Den Guggen fehlt der Nachwuchs

Bei mehreren Guggenmusiken im Hinterthurgau sind die Mitgliederzahlen rückläufig. Besonders die Braunauer Gugge kämpft um ihr Überleben. Doch die Dorfjugend zeigt kein Interesse.

Belinda Halter
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Braunauer Gugge: Innerhalb kurzer Zeit sind vier Mitglieder ausgetreten. Derzeit musizieren noch 14. (Bild: zVg)

Braunauer Gugge: Innerhalb kurzer Zeit sind vier Mitglieder ausgetreten. Derzeit musizieren noch 14. (Bild: zVg)

Mit einem Aufruf im Mitteilungsblatt der Gemeinde versucht die Guggenmusik Braunau seit einigen Monaten neue Mitglieder anzuwerben. Denn die kleine Guggentruppe des Dorfes hat um ihr Weiterbestehen zu kämpfen. «Innerhalb kurzer Zeit sind vier Personen bei uns ausgetreten. Früher waren wir meistens um die 20 Mitglieder, momentan sind wir aber nur noch 14 Personen», sagt Corina Wagner. Sie bezeichnet sich selbst als Mädchen für alles bei der Guggenmusik und lancierte auch die Anzeige.

«Junge sind anders orientiert»

Wenn die Guggenmusik nicht bald Zuwachs bekommt, sieht Corina Wagner keine Zukunft für die Dorfgugge. «Unsere Gruppe besteht mehrheitlich aus Leuten um die 50. Diese werden irgendwann keine Lust mehr haben und uns verlassen», sagt die Braunauerin. Um die Nachfolge zu sichern, seien sie deshalb vor allem auf der Suche nach jungen Leuten aus dem Dorf. Diese sind jedoch nicht so einfach für die Dorfgugge zu begeistern. Bis jetzt blieben Reaktionen auf die Anzeige im Mitteilungsblatt aus.

«Ich denke, die Jungen sind einfach anders orientiert. Sie interessieren sich wahrscheinlich nicht für das Dorf- oder Vereinsleben», meint Wagner.

Auch die Sirnacher «Murglaatschä» verzeichnen nur wenige junge Mitglieder. «Die Jugendlichen stellen sich oft etwas anderes unter der Guggenmusik vor. Wir sind ein Verein und deshalb gibt es auch Verpflichtungen, die eingehalten werden müssen», begründet Präsident Christof Schnelli.

Es werde oft nicht daran gedacht, dass neben den Auftritten an den Wochenenden noch regelmässig geprobt werde. Mit 13 Auftritten im Jahr und einer wöchentlichen Probe von Ende September bis zum Beginn der Fasnacht haben die Sirnacher ein volles Programm. Anders sieht es bei den Braunauer Guggen aus. Diese proben lediglich vier- bis fünfmal im Jahr und sind kein Verein. Corina Wagner hofft wenigstens damit, einen Anreiz für die jungen Leute zu bieten.

Bekanntes Problem

Dass immer mehr Guggen auf Mitgliedersuche sind, höre man überall, sagt Christof Schnelli. Auch bei den «Murglaatschä» habe sich die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren stetig verringert. Einen weiteren Grund dafür sieht der Präsident in der Vielzahl der Guggenmusiken. «Es werden immer neue Vereine gegründet. Allein die Stadt Wil hat fünf Guggen. So wird es immer schwieriger neue Mitglieder zu finden», sagt Schnelli.

Obwohl die «Murglaatschä» schon einmal aus 35 Mitgliedern bestanden, ist Schnelli mit den derzeit 18 Aktiven zufrieden. Schliesslich sei es die Hauptsache, dass die Mitglieder motiviert seien.

Nicht alle wollen wachsen

Im Gegensatz zu den anderen will die Guggenmusik Nollenfäger gar nicht mehr wachsen. «Wir haben klein angefangen und wollen klein bleiben», sagt Präsident Stefan Schefer.

Im Moment besteht die Gugge aus gemeindeinternen Mitgliedern – Personen aus Hosenruck und Wuppenau. Obwohl die Mitgliederzahl in den letzten Jahren eher knapp war, blickt der Präsident zuversichtlich in die Zukunft. Mit seinen 15 Guggern sieht er sich in einer glücklichen Lage und nähme auch einige Braunauer bei sich auf. «Unsere zwei Guggen könnten sich zusammenschliessen», meint Stefan Schefer grosszügig.

Schliesslich geht es bei beiden Guggenmusiken ums gleiche: die Freude an der Guggenmusik und die Erhaltung einer Dorftradition.

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