Das Kursschiff als Kirchenschiff

Kirchgemeinden vom Untersee luden zum ersten Gottesdienst auf der «MS Arenenberg». Mehr als 300 Personen wollten an dem Anlass teilnehmen. Initiant Arno Stöckle musste verschiedene Interessenten aufs nächste Kirchenschiff im August vertrösten.

Margrith Pfister-Kübler
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Mit Regenschutz, Schirm und Gesang trotzten die Passagiere des ersten Kirchenschiffs auf dem Untersee dem garstigen Wetter. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Mit Regenschutz, Schirm und Gesang trotzten die Passagiere des ersten Kirchenschiffs auf dem Untersee dem garstigen Wetter. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Ein Kirchenschiff ist kein Kursschiff. Doch die «MS Arenenberg» wurde am Sonntagabend zu einem, dem ersten Kirchenschiff auf dem Untersee. Die Passagiere stiegen in Berlingen zu, es folgte Gaienhofen, Steckborn, Mammern und Stein am Rhein. «Nach 300 Anmeldungen mussten wir leider auf das nächste Schiff am 23. August vertrösten», sagte Pfarrer Arno Stöckle mit grosser Freude in der Stimme. Ihm gefällt, was auf dem Obersee schon funktioniert. So rief er mit andern Kirchgemeinden das Kirchenschiff für den Untersee ins Leben (siehe Kasten).

Auch der Himmel freute sich

Da war nichts von «mühsam, das erste Kirchenschiff in Fahrt zu setzen». Die Menschen strömten nur so herbei, ein Teilnehmer kam gar aus Fulda in Hessen angereist. Die Geistlichen begrüssten persönlich ihre Schäflein. Proviant wurde gestapelt. Der Himmel weinte vor Freude und der Regen prasselte auf das Kirchenschiff.

URh-Kapitän Urs Thaler und seine Crew waren durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Die Passagiere suchten einen trockenen Platz, was das Zusammenrücken förderte, wie in einer grossen Familie, wo diejenigen, die sich schon gut kannten und mochten, zusammenbleiben. Menschen vom deutschen und schweizerischen Ufer, aus zehn Gemeinden. Die Musikgesellschaft Eschenz durfte im Mitteldeck spielen, wo die Akustik erstaunlich gut war.

Sich aus dem Hafen wagen

Die Predigten setzten sich ebenfalls mit Booten und ihren Sinnbildern auseinander. Arno Stöckle erinnerte an das Buch «Das Boot ist voll» von Alfred Häsler und an die aktuellen Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Pfarrer Roland Klaus setzte sich mit den Symbolen Anker, Steuer, Radar, Schiffsglocke auseinander. «Schiffe sind nicht gebaut, um vor Anker zu liegen. Sie sind gemacht, um unterwegs zu sein, um Grenzen zu überwinden», sagte Roland Klaus und forderte dazu auf, sich hinauszuwagen aus dem sicheren Hafen. Franziskaner Christoph Maria Hörtner zog das Bild des Grossen Steuermanns heran: «Wir sind nicht fremdgesteuert, sondern von Gott gesteuert.» Pfarrerin Corinna Junger sprach vom Radar «als Orientierungshilfe». Zwischendurch versagte zwar die Technik der Lautsprecher. Alle sangen: «Ich lobe meinen Gott». Der Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer nickte feierlich, lächelte und freute sich, dass dieses Kirchenschiff «so gut ankommt». Dann meldete sich Pfarrer Stöckle per Mikrophon wieder, diesmal aus dem Billettschalter. Die Technik war überlistet. Er bat Kapitän Urs Thaler, ein Signal zu geben. Es ertönte ein langer Ton, der bedeutet: «Ich halte meinen Kurs bei.»

Später nahm dann das Schiff Kurs auf die Landestellen, wo die Passagiere in der Reihenfolge wieder von Bord gehen konnten, wie sie an Bord gekommen waren. Alles war kostenlos. Die Kollekte zur Deckung der Unkosten wurde grosszügig bedient.