Das Lesefeuer im Kind entfachen

Ob jemand als Erwachsener begeistert liest, hängt vor allem davon ab, wie positiv das Leseklima in seiner Familie war. Wie man ein solches herstellt, verrät Jean-Philippe Gerber in einem Kurs.

Brenda Zuckschwerdt
Merken
Drucken
Teilen
«Auch ein Comic oder Manga ist o. k.», sagt Jean-Philippe Gerber vom kantonalen Amt für Volksschule. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

«Auch ein Comic oder Manga ist o. k.», sagt Jean-Philippe Gerber vom kantonalen Amt für Volksschule. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

FRAUENFELD. «Lesen ist eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts.» Das, so Jean-Philippe Gerber vom Amt für Volksschule Thurgau, hätten die Pisa-Studien der OECD aufgezeigt. Der Fachexperte für Deutschdidaktik ist sich sicher: Wer als Kind im Lesen Schwierigkeiten hat, der wird später auch in anderen Belangen Mühe haben. «Lesen erleichtert es einem Menschen, sich in der Gesellschaft zu orientieren.»

Er will deshalb Eltern darauf sensibilisieren, wie wichtig ein positives Leseklima in der Familie ist. «Dem schenken viele zu wenig Beachtung.» An einem Kursabend an der Kanti Frauenfeld erfahren Eltern, wie man ein solches Leseklima herstellt.

Der Dialog ist das Entscheidende

Das Thema Lesen gestalte sich heute aber viel komplexer als früher. Für den Einstieg eigne sich längst nicht mehr nur das klassische Buch. Zwar sei dieses für die meisten Kinder nach wie vor ein idealer Einstieg. Daneben gebe es aber viele andere Möglichkeiten wie zum Beispiel multimediale Lernabenteuer, Hörbücher oder das Internet.

Studien hätten gezeigt, dass die Nutzung des Internets bereits bei Kindern ab fünf Jahren markant zunehme. Dem dürfe man sich nicht verschliessen. «Vielmehr sollte man dieses Medium gemeinsam mit den Kindern entdecken.» Wichtiger als das Medium an sich sei es, das Kind bei dessen Entdeckung zu begleiten. «Lesen heisst vor allem, mit Kindern in den Dialog zu treten», sagt Gerber. Miteinander über das Gelesene zu reden, Meinungen auszutauschen und diese auch mal stehen zu lassen, das sei sehr wertvoll und ein wichtiger Beitrag zum Aufbau eines verlässlichen Lesekonzeptes.

Lesevorlieben nicht werten

Auch Bücher und Filme müssten sich nicht konkurrenzieren. «Beide Medien sind wertvoll», sagt Gerber. So könne es reizvoll sein, gemeinsam einen Film anzuschauen, dessen Geschichte man schon in Buchform kennt. Vordergründiges Ziel müsse es sein, mit einem Kind einen lustvollen Zugang zum Lesen zu finden.

Dazu nutzt man am besten die Interessen des Kindes. Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass es sich für einen Comic oder ein Manga interessiert. «Das sollten Eltern auf keinen Fall schlechtmachen», rät Gerber. Denn auch Comics könnten helfen, bei einem Kind das Lesefeuer zu entfachen. «Später wird es dann viel eher auch mal etwas anderes lesen.»

Der Kurs «Positives Leseklima in der Familie» findet heute Mittwoch, 20 Uhr, in der Aula der Kanti Frauenfeld statt und wendet sich speziell an Eltern von 4- bis 8jährigen Kindern. Veranstalter ist das Amt für Volksschule, der Eintritt ist frei.