«Das schafft ungleiche Spiesse»

Ruth Kern, Apothekerin, Präsidentin Verein Apotheken Thurgau, Frauenfeld: «Die Campus Apotheke wird mit ungleichen Vorzeichen und Spiessen eine grosse Konkurrenz für viele öffentliche Apotheken im Thurgau sein.

Drucken
Teilen

Ruth Kern, Apothekerin, Präsidentin Verein Apotheken Thurgau, Frauenfeld: «Die Campus Apotheke wird mit ungleichen Vorzeichen und Spiessen eine grosse Konkurrenz für viele öffentliche Apotheken im Thurgau sein. Sie hat – wie die selbstdispensierenden Ärzte – einen grossen Vorteil in der Lagerhaltung: Die verschriebenen Medikamente sind vorgegeben, können gesteuert werden. Wir normalen öffentlichen Apotheken müssen das ungleich grössere Sortiment haben und können deshalb nicht gleich optimal einkaufen.»

Daniel Jud, Präsident der Ärztegesellschaft Thurgau, Amriswil: «Ich möchte dazu keine Stellung nehmen.»

Rolf Seger, Facharzt für Allgemeinmedizin, Tägerwilen: «Gemäss einer Mitteilung der Spital Thurgau AG vom Oktober 2012 an die Hausärzte besteht aus ihrer Sicht keine Konkurrenzsituation zur Selbstdispensation in den Hausarztpraxen. Daran zweifle ich offen gesagt, und zwar, weil die Spitalapotheke die erste Anlaufstelle für das Einlösen der Rezepte für austretende stationäre Patienten ist. Für die Hausärzte aber ist der Erlös aus dem Medikamentenverkauf ein Teil des Einkommens.»

Yvonne Geiger Bischof, Apothekerin, Präsidentin Apothekerverband St. Gallen/Appenzell, Besitzerin der Bruggen-Apotheke AG, St. Gallen: «Öffentliche Spitalapotheken sind schlecht für unsere Branche. Aufgrund der herrschenden Selbstdispensation der Privatärzte sind die Spitalrezepte zwingend für die öffentlichen Apotheken bestimmt, damit das Sortiment auch im Bereich der rezeptpflichtigen Medikamente aufrechterhalten werden kann… Wenn öffentliche Spitäler auf die Selbstdispensation setzen, geht das an unsere Substanz.»

Peter Guerra, Leiter Fachstelle Gesundheitsfachpersonen und Heilmittelkontrolle, Departement Gesundheit des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Herisau: «Die Apotheken des Spitalverbundes wurden bis 2011 im Vertragsverhältnis von der Kantonsspital-Apotheke St. Gallen betreut. Seit 2011 werden sie von einer eigenen Spitalapothekerin geführt. Nach meinem Wissen ist eine Umwandlung der Spitalapotheken in öffentliche Apotheken nicht Grundlage von Diskussionen.»

Karl Küenzi, Mediensprecher des Branchenverbandes Pharmasuisse in Bern: «Es darf keine ungleichen Einkaufsbedingungen geben. Zudem darf die öffentliche Hand nicht den Bau einer Apotheke über das reguläre Kantonsbudget finanzieren, die dann in Konkurrenz zur privaten Hand steht.» (uok)

Aktuelle Nachrichten