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Der Biber - Vorzeigetier und Schadenstifter

PFYN. Vor 200 Jahren wurde der Biber in der Schweiz fast vollständig ausgerottet. Der WWF Thurgau siedelte 1968 und 1969 insgesamt 9 Nager aus Norwegen wieder an. An der Thur leben heute rund 120 Biber. Der Thurgauer Biber-Boom entspricht einem landesweiten Trend.
Der Biber ist national und international geschützt. (Bild: Keystone)

Der Biber ist national und international geschützt. (Bild: Keystone)

Die Wiederansiedlung des Bibers ist eine Erfolgsgeschichte. Lange war der Nager ein Sorgenkind des Artenschutzes, allmählich wird er wieder zu einem gewöhnlichen Mitglied der hiesigen Fauna.

Das war nicht immer so: Der wertvolle Pelz war im 19. Jahrhundert der Hauptgrund für die Jagd auf den Biber. Gefragt war auch das so genannte Bibergeil; das Sekret, mit dem Biber ihr Revier markieren, galt als Wundermittel gegen viele Krankheit. Beliebt war auch das schmackhafte Fleisch des Nagers.

Der Biber ist einer der grössten Landschaftsgestalter im Tierreich. In ursprünglichen Landschaften baut er Dämme und beeinflusst damit die Vegetation und den Wasserhaushalt. Dadurch fördert er ausserdem die Artenvielfalt.

Erste Aktion im Thurgau
«Bei uns aber ist ihm der Mensch als der noch grössere Landschaftsveränderer in die Quere gekommen», schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU). Gewässer wurden begradigt, Auenlandschaften verschwanden, grosse Feuchtgebiete wurden entwässert.

Zwischen 1958 und 1977 wurden rund 140 Tiere ausgesetzt, hauptsächlich im Thurgau und in der Westschweiz. Im Kanton Thurgau geht der heutige Biberbestand auf eine WWF-Aktion zurück. Präsident Anton Trösch kaufte neun Nagetiere in Norwegen ein und siedelte sie am Nussbaumer- und Hüttwilersee wieder an.

Das Überleben der ausgesetzten Biber war danach lange unsicher, doch seit Mitte der 90er-Jahre breiten sie sich schnell aus. Der WWF Thurgau hat 2003 im Thurtal bei Pfyn einen Biberpfad errichtet, um der Öffentlichkeit das scheue Nagetier näher zu bringen.

Bibertaugliche Lebensräume schaffen
Für Naturschutzprojekte ist der Biber ein dankbarer Partner. 1996 retteten Kraftwerkmitarbeiter des Wasserkraftwerks Augst BL im Rechen vor dem Turbineneinlauf einen völlig entkräfteten Biber, der um sein Leben kämpfte.

Pro Natura Baselland reagierte und rief die Aktion «Hallo Biber!» ins Leben. Heute ist die Situation im Kraftwerk Augst entschärft, da eine Biberrampe installiert werden konnte. «Hallo Biber!» wurde 2007 von Pro Natura schweizweit lanciert und will mit zahlreichen Renaturierungsprojekten dem Biber den roten Teppich ausrollen.

Die Biberbestandesaufnahme 2007/08 schätzt den Schweizer Bestand auf 1600 Tiere. In der West- und Nordostschweiz sind sie wieder zahlreich, die Verbreitungslücke im Mittelland ist verschwunden. Heute werden keine Biber mehr ausgesetzt.

Doch noch immer lauern in den Flüssen viele Gefahren, welche den Bibern das Überleben schwer machen. Nebst zahlreichen noch unüberwindbaren Flusskraftwerken gibt es zu viele kanalisierte und zubetonierte Flussufer: Rund 90 Prozent der Schweizer Flüsse fliessen nicht mehr natürlich.

Biber-Management zur Schadensverhütung
Um das national und international geschützte Tier zu fördern, hat das BAFU das Konzept Biber Schweiz entwickelt, das Mitte März 2004 in Kraft getreten ist. Dieses soll aber auch einheitliche Kriterien für Entschädigungen von Biberschäden festlegen.

Der fleissige Nager zeigt sich nämlich auch von einer anderen Seite. Er entrindet gerne Obstbäume und Weiden. Hinter einem Zaun sind die Kulturen vor ihm sicher. Mehr ins Geld gehen die Schäden, die er durch seine Grabtätigkeit anrichten kann. Auch wenn Biber Dämme bauen sind sie nicht überall willkommen. Bei Hochwasser besteht ihretwegen erhöhte Überschwemmungsgefahr.

Mit dem grösseren Biberbestand haben auch die Konfliktfälle zugenommen. Hier kommt das Bibermanagement zum Tragen. Es soll dazu beitragen, Schäden zu verhüten und Konflikte beizulegen.

Zu diesem Zweck haben etwa die WWF-Sektionen Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen lokale Biberschützer ausbilden lassen. Ihre Aufgabe ist es, die Entwicklung des Biberbestands im Thurgau zu dokumentieren. Gleichzeitig sind sie Ansprechpartner für die Bevölkerung bei Problemen mit dem Biber. (sda)

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