Das neue Band übernimmt Spezialfälle

Diesen Monat hat das Paketpostzentrum Frauenfeld eine vierte Sortieranlage in Betrieb genommen. Nun können 25 000 statt 20 000 Pakete pro Stunde sortiert werden. Die Kapazität reicht bis 2021, wenn der Versandhandel nicht noch stärker wächst.

Thomas Wunderlin
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Die neue Sortieranlage befördert Pakete mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde durch das Paketpostzentrum. (Bilder: Donato Caspari)

Die neue Sortieranlage befördert Pakete mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde durch das Paketpostzentrum. (Bilder: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Beim Bau des Paketpostzentrums Frauenfeld 1998 musste es schnell gehen. Der Bauauftrag wurde erteilt, bevor die Offerten der Sortieranlagen vorlagen. So erklärt Betriebsleiter Titus Bütler, weshalb die drei bisherigen Sortieranlagen nur sechs Meter hoch sind, die Decke sich jedoch in zwölf Meter über dem Boden befindet. Den frei gebliebenen Raum hat er jetzt genutzt, um für 20 Millionen Franken eine vierte Sortieranlage quer zu den drei bestehenden einzubauen. Nach einem Jahr Bauzeit hat das Paketpostzentrum die Kapazität um einen Viertel erhöht. Die neue Anlage ist in diesem Monat erfolgreich gestartet. Statt 20 000 kann das Paketpostzentrum neu bis zu 25 000 Pakete pro Stunde sortieren, womit das bevorstehende Weihnachtsgeschäft leichter bewältigt werden kann.

2100 Meter Förderband

Die neuen Bänder laufen 2,5 statt 1,7 Meter pro Sekunde wie die bisherigen. Die 370 Tonnen schwere Stahlkonstruktion umfasst eine 2100 Meter lange Förderstrecke. Bütler vergleicht die neue Anlage mit einem «Bypass über einem Engpass». Die neue Anlage läuft nur, wenn sie wirklich gebraucht wird, wodurch der Energieverbrauch begrenzt wird. Vor allem Spezialfälle werden durchgeleitet. In etwa 20 Prozent der Fälle kann der automatische Scanner die Adresse nicht lesen, weil etwa eine Schnur die Postleitzahl abdeckt. Während das Paket bereits auf dem neuen schnellen Band läuft, versucht ein Mitarbeiter per Video die Adresse zu entziffern. Hat er es geschafft, gibt er sie ins Steuerungssystem ein. Das Paket wird über die Kippmuldenanlage in die entsprechende Rutsche spediert.

Das Paketpostzentrum Frauenfeld beschäftigt insgesamt rund 450 Mitarbeiter. Der Anteil Handarbeit ist weiterhin gross. Die unsortierten Pakete, die in Containern per Lastwagen und Bahn angeliefert werden, werden von Menschen einzeln auf die Förderbänder gelegt. Die vier kombiniert geschalteten Sortieranlagen leiten die Pakete über diverse Förderbänder in eine der 272 Rutschen. Dort werden sie wiederum von Menschenhand in Container geladen. Rund um die vier Wände gibt es 123 Andockstellen für die Container. Angeliefert werden sie vor allem auf der Westseite, weiterbefördert auf den übrigen drei Seiten.

Mensch schlägt Maschine

Dass der Mensch beim Ein- und Ausladen der Maschine überlegen ist, erklärt Betriebsleiter Bütler mit dem «zu unterschiedlichen Transportgut»: das Gewicht der Pakete variiert zwischen 100 Gramm und 30 Kilo. Mit der neuen Anlage soll der erwartete Zuwachs bis 2021 verkraftet werden. Der Paketversand boomt dank des Versandhandels von Firmen wie Zalando und Amazon. Seit 2011 hat die Post eine Zunahme von 8 Prozent verzeichnet. 2014 wurde ein Höhepunkt von 112 Millionen Paketen erreicht. «Dieses Jahr erwarten wir einen neuen Rekord», sagte Stefan Luginbühl, Leiter Paket national/international, bei einer Medienkonferenz am Mittwoch. Fast 50 Prozent der Pakete sind Priority-Sendungen, die am folgenden Tag zugestellt werden müssen. Auch dieser Anteil ist stark gewachsen. Vom Schweizer Detailhandel werden derzeit 6,8 Prozent per Post der Kundschaft geliefert. Luginbühl hofft, diesen Anteil beträchtlich zu steigern. Die erfolgreichsten Detailhändler werden nach seiner Prognose jene sein, die den Vertrieb via Ladengeschäft und Versand am intelligentesten kombinieren.

Zweites Paketzentrum

Die Post rüstet auf, um den Kundenbedürfnissen zu entsprechen. Frauenfeld ist nach Härkingen im Vorjahr das zweite der drei Paketzentren, die mit einer neuen Sortieranlage bestückt worden sind. Noch im Bau ist eine neue Anlage in Daillens bei Lausanne. Zur E-Commerce-Strategie der Post gehören diverse neue Dienstleistungen. Für verpasste Pakete kann eine zweite Zustellung am Abend verlangt werden. Von 50 auf 100 verdoppelt werden sollen auch die Standorte der My-Post-24-Automaten, die Empfänger als Lieferadressen bezeichnen können.

Titus Bütler Leiter Paketzentrum Frauenfeld, PostLogistics (Bild: Donato Caspari)

Titus Bütler Leiter Paketzentrum Frauenfeld, PostLogistics (Bild: Donato Caspari)

Stefan Luginbühl Mitglied der Geschäftsleitung der Post, Leiter Paket (Bild: Donato Caspari)

Stefan Luginbühl Mitglied der Geschäftsleitung der Post, Leiter Paket (Bild: Donato Caspari)