Den richtigen Klang gefunden

FRAUENFELD. Die Leidenschaft, historische Fagotte nachzubauen, teilen die Bassettos aus Frauenfeld nur mit vier anderen Herstellern in Europa. Das liegt auch daran, dass der Bau eines solchen Instruments eine grosse Herausforderung darstellt.

Marion Wehrli
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Walter und Marianne Bassetto mit einer ihrer Fagott-Nachbauten. (Bild: Reto Martin)

Walter und Marianne Bassetto mit einer ihrer Fagott-Nachbauten. (Bild: Reto Martin)

Hektik hat in der Werkstatt der Bassettos keinen Platz. Es ist sauber aufgeräumt, die Werkzeuge liegen ordentlich aufgereiht auf den Tischen. Man ist umgeben von Fagotten aller Art, kleine, grosse, gut und weniger gut erhaltene. Hier und da liegen unfertige Fagotte herum, bereit zum Bearbeiten. Nur einmal erscheint der Mitarbeiter während des Gesprächs, ansonsten ist es still in der Werkstatt der Bassettos. «Meine Passion für den Instrumentenbau hat schon sehr früh begonnen», sagt Walter Bassetto, Inhaber des Musikgeschäfts Bassetto an der Wiesenstrasse 13. «Bereits mit 14 Jahren habe ich meine Blasinstrumente in ihre Einzelteile zerlegt und wieder zusammengeschraubt.»

Auf Umwegen zum Traumberuf

Sein Weg habe ihn dann aber nicht direkt zu seinem Traumberuf geführt. «Zuerst habe ich eine Lehre als Feinmechaniker gemacht. Als ich jedoch damit fertig war, habe ich sofort eine Lehre als Instrumentenbauer angeschlossen.» Nach seinen Ausbildungen wird Bassetto Fagottist und Musiklehrer. Doch der Traum, eigene Instrumente herzustellen, bleibt. So fertigt er für seine Schüler selbst kleine Fagotte, sogenannte Fagottinis, da diese sich gut als Lerninstrumente eignen.

Nach dem Umzug nach Frauenfeld eröffnet Bassetto mit seiner Frau Marianne eine Werkstatt, in der sie Fagotte reparieren. «Zuerst waren wir nebenbei noch als Musiklehrer tätig, doch je mehr Kunden in die Werkstatt kamen, umso weniger unterrichteten wir», sagt Walter Bassetto.

Im Stil von Savary

Mit den historischen Fagotten kamen die beiden im Jahr 2008 in Kontakt, als Lyndon Watts, der damalige Professor für Fagott an der Musikhochschule Bern, sie aufsuchte. Er fragte sie, ob sie für ein Forschungsprojekt gerne ein historisches Fagott bauen würden. «Wir sagten zu und seit damals bauen wir historische Fagotte im Stil von Savary nach, moderne Fagotte hingegen reparieren wir ausschliesslich», sagen die Bassettos (siehe Kasten). Ihr Geschäft hat sich mittlerweile sehr gut etabliert. Denn obwohl der Markt der historischen Fagotte klein ist, sind ihre Nachbauten weitherum gefragt. «Wir hatten schon Kunden aus Dänemark, Belgien, Österreich oder sogar Australien», sagt Walter Bassetto stolz. Viele der Anfragen kommen von professionellen Musikern, die in klassischen Ensembles oder in einem Barockorchester mitspielen und dazu ein historisches Fagott brauchen. Das hat auch seinen Preis, kostet doch ein Instrument 6 800 Franken.

Laut Bassetto erklären sich diese Kosten dadurch, dass es in Europa gerade mal fünf Hersteller von historischen Fagotten gibt, sie sind also eher rar. «Zudem stellen wir alles selbst her. Wir beziehen rohes Ahornholz und Metall und bauen daraus ein gesamtes Instrument auf. Sogar die Schrauben stellen wir in unserer Werkstatt her», sagt Walter Bassetto. Wie lange man dafür wohl hat? Bassetto lacht. «Das werden wir oft gefragt. Ich habe aber keine Ahnung, wie viel Zeit ich am Ende wirklich investiere.»

Schwierigkeiten beim Bauen

Historische Fagotte nachzubauen ist extrem schwer, da viele der Originale 200 Jahre alt sind und oftmals nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand sind. Ausserdem ist es für die heutigen Hersteller auch schwer nachzuvollziehen, wie die Instrumente damals behandelt wurden. Hat man sie in Öl eingelegt oder bloss damit eingerieben? Und in welchem Winkel muss jetzt ein Loch genau gebohrt werden, um einen gewissen Klang zu erzeugen? Ein weiteres Problem ergibt sich beim Beurteilen alter Instrumente. Wenn sie schlecht erhalten sind, fehlen oft Teile, wenn sie gut erhalten sind, kann das ebenfalls schlecht sein. «Wenn ein Instrument sehr gut erhalten ist, kann das auch daran liegen, dass es niemand nutzen wollte, weil es so drittklassig ist», sagt Marianne Bassetto.

Damit die Bassettos dem originalen Instrumentenklang möglichst nahekommen können, müssen sie viele Prototypen bauen. Wenn ein Prototyp fertig gebaut ist, gibt ihn Bassetto einem Musiker zum Beurteilen. Dieser testet das Fagott auf Klang und Intonation. Anschliessend überprüft auch Walter Bassetto das Fagott und ändert allenfalls etwas. Bis das Fagott fertig entwickelt und verkauft werden kann, dauert es lange. «Wir brauchten viel Zeit, bis wir am Punkt angelangt waren, wo wir sagen konnten, so können wir den Musikern die Instrumente anbieten», sagt Marianne Bassetto. «Aber jetzt haben wir das Glück, dass wir eine Nischenposition gefunden haben und die Leute deshalb auch von weit her zu uns kommen.»