Der böse Wolf aus Brüssel

Während sich die Diskussionen in Arbor felix (Nomen est omen) um den Erhalt einer Platane drehen, richten sich die Blicke der meisten anderen Thurgauer sorgenvoll in die Nachbarschaft. In Uzwil ist der Wolf aufgetaucht, in Zürich Jean-Claude Juncker. Welcher von beiden ist gefährlicher?

David Angst
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Während sich die Diskussionen in Arbor felix (Nomen est omen) um den Erhalt einer Platane drehen, richten sich die Blicke der meisten anderen Thurgauer sorgenvoll in die Nachbarschaft. In Uzwil ist der Wolf aufgetaucht, in Zürich Jean-Claude Juncker. Welcher von beiden ist gefährlicher?

Bundespräsident Schneider-ammann hat sich anscheinend während des ganzen Treffens mit Juncker im Uhrenkasten versteckt wie das siebte Geisslein in Grimms Märchen.

Dabei hätte es durchaus Gesprächsthemen gegeben. Schneider-Ammann hätte Juncker die Geschichte von dem Altersheimleiter im Tösstal erzählen können. Wegen einer EU-Verordnung musste dieser sämtliche Konfitürengläser neu etikettieren und sie mit «Fruchtaufstrich» beschriften. Denn der Lebensmittelinspektor hatte herausgefunden, dass der Zuckergehalt zu tief war. Ist das nicht Blödsinn, Herr Juncker?

Jean-Claude Juncker hätte wohl geantwortet: «Sehen Sie, Herr Schneider-Ammann, als wir beide noch zur Schule gingen, da wusste jede gute Hausfrau, dass eine Konfitüre zu 50 Prozent aus Zucker besteht. Heute meint leider jeder Heimleiter, er könne Konfitüre machen. Und deshalb braucht es die EU-Richtlinien.

«Und sehen Sie», fuhr Juncker fort, «Deutschland und Österreich sind ebenso betroffen. Sie dürfen ihre Aprikosenkonfitüre nicht mehr mit Marmelade anschreiben, weil die Aprikose keine Zitrusfrucht ist. Überhaupt, weshalb schicken sie ihre Lebensmittelinspektoren in den hintersten Winkel, um solches zu kontrollieren? Das macht in ganz Europa sonst niemand.

Und Juncker setzte noch einen drauf: «Seien Sie froh, dass wir noch nicht verlangen, in ganz Europa einen einheitlichen Namen für Blechkuchen zu verwenden. Sonst können Sie dann Ihre Fladen, Kuchen, Wähen und Tünen vergessen.»