«Das Leben ist cheibe kostbar»

MÜLLHEIM. TZ-Fotografin Susann Basler hat ihr Sterben auf Facebook öffentlich gemacht. Die Filmerin Regula Marti hat sie die letzten Monate ihres Lebens mit der Kamera begleitet. Der Doc-Film über einen ungewöhnlichen Abschied wird auf SRF 1 zu sehen sein.

Ida Sandl
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Die Filmerin Regula Marti vor der Facebook-Seite von Susann Basler, die noch immer aufgeschaltet ist. (Bild: Nana do Carmo)

Die Filmerin Regula Marti vor der Facebook-Seite von Susann Basler, die noch immer aufgeschaltet ist. (Bild: Nana do Carmo)

Auf der Beerdigung von Susann Basler läuft ein Film, der ihr Leben zeigt. Zum Schluss erscheint sie selbst auf der Leinwand. «Tschau zäme, machets guet», sagt sie zu den Trauergästen. «Damit wirst Du die Menschen schockieren», hatte die Filmerin Regula Marti im Vorfeld gewarnt. Susann Balser habe kurz überlegt und gemeint: «Das kennen sie doch von mir.»

Sie war direkt, provokativ, kantig. Aber auch kreativ, humorvoll, mitfühlend und eine leidenschaftliche Fotografin. Susan Basler ist 55 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Die Ärzte geben ihr noch ein halbes Jahr. Die Zeit, die ihr bleibt, will sie nutzen. Sie heiratet ihren langjährigen Lebenspartner, macht Ferien mit der Familie, versöhnt sich mit ihrer Mutter.

Und sie entschliesst sich, ihr Sterben öffentlich zu machen. Vier Monate vor ihrem Tod beginnt sie ein Tagebuch über Facebook. 170 Freunde verfolgen ihren Kampf gegen die Krankheit. Die Fotos und Einträge beschönigen nichts. Sie sind wie die Autorin: schonungslos offen.

Ein Projekt mit klaren Regeln

Das Tagebuch bringt die Thurgauerin Regula Marti auf die Idee, einen Film über diesen ungewöhnlichen Abschied vom Leben zu drehen. Ein paar Jahre zuvor war Regula Martis Vater gestorben. Das sei mit ein Grund für den Film gewesen. Susann Basler ist von der Idee begeistert. Die beiden Frauen vereinbaren, das Projekt könne jederzeit abgebrochen werden, wenn es einer zu viel wird. Die Familie reagiert erst skeptisch, öffnet sich aber zunehmend der Filmemacherin.

Eine Tochter hatte Mühe

Die beiden Frauen werden Freundinnen. Der Tod von Susann Basler im Oktober 2010 geht Regula Marti nahe. Sie muss ein paar Monate verstreichen lassen, bevor sie mit der Arbeit zum Film beginnen kann. Inzwischen interessiert sich auch das Schweizer Fernsehen für das Werk. Regula Marti bekommt eine Produzentin und Techniker zur Seite gestellt.

Zwei Jahre nach der Beerdigung trifft Regula Marti Susann Baslers Familie und ihre engsten Freunde noch einmal. Sie halten im Film Rückschau auf dieses öffentliche Sterben. Es war eine Zeit, in der die Familie näher zusammengerückt sei. Die Konfrontation mit dem Tod hat sie aber auch gefordert. Eine der drei Töchter versteht nicht, warum die Mutter so viele Menschen am Abschied teilhaben liess.

Lebensmut und Angst

Der Film zeigt eine ungewöhnliche Frau, schwerkrank, aber voller Lebensmut. Die gegen Angst und Verzweiflung kämpft. «Das Leben ist cheibe kostbar», sagt Susann Basler. Für Regula Marti lautet die Botschaft des Films: «Dem Sterben einen Platz zu geben im Leben.» «Tschau zäme – machets guet» wird als Doc-Film auf SRF 1 gezeigt. Die Sendezeit um 20 Uhr steht bereits fest. Der Sendetermin ist ab Februar 2014.

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