Das Mätteli zum Leben erwecken

Früher standen auf dem Mätteli Soldaten in Reih und Glied, heute sind es Autos. Aus dem Platz könnte man aber viel mehr machen, ist Landschaftsarchitektin Rita Mettler überzeugt. Am liebsten würde sie gleich loslegen.

Markus Zahnd
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FRAUENFELD. «Das ist eine riesige Chance für Frauenfeld», sagt Rita Mettler. Wenn die Landschaftsarchitektin und Städteplanerin über das Obere Mätteli spricht, leuchten ihre Augen. Am liebsten würde sie gleich anpacken, denn der Platz «bietet unglaubliches Potenzial». Und sie hat auch sofort verschiedene Ideen, was man machen könnte aus dem Platz und der Stadtkaserne, die voraussichtlich ab 2018 leer wird: «Ich sehe ein Gebäude mit einem grosszügigen Innenhof. Oder einen Park, kombiniert mit einem Wohn- und Gewerbehaus. Wichtig ist einfach, dass Freiräume bleiben. Nur so kann mitten in der Stadt Atmosphäre entstehen.»

Mätteli gehört Bürgergemeinde

Früher war das Obere Mätteli ein nicht geteerter Platz mit Bäumen, der dem Schweizer Militär diente. Mittlerweile gehört das rund 60 Aren grosse Grundstück zwischen der Stadtkaserne und dem Restaurant Schweizerhof der Bürgergemeinde Frauenfeld. Laut Bürgergemeinde wollte man das Areal durch den Erwerb «der Bevölkerung von Frauenfeld für eine spätere zentrumsgerechte Nutzung sichern». Aktuell ist das Obere Mätteli als öffentliche Parkierungsanlage an die Stadt Frauenfeld vermietet. Diese Parkplätze sollten laut Mettler aber am besten in den Boden verschwinden. «Denn es ist schade, dass ein solch grosses, zentrales Areal für Parkplätze genutzt wird.»

Das könnte schon bald der Fall sein. Denn auch die Verantwortlichen der Stadt haben die Bedeutung des Mätteli und der Stadtkaserne für die Entwicklung Frauenfelds längst erkannt. Unter dem Schlagwort «Bahnhof Plus» ist das Areal eines der Schlüsselprojekte der Stadtentwicklung «Frauenfeld 2030». Geht es nach den ersten Plänen, sollte der östliche Teil des Oberen Mätteli ab etwa 2022 für Wohn- und Gewerbenutzung bebaut werden. Und auch eine Tiefgarage dürfte gebaut werden.

Der Platz ist «tot»

Das wäre im Sinn von Rita Mettler. «Denn frühzeitige Planung und Sicherung der Freiräume ist enorm wichtig. Nur so kann man das Areal beleben.» Jetzt, als Parkplatz, sei der Platz irgendwie «tot». Wichtig ist für Mettler auch, dass die Bäume an der Bahnhofstrasse bleiben. «Diese Allee ist wunderbar.» Gefallen findet sie auch am neuen Staatsarchiv. Diese «spannende Fassade» müsse bei der Planung mit einbezogen werden.

Ebenfalls mit einbezogen wird die Stadtkaserne. Anfang der 1860er-Jahre durch die Bürgergemeinde erbaut und Mitte der 1880er-Jahre zusammen mit dem Waffenplatz an den Bund verkauft. In naher Zukunft benötigt die Armee die Stadtkaserne nicht mehr, weil jene im Auenfeld ausgebaut wird.

Brauerei in Militärgebäuden

Für die Stadtkaserne hätte Rita Mettler ebenfalls genaue Vorstellungen. «Am besten wäre auch hier eine Mischung aus Wohnungen und Gewerbe. Im Erdgeschoss brauchte es zwingend Läden, damit der Ort auch tagsüber lebt.» Als wahres Schmuckstück bezeichnet sie den fast geschlossenen Innenhof der Kaserne. «Diese Grosszügigkeit muss man unbedingt erhalten.» Vorstellbar wäre für sie auch eine halböffentliche Nutzung, zum Beispiel von einer Schule. Oder sie denkt an ähnliche Projekte in Berlin und Graz. «Dort wurden alte Militärgebäude ebenfalls umgenutzt. Teile davon sind jetzt eine Brauerei, ausserdem gibt es dort auch Wohnungen und Gewerberäume.»

Dass die Stadt das Gebiet Oberes Mätteli/Stadtkaserne zu einem Schlüsselprojekt erklärt hat, findet Mettler absolut richtig: «Nur so kann man frühzeitig und auch langfristig planen.» Sie selber würde am liebsten schon morgen mit der etappenweisen Planung des zentralen Areals beginnen.

Zwischen der Stadtkaserne und dem «Schweizerhof» parkieren heute Autos. Bald schon könnte der Platz mit Leben gefüllt werden. (Bild: Donato Caspari)

Zwischen der Stadtkaserne und dem «Schweizerhof» parkieren heute Autos. Bald schon könnte der Platz mit Leben gefüllt werden. (Bild: Donato Caspari)

Bild: MARKUS ZAHND

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