«Das wäre politischer Selbstmord»

Die Noten in den Zeugnissen bleiben auch im Lehrplan 21 bestehen. Ergänzt werden sollen sie durch Kompetenzprofile. Profilvergleiche können bei der Auswahl der geeigneten Lehre helfen.

Caspar Hesse
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Mit dem Lehrplan 21 soll das thurgauspezifische Lehrmittel in digitaler Form erscheinen. (Bild: Urs Jaudas)

Mit dem Lehrplan 21 soll das thurgauspezifische Lehrmittel in digitaler Form erscheinen. (Bild: Urs Jaudas)

BERG. Noch ist nichts definitiv. Das Projekt Einführung Lehrplan 21 ist in der Bearbeitung, die zweite Arbeitsphase wurde gerade reduziert, da der Regierungsrat die Einführung des neuen Lehrplans um ein Jahr auf Sommer 2017 verschoben hat. Die dritte Arbeitsphase, die sich unter anderem mit der Stundentafel und der Schrift beschäftigt, läuft vom kommenden Juli bis Januar 2016, wie Sandra Bachmann am Mittwoch in Berg erklärte. Dort fand eine Thementagung des Amts für Volksschule und der Pädagogischen Hochschule Thurgau statt. Bachmann ist Gesamtprojektleiterin Einführung Lehrplan 21 und leitete einen der 21 Workshops.

Der Schlussbericht geht im Januar 2016 an den Regierungsrat, danach folgt die kantonale Vernehmlassung. Ein heikler Punkt scheint allerdings schon geklärt zu sein. Die Noten an den Schulen werden nicht abgeschafft, wie Bachmann sagte. «Anderes wäre glatter politischer Selbstmord.» Auch die Mittelschul-Aufnahmeprüfung soll «mit grösster Wahrscheinlichkeit» erhalten bleiben, heisst es in einem Zwischenbericht zum Stand der Arbeiten des Kernteams.

Lehrmeister für Profile

Die Schülerbeurteilung soll allerdings erweitert werden. Zum klassischen Notenzeugnis tritt ein Kompetenzprofil hinzu. Zusammen mit dem Profilvergleich bildet es das eTool. Das Kompetenzprofil zeigt mit Hilfe eines Balkens in welchem Bereich das Wissen des Schülers bezogen auf einen national festgelegten Grundanspruch auf der jeweiligen Schulstufe liegt. Das erlaubt eine genauere Standortbestimmung als die nackte Note. Mittels Profilvergleich werden andersfarbige Balken über das Profil des Schülers gelegt, die eine Aussage ermöglichen sollen, ob der Schüler passende Eignungen für eine bestimmte Lehre mitbringt. Jede Lehre verlangt ein anderes Profil.

Kompetenzprofil und Profilvergleich erhöhen die Aussagekraft für die Lehrmeister. «Genau das brauchen wir zum Verstehen des Zeugnisses», sei eine Reaktion aus der Wirtschaft gewesen, sagte Bachmann vor den Lehrern am Workshop. Noch mehr helfen würde es, wenn alle Kantone das Gleiche machen, ergänzte sie. Nicht Teil des eTools ist die Erfassung der überfachlichen Kompetenzen. Dort wird angekreuzt, ob bestimmte Aussagen zum persönlichen, sozialen und methodischen Verhalten des Schülers teilweise, ganz oder gar nicht zutreffen. Der nationale Grundanspruch wurde 2011 festgelegt. Für die vier Fächer Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden Aufgaben gestellt, die von 80 Prozent der Schüler beherrscht werden.

Pilotprojekte am Laufen

Dem Anliegen von Lehrerseite, dass das Konzept definitiv und verbindlich sein müsse und die Beurteilungen im Zeugnis mit der Fächerbezeichnung übereinstimmen müsse, werde Rechnung getragen, sagte Bachmann. Ein anwesender Schulleiter lobte die Projektgruppe. «Das Diagnoseinstrument kommt sehr gut.» Im Moment laufen Pilotprojekte zu den Änderungen bei der Schulleitung und zu den Kompetenzprofilen.

An der diesjährigen Tagung standen im übrigen gute Aufgabenstellungen im Zentrum. Sie ist die Mitte eines dreiteiligen Zyklus zu den Auswirkungen der Kompetenzorientierung auf den Unterricht. Im Januar 2014 war das Hauptthema die Kompetenzbeschreibung, 2016 geht es um die Beurteilung von Lernprozessen und Lernleistungen.