Das Lauftraining zahlt sich aus

FRAUENFELD. Nicole Lohri aus Frauenfeld lief als schnellste Schweizerin beim New York Marathon. Dieser sportliche Erfolg wurde ihr erst in der Schweiz richtig bewusst. Vor einem Marathon trainiert sie fünfmal pro Woche.

Selina Giger
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Nicole Lohri joggt gerne in den Frauenfelder Wäldern – manchmal auch mit ihrem Mann. (Bild: Nana do Carmo)

Nicole Lohri joggt gerne in den Frauenfelder Wäldern – manchmal auch mit ihrem Mann. (Bild: Nana do Carmo)

«Ich höre auf mein Herz und meinen Bauch – auch wenn ich so mal ein Lauftraining abbrechen muss», sagt die 41jährige Nicole Lohri aus Frauenfeld. Wichtig sei auch, sich immer wieder Auszeiten zu gönnen – für Körper und Geist. Lohri kennt sich aus im Laufsport, denn sie wurde vor zwei Wochen schnellste Schweizerin beim New York Marathon.

Die gelernte Kinderkrankenschwester schwelgt noch immer etwas in Erinnerungen an Amerika. «Bei einem solch grossen Lauf dabei zu sein, ist ein unbeschreibliches Gefühl», sagt sie. Den sportlichen Erfolg hätte sie aber erst in der Schweiz richtig begriffen. In ihrer Altersstufe wurde sie Dritte und belegte den 31. Platz bei den Frauen insgesamt.

Innerlicher Stillstand

Dabei sei nicht alles glatt gegangen. Bei Kilometer 33 hat Lohri schlimme Magenbeschwerden bekommen. «Mein Magen krampfte sich furchtbar zusammen.» An Schweizer Marathons habe Lohri immer ihre eigene Verpflegung. So war es in den USA nicht. «Nur einen Energy-Gel aus Kohlehydraten brachte ich mit.» Man sollte viel trinken, wenn man diesen einnimmt – das Wasser bei den Verpflegungsständen sei aber sehr kalt gewesen. Nun weiss sie, dass sie zu wenig und zu kaltes Wasser getrunken hatte. «Ich fühlte mich, als wenn ich innerlich stehenblieb – aber ich lief weiter.» Da sei dann ein anderer Schweizer vorbei gerannt und habe gesagt: «Das schaffed mir!» Ab da an seien die Schmerzen weggewesen. «Ich kann nicht genau erklären, weshalb», sagt Lohri.

Mit einer Zeit von 2 Stunden und 55 Minuten erreichte sie das Ziel und verlor zwischendurch ihren Mann auf der Strecke. Ihr 50jähriger Ehemann Philipp Lohri und sie laufen sonst meist zusammen. «Wir trainieren auch gemeinsam.» Jedoch konnte er dieses Mal nicht mit seiner Frau mithalten. Es sei nicht sein Tag gewesen. Nicole Lohri sagt: «Der Sport verbindet uns.» Anstatt gemeinsam einen Abend im Restaurant zu verbringen, joggen sie zu zweit in den Frauenfelder Wäldern. Auch ihre drei Söhne seinen sportlich, aber nicht unbedingt an Marathons interessiert. «Sie machen lieber American Football und Leichtathletik.»

Welt entdecken durch Marathon

«Ich komme aus einer Sportler-Familie.» Das färbe schon ab, sagt Lohri lächelnd. Ihre Mutter und ihr Bruder seien auch gelaufen. Schon seit sechs Jahren laufe auch sie ein bis zwei Marathons pro Jahr. «Ich will aber noch die Welt entdecken.» Deshalb wolle sie noch Marathons in London, Berlin und weiteren Grossstädten machen. So könne sie zwei Leidenschaften gleichzeitig nachgehen.

Doch zuerst gibt es eine Pause. Denn vor einem Marathon müssten sie viel trainieren – fünfmal pro Woche. So wichtig es auch sei, sich Auszeiten zu genehmigen, konnte Lohri am vergangenen Wochenende doch nicht widerstehen. Sie lief beim Frauenfelder Waffenlauf mit – aber nur den Halbmarathon.