Das Schulhaus wird ein Bijou

DINGETSWIL. Als die «Thurgauer Hochschule» in Dingetswil geschlossen wurde, gab das zu reden. Seit sieben Jahren ist das Gebäude in Privatbesitz. Nun wird daraus ein Wohnhaus, das nicht nur schön anzusehen ist, sondern das auch die Umwelt durch Wärmeisolierung schont.

Ruth Bossert
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Das ehemalige Schulhaus im hintersten Winkel des Tannzapfenlandes ist eingerüstet. (Bild: Ruth Bossert)

Das ehemalige Schulhaus im hintersten Winkel des Tannzapfenlandes ist eingerüstet. (Bild: Ruth Bossert)

Rolf Bosshart steht zuoberst auf der Leiter. Mit der einen Hand führt er den Einfüllschlauch mit den Isocell-Zellulosefasern, mit der anderen bedient er die Fernfunksteuerung. So kann er das Isolationsmaterial zielgenau und richtig dosiert in die Hohlräume der Zwischendecke einblasen. Bosshart kennt sein Metier, seit 20 Jahren ist er bei der Firma Eugster Holzbau der Spezialist für die Wärmedämmung mit dem recycelten Zeitungspapier, das heute vor allem bei Altbausanierungen und Minergiebauten zum Zuge kommt.

Für Armin Schmid, zuständiger Architekt vom Frauenfelder Architekturbüro Innoraum, und Carl Widmer aus Rickenbach bot sich diese Art von Wärmedämmung für die Sanierung des Schulhaus Dingetswil an, weil die Bauherrschaft grossen Wert auf eine energetische Sanierung ihres zukünftigen Wohnhauses legte. «Deshalb war es für mich selbstverständlich, dem Wärmeschutz und einer winddichten Gebäudehülle mit hochwertigem Material höchste Aufmerksamkeit zu schenken.»

Verliebt in Räume und Alpen

Beim ersten Durchfahren sei er nicht einmal aus dem Auto ausgestiegen, sagt Daniel Hausammann. Das hundertjährige Haus schien ihm zu gross und zu abgelegen. Trotzdem kam er wieder, liess sich das Gebäude von der zuständigen Person der Schulbehörde Fischingen zeigen und kurze Zeit später waren er und seine Frau Irene Besitzer der Liegenschaft. «Es war das Bauchgefühl», sagt er heute lachend und fügt an, dass er sich sofort in die hohen Räume, die Natur rundum und auch in die Aussicht auf die Glarner Alpen verliebt habe.

Das war vor sieben Jahren. In der Zwischenzeit wohnten der Liegenschaftenverwalter und die ehemalige Bildungshaus-Leiterin des Klosters Fischingen in der ursprünglichen Lehrerwohnung und schmiedeten Pläne, ob, wie und in welchem Umfang sie die Liegenschaft sanieren wollen. Vor ein paar Monaten sind die Hausammanns nun ausgezogen, leben in ihrem Feriendomizil im Bündnerland und die verschiedenen Handwerker, zu 95 Prozent aus der Region, haben mit dem Architekten das Zepter übernommen.

In diesen Tagen geht es zu und her wie in einem Bienenhaus. Nebst dem Einblasen von Isocell studiert das Team der Zimmerei Eugster die Statik der vom Architekten projektierten schwebenden Holztreppe vom Erdgeschoss in den ersten Stock.

«Das wird eine Herausforderung, die wir aber meistern», sagt Sepp Eugster, während Schmid erklärt, dass die Spannung zwischen alter Bausubstanz und modernen Elementen den Reiz und die Besonderheit der historischen Bauten ausmache.

Dämmung, Lüftung, Verglasung

Zwar habe der Bauherr auf moderne, energetische Lösungen grösstes Gewicht gelegt, indes müsse der Bau auch fürs Auge von besonderem Reiz sein. Mit der 16 bis 24 Zentimeter dicken Dämmung von Wänden und Dach, der kontrollierten Lüftung und der Dreifachverglasung wird eine sehr gute Gesamtisolierung nach Minergiestandard erreicht, sagt Eugster.

Schmid doppelt nach: «Mit den innenseitig aufgebrachten Isolierungen bleibt das schöne äussere Erscheinungsbild des unter Schutz gestellten Gebäudes erhalten.» Zudem werden auch die Holzschindelungen an den oberen Fassaden renoviert. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe und zwei 240 Meter tiefen Erdsonden.

Wintergarten gen Süden

Als Besonderheit bekommt das Haus einen auf der Südseite angebauten Wintergarten, den die Bauherrschaft in dieser hohen Wohnlage auf 850 Metern über Meer sehr schätzen wird, ist Schmid überzeugt. Das Projekt wurde mit der Thurgauer Denkmalpflege, die seit Beginn der Umbauarbeiten involviert ist, rege diskutiert. Gemäss Ueli Wepfer von der Denkmalpflege wird das Schulhaus seit 1998 von der Gemeinde Fischingen als wertvoll eingestuft. Deshalb wird der Umbau von der Fachinstanz begleitet.

Der Frage, was sie sich ihr Bijou im hintersten Teil des Tannzapfenlandes auf luftiger Höhe kosten lassen, weicht Daniel Hausammann aus. Der Kommentar des Liegenschaftenverwalters lautet: «Es muss einfach schön sein.»

Rolf Bosshart Angestellter Eugster Holzbau Fischingen

Rolf Bosshart Angestellter Eugster Holzbau Fischingen