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Der Fall Walz

Sowohl auf dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement als auf dem Politischen Departement hat die hinterlistige Verhaftung des in Arbon niedergelassenen deutschen Fischers Walz auf schweizerischem Bodenseegebiet unter Gewaltanwendung einen üblen Eindruck erzeugt.

Sowohl auf dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement als auf dem Politischen Departement hat die hinterlistige Verhaftung des in Arbon niedergelassenen deutschen Fischers Walz auf schweizerischem Bodenseegebiet unter Gewaltanwendung einen üblen Eindruck erzeugt.

Man sagt sich, welches Interesse denn Deutschland an dem vereinzelten Deserteur haben könne, da der Fall anderseits Anlass zu nachbarlichen Verstimmungen geben müsse und der deutschfeindlichen Presse willkommenen Stoff zu Angriffen gegen Deutschland biete.

Nicht mit amtlicher Billigung

Man geht kaum fehl, setzt man voraus, die Art der Verhaftung finde durchaus nicht die Billigung des Berliner Auswärtigen Amtes. In gegenwärtiger Kriegszeit ist der deutschen Regierung sicher nichts unerwünschter als Grenzzwistigkeiten mit dem Schweizer Nachbar. Dem Verlangen des Bundesrates auf Rückschaffung des Walz an die Schweiz dürfte daher in Berlin kaum widersprochen werden.

Deutschland hat für die Dauer des Krieges, allerdings ohne Präjudiz, die Grenzlinie durch die Mitte des Bodensees anerkannt. Dieser Anerkennung hat Deutschland in konkreten Fällen durch die Tat Ausdruck gegeben. Im Sommer 1915 sind auf dem Bodensee bekanntlich wiederholt schweizerische Lastschiffe durch deutsche Patrouillenboote auf Entfernungen vom schweizerischen Ufer angehalten worden, die es als sicher erscheinen liessen, dass der Eingriff auf dem unter schweizerischem Hoheitsrecht stehenden Teil des Sees stattfand. Der Bundesrat ist deswegen bei der deutschen Regierung vorstellig geworden, worauf den deutschen Wachtbooten der Befehl erteilt wurde, sich bei ihren Dienstfahrten grundsätzlich diesseits der Mittellinie des Sees zu halten. Seither sind dem Bundesrate keine Klagen mehr zugekommen; ebenso wird bei Probefahrten der Luftschiffe aus der Zeppelinwerft Friedrichshafen die Seemitte als Richtlinie eingehalten.

Gegen Regierungsanordnung

Der Gewaltakt diesseits der Seemitte gegenüber Walz steht also in direktem Widerspruch zur Anordnung der deutschen Regierung, dass deutsche Wachtboote und deutsche Luftschiffe die Mittellinie des Sees nicht überschreiten dürfen. Das nämliche Prinzip muss natürlich für alle übrigen Handlungen auf dem Bodensee gelten.

Seit Jahrhunderten wurde seitens der schweizerischen Uferkantone der Bodensee territorial bis zur Seemitte beansprucht. Der Zürcher Fäsi bemerkt in seiner 1766 erschienenen «Staats- und Erdbeschreibung» hinsichtlich der Grenzen der Landschaft Thurgau folgendes: «Gegen Morgen der Bodensee… gegen Mitternacht aber der Rhein und der Unter- oder Zellersee und zwar so, dass die eidgenössische Hoheit bis auf die Mitte des Boden- oder Untersees und des Rheins sich erstreckt, wo selbige die Landschaft Thurgau bewässern.»

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