Der Dampfer überzeugt nicht ganz

FRAUENFELD. Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein will Fakten zum geplanten Öko-Dampfschiff, bevor sie die Zusage als Betreiberin gibt. Gleichzeitig setzt Schifffahrtsunternehmer Hermann Hess ein Fragezeichen hinter die Wirtschaftlichkeit.

Silvan Meile
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Die «Hohentwiel» verkehrt als letztes Dampfschiff auf dem Bodensee. (Bild: Hannes Thalmann)

Die «Hohentwiel» verkehrt als letztes Dampfschiff auf dem Bodensee. (Bild: Hannes Thalmann)

Der Verein Pro Dampfer nimmt weiter Kurs auf den Bau eines neuen Dampfschiffes. Trotz Bedenken des Kantons Thurgau, der sich von einer möglichen Beteiligung am Projekt distanziert, lassen sich die «Pro-Dampfer» nicht entmutigen. Als weltweit erstes Schiff soll es CO2-neutral mit Holzpellets angetrieben werden. In der Flotte der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) soll es verkehren. 12 Millionen kostet der neue Dampfer. Das ist zu viel für die URh. Deshalb will der Verein Pro Dampfer voraussichtlich eine AG gründen, um die Finanzierung zu sichern und den Ökodampfer dann der URh mit einem Betreibervertrag überlassen.

Verhalten euphorische URh

Bei der URh sind noch zu viele Fragen offen, um bereits heute eine Zusage erteilen zu können, ob sie dereinst das Dampfschiff betreiben werde. «Bei einem solchen Pionierprojekt sehe ich zwar durchaus Chancen, für Touristen reizvoll zu sein», sagt Remo Rey, Geschäftsführer der URh. Doch erst wenn die Finanzierung gesichert und die Details des neuen Dampfschiffes bekannt seien, könne sein Unternehmen einen Entscheid fällen. Dann herrsche auch Klarheit darüber, wie das Personal eines solchen Schiffes zusätzlich ausgebildet werden muss und welche Anforderungen für die Zulassung als Kursschiff zu erfüllen seien. Bezüglich einer finanziellen Beteiligung winkt er aber schon heute ab. Die URh benötige ihre finanziellen Mittel, um die bestehende Flotte instand zu halten.

Auch Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Bodenseeschifffahrt, sieht in einem Dampfschiff durchaus eine Attraktion. Auch im Fahrplan seiner Schifffahrtsgesellschaft könnte er sich ein solches vorstellen. Vor allem als Angebotserweiterung hegt der Thurgauer Unternehmer und Nationalrat Sympathien für ein Dampfschiff. «Ich bin aber nicht sehr zuversichtlich, ob die Leute bereit sind, mehr fürs Billett zu bezahlen», sagt Hess. Denn hinter den wirtschaftlichen Aspekt des Vorhabens Dampfschiff-Neubau setzt er zumindest ein Fragezeichen. Ein vergleichbares Schiff mit einem Dieselmotor zu bauen, kostet nur etwa die Hälfte der 12 Millionen des geplanten Dampfschiffes.

Mit diesen teuren Baukosten und späteren Unterhaltskosten dürfte es der Verein Pro Dampfer wohl schwer haben, sich bequem über Wasser zu halten. «Die Betriebskosten sind sehr hoch», weiss Hess. Von einer Beteiligung am Projekt Dampfschiff dürfte er eher absehen. «Wir haben viel anderes und sehen uns derzeit ausserstande.»

«Hohentwiel» letzter Dampfer

Ende März erwartet der Verein Pro Dampfer die genauen Berechnungen der Ingenieure, ob der Ökodampfer gebaut werden könne, erklärt Hansjörg Lang, Vizepräsident des Vereins, der über 2000 Mitglieder zählt. 2020 wäre die Jungfernfahrt geplant. Es soll das erste Dampfschiff überhaupt werden, das mit Holzpellets und damit CO2-neutral betrieben wird. Während der Verein Pro Dampfer diesen Vorteil herausstreicht und von einer Weltneuheit spricht, bemängeln Kritiker, zu denen auch die Thurgauer Regierung gehört, den schlechten Wirkungsgrad der Dampfmaschine. Die Technik stamme aus einer anderen Zeit und sei entsprechend ineffizient, der Energieverbrauch viel zu hoch für die effektive Leistung.

Die URh verschrottete 1967 ihr letztes Dampfschiff. Auf dem Bodensee verkehrt heute die österreichische «Hohentwiel» als letztes Dampfschiff. Einst in desolatem Zustand erweckte der Verein Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum diesen Dampfer nach jahrelangen Restaurationsarbeiten und grossen Anstrengungen 1990 aus dem Dornröschenschlaf.

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