Das Schulhaus ist auch ein Kraftwerk

Das Label «Energiestadt» verpflichtet: Gachnang will auf den Dächern der Schulanlage ein Solarkraftwerk installieren. Die Kosten von einer knappen halben Million Franken teilen sich die Politische und die Schulgemeinde.

Beat W. Hollenstein
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Modellansicht: So sähe die Mehrzweckhalle in Gachnang mit dem Solarkraftwerk auf dem Dach aus. (Bild: pd)

Modellansicht: So sähe die Mehrzweckhalle in Gachnang mit dem Solarkraftwerk auf dem Dach aus. (Bild: pd)

GACHNANG. Ende Mai hat Gachnang das Label als Energiestadt offiziell in Empfang nehmen dürfen. Die Auszeichnung hat die Politische Gemeinde für ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit in der Energieversorgung erhalten. Doch die Behörden wollen sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Auf dem südseitigen Dach von Schulhaus und Mehrzweckhalle soll eine 750 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage installiert werden mit einer maximalen Jahresleistung von über hundert Megawattstunden (MWh). Dies entspricht dem Verbrauch von 25 durchschnittlichen Schweizer Haushalten oder in etwa dem Strombedarf der Schulanlage Gachnang; dieser liegt bei 80 bis 90 MWh pro Jahr. Die Anlage soll in den Frühlingsferien 2012 installiert werden, um, so Gemeinderat Karl Ringenbach, «die Sommersonne voll abschöpfen zu können».

Geld ist beisammen

Die Anlagekosten betragen nach einer Berechnung der Zürcher Firma Energiebüro für Solaranlagen 477 000 Franken. Die zu erwartenden Förderbeiträge des Kantons sind in diesem Betrag nicht berücksichtigt.

Bei der geplanten Anlage handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk der Politischen und der Primarschulgemeinde. Die Kosten werden sich die beiden Körperschaften hälftig teilen – sofern beide Souveräne morgen Donnerstagabend den Kredit von je 238 000 Franken genehmigen. Das Abstimmungsverhalten dürfte zwischen den beiden Versammlungen kaum gross variieren, da Politische und Schulgemeinde gebietsmässig deckungsgleich sind.

Das Geld ist bereits vorhanden, das Photovoltaikprojekt hat also keinerlei Einflüsse auf die im Budget vorgeschlagenen Steuerfüsse von 42 Prozent (Politische Gemeinde, gleichbleibend) beziehungsweise Schulgemeinde (62 Prozent, minus 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Erstere hat aus den Überschüssen des gemeindeeigenen Elektrizitätswerkes Mittel in der Höhe von einer halben Million Franken geäufnet. Diese stehen zur Verfügung für die «Förderung und Realisierung von Projekten im Bereich Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien und der Ökologie». Ebenso haben die Stimmbürger der Schulgemeinde an der letzten Versammlung beschlossen, aus dem Abschluss 2010 Rückstellungen über 500 000 Franken für energietechnische Massnahmen zu bilden.

Geringer Wartungsaufwand

Betreiberin der Anlage wird die Schulgemeinde sein. Da Solarmodule im Gegensatz zu Windanlagen keine beweglichen Teile haben, arbeitet ein Solarkraftwerk vollautomatisch, und es ist lediglich ein minimaler Wartungs- und Kontrollaufwand nötig. Moritz Wälde vom Energiebüro schätzt die jährlichen Unterhaltskosten bei einer Laufzeit von 25 Jahren auf 6000 Franken.

Ideelle Seite für Schüler

Es ist geplant, beim Eingang der Mehrzweckhalle ein Informationsdisplay anzubringen. So können sich die Schüler jederzeit über die aktuellen Leistungsdaten des Solarkraftwerkes informieren. Denn das Projekt beinhaltet nicht nur eine wirtschaftliche Seite, sondern auch eine ideelle: «Wir möchten so den Schulkindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den beschränkten Ressourcen näherbringen», sagt Walter Bichsel, Präsident der Primarschulgemeinde.

Das Projekt steht im Zusammenhang mit dem Label «Energiestadt Gachnang». Mit ihrer halben Million hätte die Politische Gemeinde auch Beiträge an private Alternativenergieanlagen und energetische Sanierungen entrichten können. Doch hierfür gibt es bereits Subventionen von Bund und Kanton sowie privaten Institutionen.

Vorbildfunktion der Gemeinde

«Die grosse Anlage hingegen dient allen Einwohnern», sagt Karl Ringenbach. Zudem: «Die Gemeinde hat auch eine Vorbildfunktion.» Er ist überzeugt, dass sich die Anlage auch wirtschaftlich rechnen wird. «Im Zuge der geplanten Stilllegung der AKW und der allgemeinen Energieverknappung dürfte der Strompreis künftig steigen.»

Das Schulhaus in Gachnang hat sich wegen der Grösse und Südausrichtung der Dächer als Standort für das Solarkraftwerk geradezu angeboten. Ausserdem sind die beiden Gebäude und ihr Dach in einem guten Zustand, was bei einer Lebensdauer der Solarmodule von 25 Jahren nicht unwesentlich ist. Aus diesem Grund fiel etwa das Schulhausdach in Islikon aus dem Rennen. Auch «nebeltechnisch» ist das Gochlinger Schulhaus eine Spur besser gelegen.