Das Pech verfolgt den «Löwen»

NUSSBAUMEN. Beim Restaurant Löwen in Nussbaumen hängt ein Schild: Zu vermieten. Seit Anfang Juni ist das Lokal geschlossen. Eigentlich sollte der «Löwen» nun für einen Neustart bereit sein, doch die Wirtin ist verschwunden, ohne aufzuräumen.

Viola Stäheli
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Genossenschaftspräsident Adrian Thurnheer steht vor dem verlassenen «Löwen». Seit Anfang Juni ist das Lokal geschlossen. (Bild: Viola Stäheli)

Genossenschaftspräsident Adrian Thurnheer steht vor dem verlassenen «Löwen». Seit Anfang Juni ist das Lokal geschlossen. (Bild: Viola Stäheli)

Hinter dem Tresen stehen volle PET-Flaschen. Die Stühle sind ordentlich an die Tische geschoben, an der Wand hängen Tafeln. «Brot mit Wienerle für 8 Franken» steht mit Kreide geschrieben. Es sieht aus, als würde die Wirtin jeden Moment aus der Küche treten und fragen, was gewünscht wird.

«Auf die Wirtin kann man lange warten», sagt Adrian Thurnheer. Er ist Präsident der Genossenschaft Löwen. Die Genossenschaft hat sich dem Erhalt des Restaurants Löwen in Nussbaumen verschrieben. Der «Löwen» hat turbulente Zeiten hinter sich, und auch die Zukunft ist alles andere als gesichert.

Seit drei Wochen verschwunden

«Seit Anfang Juni ist das Restaurant geschlossen», erklärt Thurnheer. Die Wirtin habe ihm versprochen, das Lokal bis Ende Juli geräumt und geputzt zu haben. Nun sei sie aber seit drei Wochen verschwunden und nicht mehr erreichbar. Und der «Löwen» ist weder geputzt noch aufgeräumt, ebenso wenig wie die dazugehörige Wohnung im oberen Stock. Auch die letzten Mietzahlungen hat die Wirtin nicht überwiesen.

Lange war die deutsche Beizerin nicht in Nussbaumen. Nur gerade 19 Monate hat sie den «Löwen» geführt. «Der Start war vielversprechend», sagt Thurnheer. Die Wirtin hätte viele Ideen ausprobiert: Statt nur Herkömmlichem wie Schnitzel mit Pommes Frites hat sie «Heissen Stein» angeboten oder ein Oktoberfest organisiert. «Die Bevölkerung war neugierig und ist zahlreich im <Löwen> erschienen», sagt Thurnheer.

Wenig Stammkundschaft

Doch dann begann der langsame Abstieg des Betriebs. Laut Thurnheer hat es die Berlinerin nicht geschafft, die Gäste an das Restaurant zu binden. Zu desinteressiert sei sie gewesen. «Eine Wirtin muss auch Gespräche führen können und nicht nur das Bestellte auf den Tisch stellen», sagt Thurnheer. Nach und nach erschienen weniger Gäste im «Löwen», bis am Schluss niemand mehr das Lokal betrat. Dass es so weit gekommen ist, liegt aber nicht nur daran, dass die Wirtin kaum Stammkundschaft aufbauen konnte. Auch die Öffnungszeiten spielten eine Rolle. «Gegen Schluss hat niemand mehr gewusst, wann der <Löwen> überhaupt geöffnet ist», sagt Thurnheer. Die deutsche Wirtin verkürzte gegen Ende die Öffnungszeiten immer mehr und kommunizierte das kaum. «Wer mehr als zweimal vor verschlossenen Türen steht, kommt kein drittes Mal», sagt Thurnheer. Schliesslich gab die Wirtin auf, und das Restaurant schloss im Juni. Nun ist sie seit drei Wochen spurlos verschwunden und hinterlässt einen unaufgeräumten «Löwen».

Noch nicht aufgeben

Die Genossenschaft Löwen hatte nun schon zum zweiten Mal Pech mit den Pächtern. Vor der deutschen Beizerin führte eine tamilische Familie das Lokal, doch auch sie nur ein gutes Jahr. «Das hatte nicht geklappt, wir mussten den Mietvertrag beenden», sagt Thurnheer.

Aufgeben will die Genossenschaft aber noch nicht. «Wir schauen positiv in die Zukunft und hoffen, dass wir einen vielversprechenden Nachfolger finden – am besten mit hiesigen Wurzeln», sagt Thurnheer.

Bereit wäre der «Löwen» für eine neue Seele. Erst im vergangenen Jahr hat die Genossenschaft eine einladende Terrasse gebaut. Zusätzlich hat sie in den letzten Jahren in die Infrastruktur investiert. Potenzial wäre also vorhanden.