Der Friedhof ist ein Ort der Kraft

Karin Ruckstuhl arbeitet in den Metropolen Zürich und London. Deshalb schätzt sie die Ruhe und den Charme Frauenfelds als Wohnort umso mehr. Sie spaziert gerne durchs Langdorf. Auf dem Friedhof Oberkirch kann sie in sich gehen. Auch das Guggenhürli und das Mühletöbeli mag sie sehr.

Markus Zahnd
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Idylle: Das Mühletöbeli und der Bach laden zum Verweilen ein.

Idylle: Das Mühletöbeli und der Bach laden zum Verweilen ein.

FRAUENFELD. Karin Ruckstuhl ist weit gereist. Sie lebte eine Zeit lang in London und arbeitet heute sowohl in Zürich als auch in der englischen Hauptstadt. Frauenfeld aber, und das wird beim Spaziergang mit der Bankerin mehr als einmal deutlich, ist stets ihr Hafen geblieben. Ein sicherer Hafen, wie sie sagt. Sie ist im Langdorf aufgewachsen und wohnt nun seit einiger Zeit wieder in diesem Quartier. «Bereits wenn ich in Zürich ins Auto steige, fühle ich mich wie befreit. Ich bin dann auf dem Weg in die Heimat.»

«Das Langdorf hat seinen Reiz»

Karin Ruckstuhl schätzt die Ruhe und die Geborgenheit aber auch den Charme Frauenfelds. Sie geniesst es, nach einem hektischen Arbeitstag zurückzu- kommen und dann abends einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen. Dabei wählt sie zwar meist eine unterschiedliche Route, doch die Ziele bleiben oft die gleichen: das Mühletöbeli, der Friedhof Oberkirch mit der Kirche St. Laurentius und das Guggenhürli. «Das Langdorf hat nicht nur zum Wohnen, sondern auch zum Erleben seinen ganz besonderen Reiz», sagt Ruckstuhl.

Der liebste dieser Orte ist ihr der Friedhof Oberkirch. Bereits beim Eintreten in die Parkanlage beginnen ihre Augen zu leuchten. «Alleine der Anblick ist den Weg wert. Der Friedhof ist schön gestaltet und wunderbar angelegt – man hat auf den ersten Blick gar nicht das Gefühl, auf einem Friedhof zu sein.» Karin Ruckstuhl kommt deshalb mindestens zweimal im Monat hierher, der Ort schenke ihr Kraft und gebe ihr Ruhe. Und das, obwohl sie nicht nur schöne Momente mit dem Oberkirch verbindet. «Ich musste hier auch schon viele Verwandte oder Freunde beerdigen. Aber die Schönheit des Ortes versöhnt mich.»

Die schönste Allee in Frauenfeld

Besondere Freude hat sie an der Allee mit den Japanischen Zierkirschbäumen, die jeweils im Frühling ihre rosarote Blütenpracht entfalten. Das sei, sagt Ruckstuhl, mit der schönste Ort in Frauenfeld. «Die Allee ist schon von weitem schön. Wenn man aber durch sie geht, hat man das Gefühl, man schreite ins Paradies.» Überhaupt gefallen ihr die Blumen und Bäume im Friedhof. «Die Gärtner greifen zwar ein, aber man lässt die Pflanzen auch wachsen. Es ist nicht überpflegt.» Die Kirche St. Laurentius, die mitunter ein Ort der Kultur sei, gefällt ihr ebenfalls hervorragend.

Karin Ruckstuhl geht manchmal auch in anderen Ländern auf Friedhöfe. So mag sie die italienischen oder französischen Anlagen. «In jedem Land haben Friedhöfe einen anderen Charakter», sagt sie. Aber der Friedhof im Oberkirch sei einer der schönsten, den sie bisher gesehen habe. Das liegt vor allem am Friedhof selber, aber auch an der Umgebung. Östlich des Friedhofs ist eine Kuhweide, ausserdem hört man durchaus auch den Verkehrslärm von der Autobahn. «Das stört mich nicht. Im Gegenteil: Ich finde es sogar gut. Das zeigt, dass das Leben unmittelbar neben dem Friedhof stattfindet.» Und dann ist da ja auch noch der grandiose Ausblick. «Man hat einen weiten Ausblick, sieht den Seerücken oder bei gutem Wetter bis zum Flughafen Zürich.» Diese Offenheit verkörpert laut Ruckstuhl der Friedhof Oberkirch ganz allgemein: Er ist, im Gegensatz zum Kurzdorf, religionsneutral und für alle verstorbenen Einwohner offen.

Eine noch viel weiter zurückgehende Verbindung hat Karin Ruckstuhl zum Mühletöbeli. «Als Kinder haben wir hier gespielt. Einmal habe ich mich sogar darin verlaufen.» Einen Groll gegen das Mühletöbeli, das mit dem Bach und den steilen Hängen zwar eher ein richtiges Tobel ist, hegt sie deshalb nicht. Sie scheut sich auch nicht davor, alleine in den Wald zu gehen. «In Frauenfeld kenne ich keine Angst, auch bei Dunkelheit habe ich kein komisches Gefühl. Das ist wohl das Ur-Wohlsein in der Heimat.» Das Mühletöbeli sei auch nie übervölkert, obwohl es einen Lehrpfad und eine Hütte hat.

Ein Idyll mitten in der Stadt

Die letzte Station auf dem Spaziergang ist das Guggenhürli. Wobei Karin Ruckstuhl für dessen Anblick nicht mal vor die Haustür müsste, sie sieht das Landhäuschen von ihrem Büro aus. «Dieses Schlösschen hat einfach eine wunderbare Ausstrahlung. Es inspiriert mich», sagt Ruckstuhl. Angelus Hux beschrieb das Guggenhürli in seinem Buch als «freundlich über die nahen Dächer in die Landschaft blickendes Idyll» oder als «Relikt aus einer geruhsameren Zeit». Für Karin Ruckstuhl gibt es dieser Beschreibung des ehemaligen Ruhehäuschens von Johan Conrad Kern nichts hinzuzufügen.

Grün und viel Charme

Karin Ruckstuhl macht diesen Spaziergang nicht nur alleine. Auch wenn sie Gäste hat, zeigt sie ihnen das Mühletöbeli, das Guggenhürli oder den Friedhof Oberkirch. Denn insgesamt verkörpere dieses Gebiet im Langdorf genau das, was für sie Frauenfeld ausmacht: «Eine Stadt im Grünen mit viel Charme.» Der Liebe zu ihrer Stadt konnten auch die vielen Reisen in die weite Welt nichts anhaben.

Musik: Die Kirche St. Laurentius ist auch ein Ort der Kultur.

Musik: Die Kirche St. Laurentius ist auch ein Ort der Kultur.

Wahrzeichen: Das Guggenhürli thront über dem Rebberg.

Wahrzeichen: Das Guggenhürli thront über dem Rebberg.

Ausblick: Vom Friedhof Oberkirch sieht man weit über die Stadt hinaus.

Ausblick: Vom Friedhof Oberkirch sieht man weit über die Stadt hinaus.

Die Allee mit den Japanischen Zierkirschen auf dem Friedhof Oberkirch ist für Karin Ruckstuhl einer der schönsten Orte in Frauenfeld. (Bilder: Markus Zahnd)

Die Allee mit den Japanischen Zierkirschen auf dem Friedhof Oberkirch ist für Karin Ruckstuhl einer der schönsten Orte in Frauenfeld. (Bilder: Markus Zahnd)

Bild: MARKUS ZAHND

Bild: MARKUS ZAHND