Das neue Holzhaus muss warten

Das Bildungszentrum Arenenberg soll für 5,2 Millionen Franken ein neues Beratungszentrum erhalten. Nach Kritik aus dem Grossen Rat will der Regierungsrat das Projekt zurückstellen. Die Wirtschaftlichkeit müsse verbessert werden.

Marc Haltiner
Drucken
Der Kanton überprüft das Projekt: Das geplante Kompetenzzentrum Beratung des BBZ Arenenberg – ganz in Holz. (Bild: Hochbauamt Kanton Thurgau)

Der Kanton überprüft das Projekt: Das geplante Kompetenzzentrum Beratung des BBZ Arenenberg – ganz in Holz. (Bild: Hochbauamt Kanton Thurgau)

FRAUENFELD/SALENSTEIN. Es war ein heftiger und denkwürdiger Abstimmungskampf. Fast im Alleingang gelang es EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer vor sechs Jahren, den Bau eines zweiten Verwaltungsgebäudes in Frauenfeld in der Volksabstimmung zu verhindern. Mit ähnlichen Argumenten äusserte sich Wittwer schon vor Wochen zu einem weiteren Bauprojekt, das der Regierungsrat mit dem Budget 2012 voranbringen wollte.

Nach dem Um- und Ausbau von Napoleonmuseum und Bildungszentrum (BBZ) erstrahlt der Gebäudekomplex in Salenstein in neuem Glanz. Ergänzend dazu plant der Kanton ein Kompetenzzentrum Beratung. Die Beratungstätigkeit des BBZ Arenenberg soll dort konzentriert werden, die Regierung will das Fachstellenhaus abbrechen sowie den weiteren Standort in Weinfelden aufgeben.

Wittwer wollte antreten

«Ich habe grundsätzlich nichts gegen diese Pläne», sagt Wittwer. Er kritisiert aber die Wirtschaftlichkeit des geplanten modernen Holzbaus. Die Ausnützung des Gebäudes bei Kosten von 5,2 Millionen Franken sei viel zu tief. Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis, er wolle das Projekt in dieser Form nicht akzeptieren. Er werde im Grossen Rat gegen das Projekt antreten, falls die grossrätliche Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GFK) ihn nicht unterstützen werde, sagte Wittwer mehrfach.

So weit wird es nicht kommen. Denn die GFK hat letzte Woche gemeinsam mit Regierungsrat Jakob Stark beschlossen, den Neubau um ein Jahr zurückzustellen. Dies bestätigen auf Anfrage Stark und SP-Kantonsrätin Cornelia Komposch, die Präsidentin der GFK. Die GFK habe den Wunsch auch mit Blick auf die Finanzlage des Kantons geäussert (siehe Kasten), sagt Komposch. Die Höhe der Investitionen ist umstritten.

Laut Stark und Komposch spricht sich die Kommission grundsätzlich für das neue Kompetenzzentrum aus. Kantonsrätinnen und -räte hätten das Siegerprojekt in Holz nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Stark hat nach Diskussionen mit der GFK aber entschieden, das Projekt aus dem Budget 2012 herauszulösen, da neben Wittwer weitere kritische Stimmen die Wirtschaftlichkeit des Neubaus bezweifelten. Für die hohe Summe von 5,2 Millionen Franken müsse der Kanton mehr Arbeitsplätze im Kompetenzzentrum unterbringen, der Quadratmeterpreis sei zu hoch, moniert Wittwer auch jetzt.

Kanton geht über die Bücher

Für Stark ist klar, dass der Regierungsrat den Neubau ein Jahr später vorlegen wird. «Ich habe dem Hochbauamt den Auftrag erteilt, die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes nochmals zu überprüfen.» Entweder werde die Auslastung erhöht oder die Gebäudehöhe reduziert. Bereits bei der Präsentation des Neubaus im letzten Jahr hatte es Kritik gegeben, der Kanton wolle einen teuren Holzbau forcieren. Der Rückzug des Projekts hat Folgen für das gesamte BBZ Arenenberg: Weitere Um- und Ausbauten würden jetzt ebenfalls verzögert, sagt Stark.

Aktuelle Nachrichten