Den Schlössern Sorge tragen

In der letzten Folge der Sommer-Serie über die Thurgauer Schlösser kommen die Denkmalpfleger zu Wort. Sie erzählen vom sensiblen oder groben Umgang der Schlossherren mit ihren Schlössern und von der Faszination, welche die historischen Bauten umgibt.

Jeanette Herzog
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Schloss Altenklingen gefällt der Amtsleiterin der Denkmalpflege Beatrice Sendner wegen seiner Unberührtheit besonders gut. (Bild: Reto Martin)

Schloss Altenklingen gefällt der Amtsleiterin der Denkmalpflege Beatrice Sendner wegen seiner Unberührtheit besonders gut. (Bild: Reto Martin)

Frauenfeld. Des Schweizers liebste Freizeitbeschäftigung sei es unter anderem, historische Stätten zu besichtigen, sagt Beatrice Sendner, Leiterin der Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Sie beruft sich dabei auf eine Studie, die 2009 vom Bundesamt für Statistik herausgebracht wurde. «Die Leute sind viel geschichtsverbundener, als man glauben würde. Historie ist wichtiger als Fussball.» Das Interesse der Thurgauer an ihren Schlössern kommt also nicht von ungefähr.

Dazu komme, dass die Schlösser meistens landschaftsprägend seien, jeder kenne sie und die Gemeinden würden sich mit ihnen identifizieren, sagt Sendner. Wie das Tortürmchen von Schloss Hauptwil zieren sie gar die Gemeindewappen und auf anderen finden offizielle Anlässe statt. Ein Beispiel dafür ist Schloss Mammertshofen, wo traditionell die 1.-August-Feier der Gemeinde Roggwil veranstaltet wird.

Auf Gespräche bauen

Die Denkmalpflege vertritt dieses öffentliche Interesse an geschützten Gebäuden im Kanton. «Wir suchen das Gespräch mit den Schlossbesitzern, um ihnen beratend zur Seite zu stehen», erklärt Beatrice Sendner. Konkret heisse dies, erklärt der stellvertretende Leiter des Amtes für Denkmalpflege Urs Fankhauser, dass sich die Denkmalpflege überlege, wie allfällige Baupläne eines Schlossherrn umgesetzt werden können, ohne dass beim Schloss ein grundlegender Substanzverlust entsteht.

Finden jedoch vorgängig keine Gespräche statt, so muss die Denkmalpflege anhand des Baugesuchs die Pläne überprüfen und bei Abweichungen Einfluss auf die Baubewilligungsbehörde nehmen.

«Diener des Schlosses sein»

Durch die Zusammenarbeit mit den Schlossherren haben die Denkmalpfleger Einblick in viele der historischen Bauten erhalten. Besonders beeindruckt hat Beatrice Sendner Schloss Altenklingen in Wigoltingen. «Es ist eines der unberührtesten und gepflegtesten Schlösser im Thurgau.

Urs Fankhauser hingegen schwärmt für Schloss Castell in Tägerwilen. Ihn beeindruckt der mittelalterliche Kern der Anlage und der aufwendige Umbau zum Märchenschloss. Beide Schlösser befänden sich in altem Familienbesitz und das merke man, sagt Fankhauser. Beatrice Sendner erklärt es poetisch: «Diese Besitzer sind Diener des Objekts.» Sie meint damit, dass die Besitzer sich dem Schloss anpassen und ihm keine unpassenden Neuerungen aufzwingen. «Historische Bauten kann man nicht vergewaltigen, sonst verlieren sie ihren Wert», sagt sie.

Ein Schlossbesitzer müsse sich Zeit nehmen, um das Objekt kennenzulernen, und einen Weg finden, seine eigenen Wünsche dem Schloss unterzuordnen.

«Das Historische vertreiben»

Schlechte Beispiele gebe es aber leider auch. «An vereinzelten Schlösser hat sich der Schlossherr selbst ein Denkmal gesetzt, indem er das Historische aus den Schlossmauern vertrieben habe», sagt Sendner.

Da seien ihnen aber die Hände gebunden, da die Gemeinden letztlich für die Bewilligung der Baugesuche zuständig seien. Mindestens so frustrierend für einen Denkmalpfleger sei es, Schlössern beim Verfall zusehen zu müssen. «Wenn wir aber keine verlässlichen Partner haben auf Seiten der Besitzer, können wir unsere Aufgabe nicht erfüllen», sagt Sendner betrübt. Vollstes Verständnis hat sie hingegen für Schlossherren, die sich hinter den Mauern abschotten. «Die Privatsphäre ist nachvollziehbar, letztlich ist auch ein Schloss ein Einfamilienhaus.

» Entscheidend sei einzig, dass dem Schloss Sorge getragen wird.

Beatrice Sendner, Denkmalpflege. (Bild: Michel Canonica)

Beatrice Sendner, Denkmalpflege. (Bild: Michel Canonica)

Urs Fankhauser, Denkmalpflege. (Bild: Michel Canonica)

Urs Fankhauser, Denkmalpflege. (Bild: Michel Canonica)

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