Das Schattendasein der Vorstadt

FRAUENFELD. Konstanter Verkehr, ein schmales Trottoir. Kein Parkplatz in Sicht. Die Frauenfelder Vorstadt verkörpert nicht gerade ein Einkaufsparadies. Die einen Ladenbesitzer sind mit wenig zufrieden, die anderen schliessen.

Salome Merz
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Mehr Transit als Einkaufsparadies: Die Geschäfte in der Frauenfelder Vorstadt kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Die Lage ist nicht sehr kundenfreundlich. (Bild: Nana Do Carmo)

Mehr Transit als Einkaufsparadies: Die Geschäfte in der Frauenfelder Vorstadt kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Die Lage ist nicht sehr kundenfreundlich. (Bild: Nana Do Carmo)

«Totalausverkauf» und «50% Rabatt» steht auf Schildern im Papeterie-und-Kreativbedarf-Laden crea 4. Erika Düring wird die Türen ihres Geschäfts Ende Februar für immer schliessen. Aus gesundheitlichen Gründen, nicht aufgrund fehlenden Erfolgs. Sehr kritisch gegenüber der Stadtbehörde ist sie trotzdem. Dass Bushaltestellen aufgelöst werden und fast nirgends Parkplätze zur Verfügung stehen, führe dazu, dass es keine Fussgänger mehr in der Stadt gebe. Und wo keine Fussgänger sind, da gebe es keinen Verkauf, sagt Düring. «Ich finde es sehr schade, dass die schöne Altstadt und die Vorstadt gar nicht mehr belebt werden.»

Trotz schöner Fassaden, die Zone lädt nicht zum Flanieren ein. Da, wo die Geschäfte noch nicht tot sind, gehen die Umsätze wegen der fehlenden Passanten zurück. Frauenfeld profiliere sich mit eidgenössischen Festen, was gut sei, sagt Düring. Die grossen Profiteure dieser Feste seien aber die Grossverteiler. «Es stünde dieser Stadt gut an, mehr an die Bevölkerung zu denken und sich für die Sorgen des örtlichen Fachhandels stark zu machen.»

Einbahn könnte helfen

Monika Stäheli vom Coiffeur S. Stäheli unterstützt die Kritik an der Strassenführung. Wenn nur schon eine Einbahn eingeführt würde, dann könnten einige Parkplätze geschaffen werden. Die Kunden könnten kurz anhalten und etwas holen, dessen ist sich Stäheli sicher. «Aber so, wie es jetzt ist, geht es nicht.» Stäheli arbeitet seit 1966 in der Vorstadt: «Wir hören auch bald auf.»

Isabella Völki-Gabrieli führt mit ihrem Mann das «Gabrieli Musikhaus». Die Haupteinnahmequelle sei aber der Musikunterricht, den die beiden erteilen, nicht das Geschäft. «Würde jemand nur von diesem leben wollen, es würde niemals reichen», sagt Völki-Gabrieli. Der Verkauf sei in den letzten Jahren deutlich gesunken. Der ständige Verkehr sei das Hauptproblem. «Gut möglich, dass auch wir in der nächsten Zeit schliessen. Wir sind beide im Pensionsalter.»

Verkehr rast durch Vorstadt

Weniger Autos wünscht sich Claudia Sieber für die Vorstadt. Ihr gehört das Quer Beet Kleider-Accessoires- und Möbelgeschäft. «Der Verkehr rast hier täglich mit einem hohen Tempo durch. Es verwundert mich, dass noch nichts Schlimmes passiert ist.» Erst seit dem letzten September steht Quer Beet in der Vorstadt und das Geschäft ist noch im Aufbau. Sieber hofft fest, dass wieder neue, attraktive Geschäfte in die Vorstadt kommen.

Für Max Peter, der mit seinem Sohn Robert Peter ein Orthopädiegeschäft führt, ändert die Schliessung verschiedener Läden nichts. Solche Veränderungen seien der Lauf der Zeit. Seit dem Jahr 1956 ist er im Geschäft und «es läuft immer besser». Er habe keine Konkurrenz, sagt Max Peter. Zudem habe er keine Laufkunden, sondern Kunden, die nur für ihre Bedürfnisse und die orthopädischen Behandlungen kämen.

Alleine geht es

Auch die Besitzerin der Goldschmiede, Simi Rieser, sieht keinen Grund zu schliessen. Sie ist zufrieden mit ihrem Geschäft, fügt aber hinzu, dass sie alleine arbeite und so schneller ausgelastet sei. Auch sie hat keine Laufkundschaft. Der Standort sei für sie gut. «Ich kann aber sehr gut alle diejenigen verstehen, die schliessen.» Das Lädelisterben komme aufgrund fehlender Unterstützung der Bevölkerung. «Wir alle sind angewiesen darauf, dass die Kunden die kleineren Läden den grossen auch einmal vorziehen. Sonst hat man keine Chance.» Rieser hegt jedoch Hoffnung: «Ich bin überzeugt, dass die Vorstadt wieder mit interessanten Geschäften belebt werden kann.»

Erika Düring von Crea 4. (Bild: Stefan Beusch)

Erika Düring von Crea 4. (Bild: Stefan Beusch)

Claudia Sieber vom Quer Beet. (Bild: Stefan Beusch)

Claudia Sieber vom Quer Beet. (Bild: Stefan Beusch)

Max, Robert und Marco Peter. (Bild: Nana do Carmo)

Max, Robert und Marco Peter. (Bild: Nana do Carmo)

Simi Rieser, die Goldschmiedin. (Bild: Stefan Beusch)

Simi Rieser, die Goldschmiedin. (Bild: Stefan Beusch)

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