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DAUERREGEN: Hunderttausende Setzlinge landen im Abfall

Der Dauerregen macht den Gemüseproduzenten zu schaffen. Weil die Böden voll mit Wasser sind, können die Felder nicht bearbeitet werden. Wenn keine neuen Pflanzen gesetzt werden, fehlt aber eine Ernte.
Ida Sandl
Wasser steht zwischen den Salaten: Gemüseproduzent Ralph Bötsch auf einem seiner Felder. (Bild: Reto Martin)

Wasser steht zwischen den Salaten: Gemüseproduzent Ralph Bötsch auf einem seiner Felder. (Bild: Reto Martin)

400'000 Setzlinge für den Abfall. Schon zum zweiten Mal. Ralph Bötsch, Gemüseproduzent aus Salmsach, verwirft die Hände, schaut zum Himmel. Wolkenverhangen wie schon den ganzen Monat, dunkel wie eine Drohung. «Seit zwei Wochen können wir nichts mehr setzen und nicht säen.» Weder Salat noch Kohlräbli noch die dringend für den Winter benötigten Rüebli.

Der Dauerregen hat die Böden in zähen Schlamm verwandelt. Aber die Setzlinge sind seit langem bestellt, die werden trotzdem geliefert, die müssen trotzdem bezahlt werden. Und die Arbeiter? «Ich kann sie doch nicht heimschicken», sagt Bötsch. Er beschäftigt um die 85 Personen. Denn – auch wenn es im Moment nicht danach aussieht – es ist Hochsaison.

Geerntet wird per Hand

Seit 35 Jahren baut Bötsch Gemüse an, etwa 50 Hektaren Freiland. Er weiss, dass er von der Natur abhängig ist, aber: «So etwas habe ich noch nicht erlebt.» Die Felder sind so nass, dass sie mit Maschinen nicht bearbeitet werden können.

«Das würde den Boden komplett ruinieren», sagt auch Daniel Staubli, der beim landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg die Abteilung Obst, Gemüse und Beeren leitet. Das heisst konkret: Was jetzt geerntet wird, muss von Hand vom Feld getragen werden.

Kein Appetit auf Salat

Sind Salat und Gemüse dann endlich glücklich im Verkaufsregal gelandet, kommt das nächste Problem: Die Konsumenten haben im Moment keinen Appetit auf Kopfsalat, Tomaten und Gurken. Es ist zu kalt zum Grillieren und für leichte Sommer-Salate. Das Gemüse bleibt im Regal, die Preise für die Produzenten sinken. Mit etwa 20 Prozent Einbussen rechnet Bötsch – bis jetzt.

Es kann noch schlimmer kommen. Denn: «Wer nicht sät, kann auch nicht ernten.» In vier bis fünf Wochen wird sich der Ernteausfall zeigen. Dann fehlt alles, was jetzt nicht gesät und gesetzt werden kann. «Das Schweizer Gemüse könnte im August knapp werden», befürchtet auch Daniel Staubli.

Besser, aber nicht gut

Es gibt jedoch regionale Unterschiede: Sepp Egger hat seinen Gemüsebetrieb in Wertbühl bei Istighofen. Er hat ein bisschen mehr Glück als Ralph Bötsch, seine Böden sind nicht ganz so triefend nass. «Wir konnten bisher immer noch pflanzen.»

Makellos: Ist jetzt schwierig

Die Erde ist schwer, die Pflanzen können keine so tiefen Wurzeln schlagen wie sonst. Wenn auf die extreme Nässe nun die extreme Hitze folgen sollte, dann sieht Egger schwarz. «Das würden die Pflanzen nicht gut verkraften.»

Beispiel Kopfsalat: Die eher flachen Wurzeln könnten die Blätter nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgen. Die Ränder würden austrocknen und gelb werden. Doch alles, was nicht perfekt aussieht, verkauft sich heutzutage schwer oder gar nicht.

In der nächsten Woche entscheidet sich, wie dramatisch die Situation wird. Wenn es weiter regnet, wird es auch für die Bauern kritisch, die ihre Felder bis jetzt noch bestellen können. Ausserdem kämen dann die Krankheiten, sagt Egger: «Die Krautfäule bei den Kartoffeln zum Beispiel.»

Die Reben fangen an zu blühen

Auch der Wein braucht Sonne. Der Regen mache die Arbeiten im Weinberg mühsam, sagt Markus Frei aus Uesslingen. Die Reben hätten die Nässe aber gut verkraftet. Nächste Woche fangen sie an zu blühen. Wenn es dann weiter regnet, werden zu viele Blüten abgestossen. Es gibt weniger Trauben. «Der Wein verrieselt», nennen es die Winzer. Zudem würden sich Krankheiten wie der Mehltau ausbreiten, wenn die Nässe anhält.

Mit ein bisschen Sonne ist es nicht getan. Damit den Gemüsebauern wirklich geholfen ist, muss es mindestens mehrere Tage, besser noch eine Woche lang trocken und sonnig bleiben. «Eineinhalb Tage schönes Wetter reichen nicht aus», sagt Ralph Bötsch. Bei aller Tragik: Sepp Egger kann dem Endlosregen auch eine positive Seite abgewinnen: «Nach der extremen Trockenheit im vergangenen Sommer sind wenigstens die Grundwasserspeicher wieder gut gefüllt.»

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