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Delphine starben wegen Antibiotika

LIPPERSWIL/KREUZLINGEN. Die Strafuntersuchung gegen zwei Tierärzte im Zusammenhang mit dem Tod der Connyland-Delfine Shadow und Chelmers ist abgeschlossen. Laut der Staatsanwaltschaft sind abgegebene Antibiotika schuld am Tod der Meeressäuger. Einer der Tierärzte hat einen Strafbefehl erhalten. Das Connyland bleibt nach wie vor überzeugt davon, dass die Tiere vergiftet wurden.
Daniel Walt/Ida Sandl
Delfinshows gibt es im Connyland nicht mehr lange - die verbliebenen Meeressäuger werden weggegeben. (Bild: Archiv/Susann Basler)

Delfinshows gibt es im Connyland nicht mehr lange - die verbliebenen Meeressäuger werden weggegeben. (Bild: Archiv/Susann Basler)

Seit November 2011 ist im Thurgauer Freizeitpark Connyland nichts mehr, wie es war. Innert einer Woche starben damals die beiden Delfine Shadow und Chelmers. Die Symptome waren bei beiden Meeressäugern dieselben: Sie schwammen plötzlich hektisch hin und her, zitterten und litten unter Atemnot, bevor sie starben. Nun ist die Strafuntersuchung zum Tod der beiden Tiere abgeschlossen. Wie die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen mitteilt, steht aufgrund zweier eingeholter Gutachten zweifelsfrei fest, dass Shadow und Chelmers an einer Hirnschädigung gestorben sind.

Zu viel beziehungsweise zu lange verabreicht
Ursache der Hirnschädigung war laut der Staatsanwaltschaft bei beiden Delfinen eine zu hohe Dosierung beziehungsweise eine zu lange Verabreichung eines Antibiotikums, das zur Behandlung von Infektionen eingesetzt wurde. In der Mitteilung heisst es weiter: "Andere Gründe (vorsätzliche Vergiftung durch Drittpersonen, Partylärm etc.) können als Todesursache ausgeschlossen werden." Im Lauf der Untersuchung hatte das Connyland erste Befunde, wonach die Tiere wegen Antibiotika verendet seien, in Zweifel gezogen: Verantwortliche des Freizeitparks hatten sich mehrfach überzeugt gezeigt, dass die beiden Tiere von einer Drittperson vergiftet worden seien. Stefan Haffter, stellvertretender Generalstaatsanwalt, sagt zu diesem Punkt auf Anfrage: "Die Gutachten sagten ganz klar, dass die beiden Delfine weder vorsätzlich vergiftet noch an den Folgen des Partylärms gestorben sind."

"Es war Gift im Spiel"
An einer Medienkonferenz, die das Connyland am frühen Nachmittag einberufen hatte, sagte Mediensprecher Erich Brandenberger: "Das Connyland bleibt überzeugt davon, dass beim Tod der Tiere Gift im Spiel war." Man habe Zweifel an den Resultaten der Untersuchungen und berufe sich auf die erste Untersuchung. Bei dieser seien im Urin der Delfine Spuren des Opiats Buprenorphin gefunden worden, so Brandenberger. Das Connyland werde die Aussage, dass die Delfine an den Folgen der Antibotika-Gabe verendet seien, nicht so stehen lassen, aber werde voraussichtlich keinen Rekurs einlegen.

Strafbefehl wegen fahrlässiger Tierquälerei
Der Sachverhalt sei im Rahmen der Strafuntersuchung umfassend abgeklärt worden, betont die Staatsanwaltschaft weiter. Laut Stefan Haffter verfasste das Institut für Veterinärpathologie der Uni Zürich zunächst ein erstes Gutachten. In der Folge wurde beim Institut für Rechtsmedizin in St.Gallen ein toxikologisches Zusatzgutachten in Auftrag gegeben. "Beide Gutachten kamen zum Schluss, dass eine falsche Medikamentierung für den Tod der Delfine ursächlich ist", so Haffter. Das Strafverfahren gegen den im Connyland für die tiermedizinische Betreuung zuständigen und ortsansässigen Tierarzt wurde eingestellt. Hingegen erliess die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gegen einen im Ausland wohnhaften Tierarzt einen Strafbefehl wegen mehrfacher fahrlässiger Tierquälerei. "Er trug die Verantwortung", so Stefan Haffter. Der ortsansässige Tierarzt habe mit dem Spezialisten, der im Connyland beratend und unterstützend tätig ist, Rücksprache gehalten. Der Spezialist habe das Medikament und die Dosierung empfohlen. "Gestützt auf seine Erfahrung hätte er aufgrund der Symptome die Dosierung der Medikamente und den Zeitraum hinterfragen müssen", sagt Stefan Haffter. Der Meeressäuger-Spezialist erhielt eine Busse von 4000 Franken.

Beide Entscheide sind noch nicht rechtskräftig und können innert zehn Tagen angefochten werden.

Todesfälle mit politischen Folgen
Der Tod der beiden Delfine Shadow und Chelmers hatte im In- und Ausland zu heftigen Debatten über das Connyland, aber auch über Delfinarien generell geführt. So entschied das Parlament Mitte 2012 in einer sogenannten "Lex Connyland", dass keine neuen Delfine mehr in die Schweiz eingeführt werden dürfen. Der Lipperswiler Freizeitpark erwog zunächst ein Referendum, verwarf die Idee aber wieder, weil ein allfälliger Abstimmungskampf ohne Partner zu kostspielig geworden wäre. Das Importverbot bedeutet letztlich das baldige Ende des Delfinariums in Lipperswil: Ein Männchen muss wegen einsetzender Geschlechtsreife von der Mutter getrennt werden - und ohne neue Tiere können die verbliebenen drei Delfine laut dem Connyland nicht mehr artgerecht gehalten werden. Aktuell steht das Delfinarium in seiner letzten Saison, bevor die verbliebenen Meeressäuger weggegeben werden - wohin ist noch unklar. In einem Bereich des Delfinariums hat das Connyland bereits ein Abenteuer-Gelände eingerichtet.

Was die Tierschützer sagen

Bestätigt sieht sich nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft das deutsche Wal- und Delfinschutzforum (WDSF). Geschäftsführer Jürgen Ortmüller ruft in Erinnerung, das WDSF sowie die Organisation Pro Wal hätten die Antibiotika-Verabreichung bereits im August 2011, also noch vor dem Tod der beiden Delfine, thematisiert. Im Übrigen erinnert Ortmüller daran, dass gegen Connyland-Geschäftsführer und Pressesprecher Erich Brandenberger eine Strafanzeige wegen übler Nachrede läuft. Es geht laut dem WDSF um Brandenbergers Behauptung, deutsche Tierschützer hätten die beiden Delfine möglicherweise vergiftet. (dwa)

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