Was schenkt man dem höchsten Thurgauer, wenn er Müller heisst? Sicher keinen Pinot gris.

Der Grauburgunder würde vom Namen her eher zu Heidi Grau passen, aber lassen wir das, man soll ja keine Wortspiele mit den Namen anderer Leute machen, wenn man Angst heisst. Die Farbe der Etikette auf der Himbeer-Rhabarber-Konfitüre, welche Heidi Grau von der Firma Bina erhalten hat, ist übrigens auch nicht grau, sondern eher ein SP-Rot. Sieht aus wie ein Wahlflyer von Edith Graf-Litscher.

Gallus «Müller-Thurgau» sagte übrigens noch zu Heidi Grau, sie solle, wenn sie Rat brauche, die Flasche öffnen und an ihn denken. Er werde dann quasi wie der Geist aus der Flasche zu ihr reden. Die Frage ist, ob Müllers Geist wieder in die Flasche zurückkriecht, wenn man ihn nicht mehr braucht. Sommeliers raten dringend, spätestens für den dritten Gebrauch eine neue Flasche zu nehmen. Flaschen, auf denen Müller-Thurgau steht, gibt es ja viele.

David Angst

david.angst@thurgauerzeitung.ch