Der Erzherzog und seine Frau sind tot

SARAJEWO. 28. Juni. Als der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, sich heute vormittag zum Empfang ins Rathaus begaben, wurde gegen das Automobil eine Bombe geschleudert, die der Erzherzog mit den Armen zurückwies.

Drucken
Teilen

SARAJEWO. 28. Juni. Als der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, sich heute vormittag zum Empfang ins Rathaus begaben, wurde gegen das Automobil eine Bombe geschleudert, die der Erzherzog mit den Armen zurückwies. Die Bombe explodierte, nachdem das erzherzogliche Automobil die Stelle passiert hatte. Der Attentäter ist ein Typograph aus Trebinje namens Cabrinovic. Er wurde sofort festgenommen.

Nach dem Empfang im Rathaus setzte der Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin die Rundfahrt fort. Dabei feuerte ein Gymnasiast der achten Klasse namens Princip aus einer Browningpistole mehrere Schüsse auf das erzherzogliche Automobil ab. Franz Ferdinand wurde im Gesicht, die Herzogin durch einen Schuss in den Unterleib verletzt. Sie wurden in den Konak verbracht und sind dort den Verletzungen erlegen. Auch der zweite Attentäter wurde verhaftet. Die erbitterte Menge hat die Attentäter nahezu gelyncht.

Wien, 28. Juni. In den Nachmittagsstunden verbreitete sich das Gerücht von einem in Sarajewo erfolgten Attentat auf den Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, welches gegen 3 Uhr nachmittags seine Bestätigung fand. Die erschütternde Nachricht wurde alsbald durch Extrablätter in der ganzen Stadt bekannt gemacht.

Ischl, 28. Juni. Der Kaiser, welcher sofort von dem Ableben des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin verständigt worden war, zog sich tief erschüttert in seine Appartements zurück und befahl, die Dispositionen für Rückreise nach Schönbrunn zu treffen.

Gerücht einer Verschwörung

Paris, 28. Juni. Der «Temps» erinnerte daran, dass der Erzherzog Franz Ferdinand sich nach Bosnien und Herzegowina begeben hatte, um den grossen Manövern beizuwohnen. Das Gerücht von einer Verschwörung war bereits seit einigen Tagen im Umlauf. Die Polizei hatte umfassende Massnahmen getroffen, ohne aber das schändliche Verbrechen verhindern zu können. Der Temps erinnert sodann daran, dass Erzherzog Franz Ferdinand der Befürworter eines grössern Österreichs war. Sein Einfluss machte sich besonders bei der Annexion von Bosnien und Herzegowina geltend.

Ischl, 28. Juni. Die Nachricht vom Ableben des Thronfolgers und seiner Gemahlin haben hier grosse Bestürzung und tiefste Anteilnahme auch für den Kaiser hervorgerufen. Als dem Kaiser die Nachricht mitgeteilt wurde, weinte er und brach in die Worte aus: «Entsetzlich! Auf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben!»

«Das ist schändlich»

Wien, 28. Juni. Die Neue Freie Presse berichtet folgende Einzelheiten über das Attentat von Sarajewo: Im Rathaus empfing der Stadtrat mit dem Bürgermeister an der Spitze den Erzherzog und seine Gemahlin. Als der Bürgermeister sich zu einer Ansprache anschickte, sagte der Erzherzog mit lauter Stimme: «Man kommt nach Sarajewo, um einen Besuch zu machen und da wirft man eine Bombe, das ist schändlich!» Nach einer Pause sagte er: Nun gut, jetzt können Sie sprechen!

Nach einem halbstündigen Besuch im Rathause wollte der Thronfolger nach dem Militärspital fahren, wohin ein durch die Bombe verwundeter Oberstlieutenant verbracht worden war. An der Ecke der Franz Joseph- und Rudolf-Strasse stürzte sich ein Individuum namens Cabrinovic, serbischer Nationalität gegen das Automobil und gab zwei Revolverschüsse ab.

Der erste Schuss durchschlug das Automobil und traf die Herzogin Hohenberg auf der rechten Seite in den Unterleib. Der zweite Schuss traf den Erzherzog Thronfolger in die Kehle und durchschlug die Schlagader. Die Herzogin fiel in Ohnmacht und fiel auf die Knie des Erzherzogs. Dieser verlor nach einigen Sekunden das Bewusstsein.

Sarajewo, 28. Juni. Der Attentäter Gavrilo Princip ist 19 Jahre alt und aus Grahovo im Bezirke Luvno gebürtig. Er gab bei seinem Verhör an, schon lange die Absicht gehabt zu haben, irgend eine hohe Person aus nationalistischen Motiven zu töten. Er habe heute auf den vorbeifahrenden Erzherzog Franz Ferdinand gewartet. Als das Automobil bei der Rückkehr vom Rathause beim Einbiegen in die Franz Josefgasse die Fahrt verlangsamen musste, führte er den Anschlag aus. Einen Moment habe er gezögert, da auch die Herzogin sich im Automobil befand, dann aber rasch zwei Schüsse abgegeben. Er leugnet, Komplizen gehabt zu haben.

Der neue Thronfolger

Wien, 28. Juni. Der neue Thronfolger, Erzherzog Karl Franz Josef ist 27 Jahre alt. Er ist ein Neffe des Toten und vermählt mit der Prinzessin Zita von Parma. Der Erzherzog hat sich in allen Kreisen viele Sympathien erworben. Er ist Oberstleutnant der Infanterie.

Aktuelle Nachrichten