Deppenfalle in Frauenfeld misst 2,70 m

FRAUENFELD. Sie ist mit 2,70 Metern genug hoch und doch immer noch zu tief: die SBB-Unterführung Rheinstrasse beim Bahnhof Frauenfeld. Die gesetzliche Normhöhe bei Personenwagen-Unterführungen beträgt 2,20 Meter. Trotzdem knallt's hier oft. Krach! Und wieder ein Lieferwagen mehr, der sich verkeilt hat.

Mathias Frei
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Der Miet-Lieferwagen bleibt in der Unterführung stecken. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Der Miet-Lieferwagen bleibt in der Unterführung stecken. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Frauenfeld. Sie ist mit 2,70 Metern genug hoch und doch immer noch zu tief: die SBB-Unterführung Rheinstrasse beim Bahnhof Frauenfeld. Die gesetzliche Normhöhe bei Personenwagen-Unterführungen beträgt 2,20 Meter. Trotzdem knallt's hier oft. Krach! Und wieder ein

Lieferwagen mehr, der sich verkeilt hat. Und noch ein Pferdetransporter, der stecken bleibt. Die armen Tiere, herrje! Derweil ist auf Facebook die Schadenfreude die schönste Freude, wenn ein Schaulustiger ein Unfallbild postet. «Haha, immer wieder das Gleiche», «Sie lernen es nie» – «Deppenfalle».

Der Miet-Lieferwagen bleibt in der Unterführung stecken. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Der Miet-Lieferwagen bleibt in der Unterführung stecken. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Genügend gut signalisiert

Die Unterführung ist seit 15 Jahren für den Verkehr freigegeben. Seit 2002 gibt's eine Unfallstatistik. Seither hat die Kantonspolizei 39 Unfälle hier registriert. Wer mit Blick auf diesen Unfall-Hotspot wohnt oder arbeitet, weiss: Täglich donnern Fahrzeuge in die Höhenbegrenzungen, welche beidseitig rund 20 Meter vor der Unterführung hängen. Die meisten Automobilisten können noch abbremsen, versuchen zu wenden, reversieren oder setzen zurück, schaffen es irgendwann. Erstmals signalisiert ist die Unterführung schon viel früher, nämlich am Postkreisel und auf der anderen Zufahrtsseite am Schaffhauserplatz. Höchsthöhe, schwarz auf weiss im roten Kreis. 2,70 Meter.

Und dann gibt es auch noch jene, die übersehen nicht nur die Signale, sondern überhören auch noch den Zusammenstoss mit der Höhenbegrenzung aus Holz und Metall. Zum Beispiel der 41-Jährige, dessen Kleinbagger auf dem Anhänger mit der Unterführung kollidiert. Sachschaden gemäss Kantonspolizei-Meldung: 15 000 Franken. Oder der 30-Jährige – laut Kapo «schätzte er offenbar die Höhe seines Lieferwagens falsch ein». Sachschaden: 20 000 Franken. Oder der 20-Jährige: 30 000 Franken Sachschaden. Ein Abschleppdienst musste kommen.

Und dazu noch eine Anzeige

Zum Sachschaden am Fahrzeug kommen die Reparaturkosten an der Höhenbegrenzung. Jährlich müsse sie 20mal instand gestellt werden, sagt Kantonsingenieur Andy Heller. Und im Schnitt alle drei Monate muss sogar eine neue Begrenzungslatte her. So ergeben sich jedes Jahr Aufwände von 5000 Franken. In 85 Prozent der Fälle könne der Verursacher eruiert werden und müsse aus dem eigenen Sack dafür aufkommen.

Eine Anzeige durch die Kantonspolizei bei der Staatsanwaltschaft macht das Fiasko aber dann tatsächlich perfekt. «Bezüglich des Strafmasses liegt die Zuständigkeit bei der Staatsanwaltschaft», erklärt Matthias Graf von der Kapo-Medienstelle.

«Eile und Unachtsamkeit», mutmasst Kantonsingenieur Heller über die Gründe der häufigen Selbstunfälle. Oftmals würden die Lenker auch die Höhe ihres Fahrzeugs nicht kennen, zum Beispiel bei Mietlieferwagen.

Hätte man die Unterführung tiefer gebaut, wäre die Durchfahrt höher. «Tiefer zu bauen, war nicht möglich», sagt Heller. Denn «drei Zwangspunkte» innert hundert Metern, nämlich die Gleise des Wilerbähnlis, die SBB-Gleise und die Murgbrücke, bestimmen im Rahmen der befahrbaren Gefälle das Profil der Unterführung. So ist das halt. Krach!

Auf der Bahnhofseite der Unterführung: Dieser Lieferwagenfahrer hat seine Fahrzeughöhe unterschätzt. (Bild: pd/Bernhard Blaser)

Auf der Bahnhofseite der Unterführung: Dieser Lieferwagenfahrer hat seine Fahrzeughöhe unterschätzt. (Bild: pd/Bernhard Blaser)