Das Tischlein ist zu süss gedeckt

MÜNCHWILEN. Arme Menschen können in Münchwilen jeden Donnerstag bei «Tischlein deck dich» für einen Franken Lebensmittel beziehen. Myrta Weber nutzt dieses Angebot und ist auch froh darum. Am Sortiment äussert die Rentnerin indes Kritik.

Simon Dudle
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Helferin Hildegard Flück bedient Myrta Weber bei «Tischlein deck dich». (Bild: Simon Dudle)

Helferin Hildegard Flück bedient Myrta Weber bei «Tischlein deck dich». (Bild: Simon Dudle)

Bei «Tischlein deck dich» können Personen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, am Donnerstagnachmittag für einen symbolischen Franken einkaufen. Zwei Taschen voll Lebensmittel tragen sie jeweils davon.

Im Hinterthurgauer Bezirkshauptort befindet sich eine von 89 Schweizer Abgabestellen der Organisation. Es finden sich jede Woche rund 50 Personen aus dem südlichen Thurgau und angrenzenden St. Galler Gemeinden ein, um gesamthaft etwa eine halbe Tonne Lebensmittel zu übernehmen. Es handelt sich um Produkte, die von den Geschäften nicht mehr verkauft werden, aber noch einwandfrei sind.

Seit neuestem sind auch Lebensmittel im Angebot, die bis zu sechs Tage über das Mindest-Haltbarkeitsdatum hinaus sind Vom Angebot profitieren darf, wer von einer örtlichen Sozialfachstelle die Berechtigung samt entsprechender Karte für «Tischlein deck dich» bekommen hat.

«Es hat sehr viele Süssigkeiten»

Auch Myrta Weber aus Eschlikon ist regelmässig am Donnerstagnachmittag in Münchwilen anzutreffen. Die 73jährige Rentnerin, die einst den Bahnhofkiosk führte, ist mehrfache sowie stolze Grossmutter und bezieht Ergänzungsleistungen. Sie ist froh, dass es das Angebot von «Tischlein deck dich» gibt, hat aber Veränderungen festgestellt. «Es hat sehr viele Süssigkeiten. Grundnahrungsmittel wie Reis, Kartoffeln oder Teigwaren gibt es eher selten.», sagt sie. Auch Fleisch sei relativ rar.

Ein Augenschein im Pfarreiraum der katholischen Kirche in Münchwilen, wo die Lebensmittel abgegeben werden, bestätigt dies. Obwohl es bereits März ist, türmen sich die Weihnachtsguezli. Das ist kein Zufall. Der Organisation sind nämlich bezüglich Angebot die Hände gebunden und sie kann nur offerieren, was sie geliefert bekommt. Jeweils um die Mittagszeit kommt der Kühllastwagen. Auch für die freiwilligen Helfer ist zuvor jeweils unklar, was sich darin befindet.

Derzeit sind es relativ wenige Frischprodukte, was mit der Jahreszeit zusammenhängt. Zusätzlich holt Erich Grob, in Münchwilen für die Ausgabe hauptverantwortlich, zusammen mit weiteren Helfern bei Coop in Rickenbach und Münchwilen sowie beim Verkaufswagen der Bäckerei Lehmann in Münchwilen am Donnerstag frisches Brot. An gewissen Tagen gibt es auch Waschpulver der Firma Diversey Care.

Als Ergänzung gedacht

Caroline Schneider, Kommunikationsverantwortliche bei «Tischlein deck dich», sagt: «Wir sind um ein variantenreiches Angebot bemüht, es ist aber auch für uns jeden Tag wieder eine Überraschung, was wir bekommen. Wegen vielen Weihnachtsspenden hat es derzeit effektiv ziemlich viel Süsses.» Sie ergänzt: «Die Idee ist nicht, dass die Leute den gesamten Einkauf bei uns erledigen. Es handelt sich um ein entlastendes Angebot. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit den Caritas-Märkten.»

Heisst konkret: Mit ihrer Karte sind die Bezüger von «Tischlein deck dich» in Münchwilen berechtigt, beim Caritas-Markt in Wil einzukaufen. Dort kann das gesamte Nahrungsmittelangebot zu einem vergünstigten Preis bezogen werden. Dem Vorwurf, es habe wenig Grundnahrungsmittel, wird entgegnet, dass Teigwaren, Reis und Kartoffeln auch im «normalen» Verkauf günstig zu beziehen seien.

Weiterhin auf der Suche

Myrta Weber hofft, dass mit ihrem Aufruf noch mehr Spender von Produkten gewonnen werden und das Angebot vielfältiger wird. Bis jetzt sind es in der ganzen Schweiz rund 800 Produktespender, Tendenz steigend. Schon länger dabei ist Coop, seit vergangenem Jahr beteiligen sich auch Migros, Manor und Denner.

«Wir sind froh um jeden neuen Produktespender», sagt Caroline Schneider.