Das neue Werk des Stadthistorikers

Der Archivar der Frauenfelder Bürgergemeinde Angelus Hux hat eine Festschrift zum 90-Jahr-Jubiläum der Raiffeisenbank Frauenfeld verfasst. Es ist zugleich eine Geschichte des Hauses zum Stadtschryber, dem Sitz der Bank, und über die Familie Rogg, die es einst erbaut und bewohnt hat.

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Angelus Hux hat die Geschichte des Hauses zum Stadtschryber und ihrer Bewohner erforscht. (Bild: Donato Caspari)

Angelus Hux hat die Geschichte des Hauses zum Stadtschryber und ihrer Bewohner erforscht. (Bild: Donato Caspari)

Herr Hux, Sie haben schon mehrere Werke über die Frauenfelder Geschichte verfasst und sind wohl die Nummer eins unter den Frauenfelder Historikern.

Angelus Hux: Das ist man schnell, wenn es keine Nummer zwei gibt.

Sind Sie der einzige, der die Frauenfelder Geschichte erforscht?

Hux: Der einzige, der publiziert, ja. Es gibt viele, die sich etwa für alte Ansichten von Frauenfeld interessieren, aber ihr Wissen nicht auswerten.

Weshalb haben Sie eine Festschrift zum 90-Jahr-Jubiläum der Raiffeisenbank Frauenfeld verfasst? Ein 90-Jahr-Jubiläum wird selten speziell begangen.

Hux: Bei der Vernissage meines Buchs über das Reding-Haus sagte der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Rolf Wiedersheim spontan: Kannst Du nicht auch etwas über uns schreiben? Auf 100 Jahre wolle er es nicht ankommen lassen.

Sie wollen nicht durch tiefschürfende Analysen neue Erkenntnisse gewinnen, schreiben Sie im Vorwort. Haben Sie denn keine neuen Erkenntnisse gewonnen?

Hux: Doch. Aber ich möchte neue Erkenntnisse vermitteln durch Erzählen, nicht durch ein analytisches Vorgehen. Es ist kein wissenschaftliches Werk im strengen Sinne.

Bei der Familiengeschichte fand ich die Zusammenfassung am interessantesten. Darin stellen Sie eine Art Analyse an.

Hux: Eine Zusammenfassung. Wissenschaftliche Arbeiten gehen meist von einer These aus; diese wird dann bestätigt oder widerlegt. Das mache ich nicht.

Sind Sie nicht von der These ausgegangen, dass die Familie Rogg eine wichtige Rolle in der Frauenfelder Geschichte gespielt hat, und haben sie dann bewiesen?

Hux: Nein, das habe ich gemerkt aufgrund der vielen Viten, die in diesem Buch kurz gestreift werden. Ich habe es nicht im voraus gewusst und dann beweisen wollen. Deshalb schreibe ich die Zusammenfassung auch erst am Schluss und nicht am Anfang.

Sie hatten keine These, sind aber nicht konzeptlos vorgegangen?

Hux: Mein Anliegen ist es, gegen das Vergessen anzukämpfen, das zu erforschen, was man heute noch wissen kann, weil es vielleicht noch lebende Zeugen gibt, die vieles wissen, was in keinem Archiv steht. Die 77jährige Verena Baumer in Freiburg konnte mir beispielsweise vieles über ihre Vorfahren, die Familie Rogg erzählen.

Bei der Lektüre Ihres Buchs könnte man den Eindruck gewinnen, der Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Wiedersheim sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt. Es gibt Anzeichen, dass es nicht so war.

Hux: Aber so wird es kommuniziert. Von beiden Seiten. Ich halte mich hier an die vereinbarte Sprachregelung.

In der älteren Zeit haben Sie einige brisante Vorgänge entdeckt; etwa die Unterschlagung, die ein Kassier in den 1920er-Jahren beging.

Hux: Diese waren aus den Akten ersichtlich. Bei den allerneusten Sachen hatte ich keine Aktenkenntnisse.

Interview: Thomas Wunderlin

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