Das Schweigen der Sarah Bösch

Die Wiler SVP-Stadtparlamentarierin Sarah Bösch fährt betrunken Auto. Die Polizei zieht sie aus dem Verkehr. Sie beschwert sich danach öffentlich über die Gesetzeshüter – und wird ein weiteres Mal aus dem Verkehr gezogen. Diesmal kommunikativ.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Sie ist gesellig. Gewiss. Sie ist kommunikativ. Ohne Zweifel. Sie spricht Klartext. Immer. Doch: Aktuell schweigt Sarah Bösch. Kein Natel, kein Twitter, kein Facebook. «Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten…» – so ihr letzter Eintrag, illustriert mit dem Foto eines Gänseblümchens.

«Das Image der SVP auflockern»

Welchen Fehler sie meint, bleibt unklar. Ihre Autofahrt – angetrunken. Oder ihre Äusserungen über die Polizei – «unglaublich, ich bin geschockt». Die Polizisten hätten sie «wie einen Sträfling» begleitet. «Krasse Bürokratie.» Sarah Bösch war am Sonntag in eine Polizeikontrolle geraten und musste zur Alkoholkontrolle – und sie ist den Fahrausweis los.

Wie die Wiler Stadtparlamentarierin – sie gehört der SVP an und damit jener Partei, die permanent mehr Sicherheit und mehr Polizei fordert – heute über ihre Tiraden gegen die Gesetzeshüter denkt, lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Denn «Bier-Bösch» – so betitelt sie der Blick – hat alle Kommunikationskanäle dichtgemacht.

Geschafft hat dies ein Mann. Nicht ihr Mann. Sarah Bösch ist ledig und alleinerziehend. In ihrem Leben gebe es aktuell keinen Mann, so ihre Aussage beim letzten Gespräch. Umso stärker legt sich die 33-Jährige politisch ins Zeug. Doch in ihren Ambitionen wurde sie abrupt gebremst; die SVP-Delegierten verwehrten ihr einen Platz auf der Nationalratsliste. Hinter vorgehaltener Hand wurde der Entscheid da und dort bedauert: «Als Farbtupfer hätte sie dem Image unserer Partei gutgetan.»

Sarah Bösch wurde als kleines Mädchen aus einen Kinderheim in Indien adoptiert und wuchs in St. Gallen auf. Ihr Motto: «Farbe bekennen für die SVP.» Ihre Überzeugung: «Ich bin sicher, dass ich das Image der SVP ein wenig auflockern kann.»

Derzeit ist es mit ihrer lässigen Lockerheit und ihrem lockeren Geplapper vorbei. Auf Anraten von Mario Schmitt. Dies der Mann, der es geschafft hat, ihren Kommunikationsfluss zu stoppen. Schmitt ist Präsident der Wiler SVP-Fraktion. Es sei falsch von ihr gewesen, «die Polizeiarbeit zu denunzieren». Dennoch stellt sich Schmitt vor die Parteikollegin: «Ich stelle Sarah Bösch und ihre politische Arbeit deswegen nicht in Frage.» Es wurden auch andere Stimmen aus der Wiler SVP laut. Darauf angesprochen, sagt Schmitt: «Deswegen einen SVP-internen Knatsch heraufzubeschwören – da mache ich nicht mit.»

Eigene Facebook-Erfahrungen

Schmitt hat Erfahrung mit schwierigen Facebook-Einträgen – «und mit öffentlichen Vorverurteilungen», wie er sagt. «Wann wird diese Religion endlich ausgerottet?», hatte er vor einem halben Jahr gefragt und damit den Islam gemeint. Das trug ihm eine Strafanzeige wegen Rassendiskriminierung ein.

Und ein nächster Drink

Die Wiler SVP-Fraktion beschäftigt sich nächste Woche mit dem Fall Bösch. Präsident Schmitt ist überzeugt, dass die Mehrheit hinter der neuen Kollegin steht; Sarah Bösch gehört erst seit Anfang März dem Wiler Stadtparlament an. «Schön, eine solche Fraktion hinter sich zu haben», meldet sie sich später per Mail. Fragen mag sie keine beantworten – «erst wenn grünes Licht da ist».

Schneller da war ein Caipirinha – gesponsert und gepostet von Schmitt. Auch Politiker dürften mal einen Fehler machen, hatte er kurz zuvor eine Bresche für die Kolleginnen und Kollegen geschlagen. Na dann prost.

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