Der Blick in die Röhre

GÜTTINGEN. Mit einem Bluescht-Treffen eröffnete das BBZ Arenenberg gestern in Güttingen einen Schau- und Lehrgarten mit einer Aussichtsplattform. Er soll eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung schlagen.

Michèle Vaterlaus
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Betriebsleiter Patrick Stadler (rechts) und BBZ-Direktor Martin Huber testen die Guckröhren auf der Aussichtsplattform. (Bild: Donato Caspari)

Betriebsleiter Patrick Stadler (rechts) und BBZ-Direktor Martin Huber testen die Guckröhren auf der Aussichtsplattform. (Bild: Donato Caspari)

GÜTTINGEN. Eine Million Äpfel werden jährlich geerntet. Zehn verschiedene Obst- und Beerenarten werden auf zehn Hektaren Fläche kultiviert. Und jährlich besuchen 1500 Fachleute aus aller Welt den Schul- und Versuchsbetrieb Mattenhof in Güttingen, um sich über die Forschung und Produktion von Obst und Beeren zu informieren. «Doch wir haben keine Kapazitäten für Spontanbesuche der vielen Velotouristen», sagte Betriebsleiter Patrick Stadler. Weil der Hof, der zum Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (BBZ) gehört, aber in die Mostindientour aufgenommen wurde, kamen die Verantwortlichen unter Zugzwang. «Das war der Tritt, den wir brauchten», sagte der BBZ-Direktor Martin Huber.

Darum hat sich das BBZ an die Arbeit gemacht. Entstanden ist die Idee des Schau- und Lehrgartens mit Aussichtsplattform. Gestern wurde der Garten im Beisein von knapp 25 Vertretern des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft eingeweiht. Auf 300 Quadratmetern stehen Bäume mit zwei Apfelsorten. Daneben erhebt sich ein kleiner Turm, die Aussichtsplattform. Alles ist öffentlich zugänglich und soll eine Brücke von der Landwirtschaft zur Bevölkerung schlagen.

See, Schulhaus und Hagelnetz

«Auf dem Turm kann sich niemand dem Anblick der interessanten Landschaft entziehen», sagte Huber und leitete damit zur Landschaftsqualität über. «Das BBZ hat in den vergangenen Jahren insbesondere den Mittelthurgau, aber auch die anderen Regionen unterstützt, Trägervereine zu gründen, die sich des Themas annehmen.» Es gehe um die Entwicklung von Dörfern. Darum, dass Dorfrandbetriebe ihren Freiraum bewahren können oder dass sich Betriebe im Dorfinnern mit einem Wegzug beschäftigen müssen. «Es ist ein dynamischer Prozess.» Das soll der Blick vom Turm aus verdeutlichen. Drei Guckröhren lenken dort den Blick aber noch auf andere Themen. Die eine richtet sich auf den See und thematisiert die Wichtigkeit von Wasser in der Landwirtschaft. Die zweite ist auf das Schulhaus gerichtet und legt den Fokus auf die Zusammenarbeit der Landwirtschaft mit Schulen, die sich beispielsweise in den Apfelwochen zeigt. Die dritte Röhre lenkt den Blick über die Obstbäume und Hagelnetze. «Sie sind wichtig zum Schutz gegen Hagel und Maikäfer», sagte Stadler.

Schluss mit Mundraub

Auf dem Turm befindet sich zudem eine Jahres-Drehscheibe. «Sie erklärt, was wir das ganze Jahr über tun», sagte Stadler. Damit sei die häufig an ihn gerichtete Frage beantwortet, was er im Winter tue: Unter anderem werden Schnittarbeiten vorgenommen und Vorbereitungen für den Frühling getroffen. Ein weiterer Vorteil für Stadler: «Spaziergänger nehmen gerne einen Apfel ohne zu fragen mit. Im Schaugarten ist das erlaubt.»

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