Das Lindenareal wird umgezont

STECKBORN. Die Steckborner haben am Mittwochabend der Umzonung des Lindenareals zugestimmt. Abgelehnt dagegen wurde ein Kredit über 100 000 Franken für ein Buchprojekt über die Stadtgeschichte.

Gudrun Enders
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Roger Forrer Stadtpräsident Steckborn (Bild: Nana do Carmo)

Roger Forrer Stadtpräsident Steckborn (Bild: Nana do Carmo)

«Nur gemeinsam sind wir stark», sagte Stadtpräsident Roger Forrer zur Begrüssung. Das sahen die Steckborner am Mittwochabend offenbar genauso – zumindest was das Lindenareal angeht. Denn die meisten stimmten dafür bei einer Enthaltung und neun Nein-Stimmen. 101 von insgesamt 2283 Stimmberechtigten hatten am Mittwochabend in die Aula der Feldbachschule gefunden.

Areal vor Spekulation schützen

Das Lindenareal gehört der Stadt Steckborn. Zuvor befand sich das Land in der Hand der Evangelischen Kirchgemeinde und der Primarschulgemeinde. Das Areal umfasst sieben Parzellen, die in der Zone für öffentliche Bauten liegen. Doch für die zukünftige Nutzung des Lindenareals mit altersdurchmischtem Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe braucht es die Wohn- und Gewerbezone WG3. Deshalb stimmten die Steckborner über eine Umzonung ab.

Koni Labhart hatte Argumente gegen eine Umzonung vorgebracht. Er rechnete vor, dass sich dadurch allein der Landpreis ungefähr verfünffacht. «Wie will man sich da vor Spekulationen schützen und das Areal an eine Genossenschaft zum Kollegenpreis übergeben?» Zudem leuchtete Labhart nicht ein, wie aus kostbarem Boden und einem ambitionierten Bauprojekt – also zwei teuren Komponenten – am Schluss günstiger Wohnraum entstehen soll.

Stadtpräsident Forrer bekräftigte die Absicht des Stadtrates, im Lindenareal erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Zurzeit sei ein Kostenplaner am Werk. Zudem hätten Kirchgemeinde und Primarschule das Land an die Stadt verkauft mit der Auflage, ein Projekt mit altersdurchmischtem Wohnen zu realisieren. «Diese Körperschaften haben nicht geschlafen», sagte Forrer. Vertraglich sei abgesichert, dass allfällige Gewinne im Zusammenhang mit dem Land zumindest teilweise an diese Körperschaften fliessen müssten.

Kein teures Geschichtswerk

Einen Kredit über 100 000 Franken zu einem Buchprojekt über die Geschichte der Stadt Steckborn fand nicht den Gefallen der Mehrheit. Staatsarchivar André Salathé hat ein Konzept ausgearbeitet. Der Kanton Thurgau würde einen Beitrag von 120 000 Franken an das Projekt sprechen, auch die Stiftung Ortsbild Steckborn würde 100 000 Franken beisteuern. Die Steckborner zeigten sich nicht überzeugt: 50 waren gegen den Kredit, 38 dafür. Zuvor hatte sich der Steckborner CVP-Präsident Leo Stähli zu Wort gemeldet und den Kredit zur Ablehnung empfohlen. Das Städtchen habe dringendere Aufgaben. Zahnärztin Martha Kuster sagte, dass vor allem der Kanton das Projekt forciere, aber nur wenige Gemeinden dieser Idee folgen würden.

Die Jahresrechnung der Stadt schliesst um knapp 800 000 Franken besser als gedacht. Rund 240 000 Franken mehr Steuergelder hatte es in die Stadtkasse gespült, zudem brachte die Kostenkontrolle bei der Sozialhilfe knapp 190 000 Franken weniger Aufwand. Das Landkreditkonto wurde aufgelöst, und die zugehörigen 220 000 Franken wurden der Rechnung gutgeschrieben.

Die Steckborner genehmigten einstimmig die in der Botschaft aufgeführten Abrechnungen und Objektkredite sowie die Gesamtrechnung 2014 sowie die Verwendung des Gewinns für ausserordentliche Abschreibungen. Knapp 200 000 Franken werden dem Eigenkapital gutgeschrieben – mit dabei ist der abgelehnte Kredit fürs Buchprojekt.

Neben Alfred Gräflein verabschiedete sich Walter Labhart aus dem Stadtrat. Letzterer engagierte sich 12 Jahre in der Behörde. Labhart liess die Zeit als Segeltörn in einer Diashow Revue passieren. Zeitweise habe er durch rauhe See manövrieren müssen. Die Steckborner lachten, als sie ihn vermummt ans Steuerrad geklammert sahen.