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Das zufällige Riesenpopcorn

Im Schweizer Pavillon an der Architektur-Biennale in Venedig steht ein Kunstprojekt des Architekten und ETH-Professors Christian Kerez. An der Umsetzung war die Frauenfelder Adunic massgeblich beteiligt.
Christine Luley
Die weisse Betonwolke im Schweizer Pavillon «Incidental Space» an der Architektur-Biennale in Venedig. (Bild: pd)

Die weisse Betonwolke im Schweizer Pavillon «Incidental Space» an der Architektur-Biennale in Venedig. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Eine weisse Betonwolke hat der Architekt und ETH-Professor Christian Kerez geschaffen. Diese ist im Schweizer Pavillon in Venedig aufgebaut, und steht bis zum Ende der grossen Architekturbiennale am 27. November allen Besuchern offen. Schweben kann man nicht darin, aber in den «Incidental Space», den zufälligen Raum, hineinsteigen.

«Der Weg von der Idee bis zur Ausführung gestaltete sich sehr aufwendig und langwierig», erzählt Martin Joos von der Firma Adunic. Gemeinsam mit der ETH und Spezialisten für digitale Produktionsmöglichkeiten war die Frauenfelder Firma für Temporärbauten mit der Realisierung und Fertigstellung des Objekts von Christian Kerez beauftragt. Der Co-Firmenchef und Gründer fasst die Arbeitsabläufe zusammen.

Virtueller und komplexer Raum

«Incidental Space»: Mit dieser Vision wurde Christian Kerez im vergangenen Dezember von der Kulturstiftung Pro Helvetia für die Gestaltung des Innenraumes des Schweizer Pavillons nominiert. Die Idee war, einen Raum mit Sand, Zucker, Wachs und anderen Materialien zu konstruieren und dann in Gips zu giessen. Aus rund 300 Modellen wählte das Team um Kerez eins aus, erfasste den Raum digital und unterzog ihn einer 50fachen Vergrösserung. «Unsere Aufgabe war es, den so entstandenen, virtuellen Raum detailgetreu in Spritzbeton nachzubauen. Auch aufgrund der komplexen Geometrie war das eine grosse technische Herausforderung», sagt Joos.

Speziell leichter Spritzbeton

Das Projektteam von Adunic prüfte die Idee auf die technische Machbarkeit. Die Zeit drängte, es war bereits Januar, in zwei Monaten musste es fertig sein. «Für so eine Aufgabenstellung muss man neugierig sein, und etwas tüfteln», erklärt Joos, und dass für die Fertigung der Schalungselemente und den geplanten Betonbau unterschiedliche Methoden und Technologien angewendet wurden. Die Fachleute entwickelten einen mit Glasfasern armierten, speziell leichten Spritzbeton. Die Elemente wurden mit Spezialisten für digitale Produktion mit Technologien wie 3D-gedruckten Schalungselementen in Furansand hergestellt. Statiker prüften die Stabilität, denn das selbsttragende Raumgebilde musste begehbar und stabil sein. Joos: «In kurzer Zeit konnte dank enger Zusammenarbeit mit Architekten, Technikern, Materialtechnikern, Handwerkern und Studenten viel erreicht werden.» Die 220 Spritzbetonschalen wurden in einer Halle in Tagelswangen nach ihrer Herstellung für den Transport nach Venedig in Einzelteile zerlegt. Dort klebte das Team von Projektleiter Remo Wenk die einzelnen Elemente mit Spezialkleber in der richtigen Reihenfolge zusammen. Mit hohem handwerklichem Aufwand und studentischer Mithilfe wurde die helle Raumhülle – es gibt Leute, die sprechen von einem Riesenpopcorn – im Schweizer Pavillon rechtzeitig zur Eröffnung fertiggestellt.

Flüchtlingsdorf aus Holz

Für Joos war das Projekt «eine Herausforderung an der Schmerzgrenze der Machbarkeit». Der Einsatz war hoch, vier bis sechs Fachkräfte waren für die Produktion während drei Monaten täglich 12 Stunden beschäftigt. Viel Goodwill und Ausdauer war erforderlich, beim Einsatz für die Kunst und neue Technologien ging es nicht nur um kommerzielle Aspekte.

«Aber wir machen auch vernünftige Sachen», sagt Martin Joos abschliessend mit einem Lächeln. So etwa baute Adunic im Auftrag eines Münchner Investors aus modularen Holzelementen ein Flüchtlingsdorf. Und an der Weltausstellung im Sommer 2017 in Astana ist Adunic ebenfalls mit temporären Bauten vertreten.

Bundesrat Alain Berset mit Andy Böckli und Martin Joos, Geschäftsführer der Adunic, an der 15. Biennale Architektur in Venedig. (Bild: ky/Niklaus Strauss)

Bundesrat Alain Berset mit Andy Böckli und Martin Joos, Geschäftsführer der Adunic, an der 15. Biennale Architektur in Venedig. (Bild: ky/Niklaus Strauss)

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