Der Abzug der Truppen

Turmspatz

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«Eine Ära geht zu Ende», seufze ich. «Irgendwo geht immer etwas zu Ende, lieber Siegelturmtschilper», flötet mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, «dafür entsteht Platz für Neues.» – «Dir ist wohl nicht ganz klar, was wir da verlieren. Eine schlagkräftige Truppe verlässt die Region.» – «Die paar uniformierten Männer, die durch den Wald stolpern, auf der Suche nach Wasservögeln, die der Vogelgrippe zum Opfer fielen? Die rauchend herumlungern und aufs Essen warten?» – «Sie haben viel für uns getan», gebe ich zu bedenken. «Ach was. Die paar Treppen und Brücken an den Wanderwegen zählen doch nicht, die können vom Forstdienst in der halben Zeit gebaut werden», spottet mein Cousin. «Dafür kommen die Leute an die frische Luft. Und erleben Kameradschaft mitten in der Natur.» – «Und fehlen am Arbeitsplatz. Von mir aus kann man die Truppe ersatzlos streichen.»

Wir hätten uns wohl noch eine ganze Zeit gestritten, doch da schlurft in lockerer Formation ein Zug Zivilschützer vorbei. «Die sind in der Region zu Hause», tschilpe ich, «hier leisten sie einen sinnvollen Dienst.» – «Du hast recht», gibt der Turmspatz zu, «diese lockeren Zivilschutztage helfen auch gegen Herzinfarkt und andere stressbedingten Krankheiten.»

Gerade wollen wir unsere Versöhnung feiern, da braust ein Militärlastwagen heran. «Achtung», brüllt der Fahrer, «Frauenfeld braucht euch, ab sofort findet euer Dienst in der Hauptstadt statt.» Die Zivilschützer richten ihre Kleider, nehmen Haltung an und steigen ein. «So schnell gehen Veränderungen.» Traurig schaue ich dem davonfahrenden Lastwagen nach. «Erst nimmt man uns den eigenen Bezirk, dann folgten Zivilstandsamt, und Friedensrichter. Und nun verlieren wir den Zivilschutz. Irgendwann werden sie auch den Rhein nach Frauenfeld holen.»