Das Wohnheim wird offener

Das Wohnheim Adler rüstet sich für die Zukunft und investiert 250 000 Franken in neue Räumlichkeiten. Damit will die Heimleitung mehr Nähe zu den Bewohnern schaffen und konkurrenzfähig bleiben.

Evi Biedermann
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In dem hellen Gebäude an der Bahnhofstrasse in Frauenfeld befindet sich das Wohnheim Adler. Es will vergrössern. (Bild: Reto Martin)

In dem hellen Gebäude an der Bahnhofstrasse in Frauenfeld befindet sich das Wohnheim Adler. Es will vergrössern. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Zwischen 18 und 23 Bewohner gehen im Wohnheim Adler an der Bahnhofstrasse täglich ein und aus. Es sind Männer mit sozialer oder psychischer Behinderung, die vorübergehend oder dauerhaft auf ein begleitetes Wohnen angewiesen sind, tagsüber jedoch einer Arbeit ausser Haus nachgehen. Ihre Zimmer sind auf drei Etagen verteilt, der Weg dorthin gleicht einem Gang durchs Labyrinth. Im Haus, das in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Wirtschaft mit Metzgerei war, gibt es versetzte Treppenaufgänge, enge und dunkle Flure und viele Türen, so dass man sich als Besucherin bald einmal fragt: «Wo bin ich?»

Eng ist es auch in den Personalräumen im Parterre, wo es gefangene Zimmer gibt, die nur über ein anderes Zimmer erreichbar sind. Will etwa ein Bewohner zum Heimleiter, muss er zuerst durchs Archiv und danach anklopfen. Das soll nun anders werden – offener, heller, freundlicher. «Wer vor verschlossener Tür steht, ist ein Bittsteller», sagt Otto Kliem, Präsident des Trägervereins Wohnheim Adler. Der Wandel im Sozialmarkt zeige jedoch in eine andere Richtung. «Die Autonomie der Bewohner wird immer stärker.»

Umbau auf allen Etagen

Mit Umbauten auf allen drei Etagen will man diesem Umstand Rechnung tragen. Dafür sprach der Verein einen Baukredit von 250 000 Franken gut. Im Parterre wird mittels Glastüren der Zugang vom Büro zum Bewohnerteil geöffnet. «Dadurch schaffen wir mehr Nähe zwischen den Bewohnern und den Betreuern», sagt Heimleiter Gernot Klein. Die professionelle Distanz des Betreuerteams soll jedoch weiterhin gewahrt werden. Zudem wird der sanitäre Raum verlegt, vergrössert und mit einem rollstuhlgängigen Zugang ausgestattet.

Im Obergeschoss wird ein Zimmer abgetrennt und zur Wohnküche für drei Zimmer ausgebaut. Ebenfalls eine kleine Küche ist im Dachgeschoss vorgesehen. Bewohner, die Besuch haben, können so bei Bedarf selber etwas zubereiten. Damit mehr Licht in den dunklen Gang kommt, werden vier Dachfenster eingebaut, ein Zimmer erhält zusätzlich eine Lukarne. Noch vor den Sommerferien sollen die Bauarbeiten beginnen. «Wenn alles glatt läuft, sind wir Ende Jahr damit fertig», sagt Kliem.

Fast 100 Prozent ausgelastet

Der Umbau soll auch die Konkurrenzfähigkeit des Wohnheims stärken. Man habe zwar in den vergangenen Jahren immer mit guten Belegungszahlen gewirtschaftet, sagt Otto Kliem. 2013 war das Wohnheim zu 96,8 Prozent ausgelastet. Die insgesamt 23 Zimmer beherbergten Bewohner mit psychischer Beeinträchtigung (42 Prozent), Alkoholmissbrauch (32 Prozent), körperlicher Behinderung (10 Prozent), Drogenmissbrauch (3 Prozent) und andere (9 Prozent). Zwei Personen waren Eingewiesene der Abteilung Arbeitsexternat, der letzten Phase des Straf- und Massnahmevollzugs.

Sich weiterhin auf hohe Auslastungszahlen zu verlassen, wäre ein Fehler, sagt Kliem. Gerade im Zug der wachsenden Autonomie der Bewohner seien diese heute nicht zwingend auf einen bestimmten Aufenthaltsort angewiesen. «Die freie Wohnwahl gilt auch für Heimbewohner», präzisiert Gernot Klein. Wer sich nicht wohl fühle im gewählten Heim, sei frei, eine andere Wohnmöglichkeit zu suchen.

Otto Kliem Präsident des Trägervereins Wohnheim Adler (Bild: Donato Caspari)

Otto Kliem Präsident des Trägervereins Wohnheim Adler (Bild: Donato Caspari)

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