Der Bürgerprotest weitet sich aus

FRAUENFELD. Die Fluglärmgegner aus dem Hinterthurgau sind enttäuscht über die Pläne des Flughafens Zürich. Unter dem Deckmantel von mehr Sicherheit würden vermehrt Anflüge über den Thurgau anvisiert. Das Kantonsgebiet dürfte künftig stärker von Fluglärm betroffen sein.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
Besonders über die Region Frauenfeld sollen vermehrt Anflüge nach Zürich führen. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Besonders über die Region Frauenfeld sollen vermehrt Anflüge nach Zürich führen. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Über dem Thurgauer Himmel kündigen sich mehr Flugbewegungen an. Nebst dem ohnehin stark fluglärmgeplagten Hinterthurgau sieht das neue Betriebsreglement des Flughafens Zürich insbesondere auch für die Region Frauenfeld mehr Flugbewegungen landender Maschinen vor. Das könnte den Bürgerprotest Hinterthurgau zu einer kantonsweiten Vereinigung anwachsen lassen. «Dieses Thema wurde in unserem Vorstand besprochen, entschieden ist aber noch nichts», sagt Josef Imhof, Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau auf Anfrage.

Seit Jahren kämpft der Verein engagiert gegen den Fluglärm über dem Hinterthurgau. Bereits heute habe die Protestbewegung viele Mitglieder und Sympathisanten ausserhalb des Bezirks Münchwilen, erklärt Imhof. Um gegenüber dem Bund noch mehr Gewicht zu haben, wäre für ihn eine Ausweitung des offiziellen Vereinsgebiets auf den ganzen Kanton Thurgau sinnvoll. «Wir müssen die Kräfte bündeln», sagt Imhof. Denn das vom Flughafen Zürich beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eingereichte neue Betriebsreglement dürfte die Fluglärmproblematik noch mehr zum Thurgauer Problem werden lassen, auch wenn die Hinterthurgauer weiterhin den meisten Lärm abbekommen.

Auch Ängste in Frauenfeld

Die Sorge der Region Frauenfeld über künftig mehr Fluglärm, widerspiegelt sich auch in einem politischen Vorstoss. Das neue Flughafen-Betriebsreglement veranlasste Kantonsrat Hans-Peter Wägeli (SVP, Buch) zusammen mit Max Arnold (SVP, Weiningen) und Paul Koch (SVP, Oberneunforn) dazu, die Regierung über ihre mögliche Intervention beim Bazl anzufragen. Untragbaren Lärm während 14 bis 15 Stunden täglich fürchten die Kantonsräte durch Sinkflüge, die künftig über dem Iselisberg kanalisiert werden sollen. «Wir sind bereit, uns auch im Hinterthurgauer Bürgerprotest einzubringen», sagt Hans-Peter Wägeli, der noch auf eine Antwort der Regierung wartet.

Verbeugung vor Kapital-Adel

Für Josef Imhof aus dem Hinterthurgau ist das neue Betriebsreglement des Flughafens eine Enttäuschung. Vor allem, weil die Zürcher Goldküste weiterhin möglichst von Flugbewegungen verschont bleibt. «Der Bundesrat – und allen voran unsere Verkehrsministerin – beugt sich der Macht von Wirtschaft und Kapital-Adel im Süden des Flughafens», schreibt er in einer aktuellen Information an die Vereinsmitglieder. «Das neue Betriebsreglement ist Augenwischerei», sagt Imhof. Unter dem Deckmantel einer mit Entkopplungen von An- und Abflügen und damit verbundener Sicherheitssteigerung, was aber letztlich nur während zwei Stunden pro Tag geplant sei, würden schliesslich massiv mehr Anflüge über den Thurgau geleitet werden. «Betrachten wir das, was jetzt auf dem Tisch liegt, müssen wir davon ausgehen, dass die Bestrebungen dahingehend zielen, dass dereinst alle Anflüge über Osten kommen», sagt Imhof. Das würde schliesslich zu wesentlich mehr Flügen durch den Thurgauer Luftraum führen. Auch deshalb müsse der Thurgau gemeinsam gegen mehr Fluglärm einstehen.

Mit der Thurgauer Regierung fordere der Bürgerprotest Hinterthurgau mehr Abflüge über Süden, Lärmreduktion durch Gleitanflüge sowie eine vollständige Entflechtung der An- und Abflüge, so Imhof. Dabei müsse der Thurgauer Luftraum von Abfluglärm befreit werden.

Josef Imhof Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau. (Bild: Mario Testa)

Josef Imhof Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau. (Bild: Mario Testa)