Das Motiv bleibt im Dunkeln

Die Staatsanwaltschaft der nordbayrischen Stadt Hof hat gestern über die Entführung des Thurgauer Politikers und Anwalts André Schlatter informiert. Noch sind nicht alle Fragen beantwortet.

Andri Rostetter
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In einem Tankstellen-Shop wurden die Täter von einer Überwachungskamera gefilmt. Rechts im Vordergrund steht André Schlatter. (Bild: Kriminalpolizei Hof)

In einem Tankstellen-Shop wurden die Täter von einer Überwachungskamera gefilmt. Rechts im Vordergrund steht André Schlatter. (Bild: Kriminalpolizei Hof)

ST. GALLEN/HOF. Die Entführung des Amriswiler CVP-Politikers und Anwalts André Schlatter hat zahlreiche Fragen aufgeworfen. Wurde Schlatter gezielt entführt oder war er ein Zufallsopfer? Warum haben ihn die Täter erst 600 Kilometer weit mitgenommen und dann ausgesetzt? Und ist es wahr, dass sie bereits festgenommen wurden? Bisher war alles Spekulation, denn die zuständige Staatsanwaltschaft der nordbayrischen Stadt Hof hüllte sich in Schweigen – bis gestern.

Auslieferung beantragt

Kurz nach 14 Uhr gab die Staatsanwaltschaft Hof vor den Medien bekannt, dass die beiden mutmasslichen Täter in Untersuchungshaft sitzen – der eine in Deutschland, der andere in Tschechien. Die Staatsanwaltschaft habe bereits die Auslieferung des in Tschechien inhaftierten Mannes beantragt.

Kriminaldirektor Jürgen Schlee bestätigte zudem, was Schlatter bereits ausführlich zu Protokoll gegeben hatte (Ausgabe von gestern). Demnach bedrohten die beiden Männer den 53-Jährigen mit einer Pistole, als er am Samstag mit seinem Auto in ein Parkhaus in St. Gallen fuhr. Schlatter wurde gezwungen, sich auf die Rückbank zu setzen. Sie fuhren mit ihm zunächst nach Zürich, wo sie mit seiner Bankkarte Geld abhoben. Anschliessend fuhren die Entführer mit Schlatter im Auto über die deutsche Grenze ins nordbayrische Döhlau und liessen ihn laufen. Warum ausgerechnet dort, versucht die Polizei noch zu klären. In der tschechischen Ortschaft Krovi konnte die Polizei am Sonntag einen 21jährigen Verdächtigen festnehmen. Dort konnte auch das Auto von Schlatter, ein BMW 530d, sichergestellt werden. Der zweite – ein 23-Jähriger – stellte sich am Montag der Polizei in der sächsischen Stadt Pirna. Gegen beide wurde Haftbefehl wegen Geiselnahme und schwerer räuberischer Erpressung erlassen. Weiterhin im dunkeln liegt das Motiv. Die Behörden äusserten sich gestern nicht dazu.

Unterstützung aus St. Gallen

Die Staatsanwaltschaft Hof hat sämtliche Ermittlungen im Fall übernommen. Die St. Galler Staatsanwaltschaft unterstützt die deutschen Behörden aber weiterhin, wie Natalie Häusler, Sprecherin der St. Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt.

Der BMW von André Schlatter wurde in Tschechien sichergestellt. (Bild: Staatsanwaltschaft Hof)

Der BMW von André Schlatter wurde in Tschechien sichergestellt. (Bild: Staatsanwaltschaft Hof)

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