Das kupferne Ungetüm vom Fuchsloch

BERLINGEN. Seit Jahren lagerte ein alter Ofen im Obergeschoss der Berlinger Entsorgungsstelle. Nun wurde der mit Holz zu betreibende Doppel-Siedhafen ins Lager für alte Baumaterialien nach Schönenberg gebracht. Doch seine Geschichte bleibt schleierhaft.

Kathrin Meier
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Sepp Kesseli von der Denkmal Stiftung Thurgau und Hanspeter Sonnberger, Bauamtsmitarbeiter von Berlingen, verladen den Ofen. (Bild: Kathrin Fahrni)

Sepp Kesseli von der Denkmal Stiftung Thurgau und Hanspeter Sonnberger, Bauamtsmitarbeiter von Berlingen, verladen den Ofen. (Bild: Kathrin Fahrni)

BERLINGEN. Die Entsorgungsstelle der Gemeinde Berlingen heisst Fuchsloch. Das einfache Gebäude, in dem Papier, Metall, Öl abgegeben werden kann, befindet sich hinter dem «Adler». Im oberen Stock des Fuchsloches stand bis vor kurzem ein voluminöses Ding aus Kupfer, mit diesem Hauch Ewigkeit an sich, der für gewöhnlich militärischen Dingen anhaftet. Ein Siedhafen für Würste? Eine Militärküche?

Zwei Feuerstellen

Sepp Kesseli von der Denkmal Stiftung Thurgau und Hanspeter Sonnberger, Mitarbeiter beim Berlinger Bauamt, sind sich nicht schlüssig. Fest steht, dass das Ding mit zwei Feuern zu beheizen ist, dass es einen Wasseranschluss besitzt und dass sich zwei Töpfe einzeln damit wärmen lassen. Mehr als «L», «R» und «Z» – wahrscheinlich für links, rechts, zu – steht an dem Gerät nicht geschrieben. Nirgends ein Hinweis darauf, wofür das Ding gebaut worden ist und von wem, kein Schweizerkreuz, keine Prägung. Kesseli vermutet, dass es sich beim eisernen Ofen um eine Einzelanfertigung handelt. Ein bisschen Fett klebt noch in den Töpfen, in denen es nicht mehr frisch riecht. Im Zuge der jüngsten Aufräumaktion nahm sich Gemeinderat Christof Rothenberger des Ungetüms an. Er fand, es sei zu schade zum Fortwerfen, da dachte er an die Denkmal Stiftung Thurgau. Diese wurde von der Denkmalpflege gegründet und kümmert sich um alte Gegenstände, die sich im weiten Bereich zwischen Antiquität und Abfall befinden und an ihrem ursprünglichen Ort nicht mehr bleiben können, wie etwa alte Baumaterialien. In zwei Scheunen in Schönenberg werden diese zwischengelagert.

Eigenartig ist, dass niemand sich erinnern kann, wie der Ofen ins Fuchsloch gekommen ist. Für Sonnberger hat er immer schon da gestanden – sein Vorgänger wisse von dem Ding aber nichts.

Spatz darin gekocht

Einer der Ältesten im Dorf meint, den Ofen früher beim Metzger Zimmerli im «Bahnhöfli» gesehen zu haben. Ein anderer mag sich erinnern, dass zu seiner Zeit als Zivilschützer damit gekocht worden ist, zwischen 1986 und 1991 müsse das gewesen sein. Und noch ein anderer kann sich erinnern, damit im Hochwasserjahr 1999 gekocht zu haben, Spatz habe es gegeben. Die Militärküche habe dem Zivilschutz gehört, der sie irgendwann auch habe restaurieren lassen.

Wie auch immer: Nun steht das Ding in Schönenberg. Vor ein paar Tagen wurde es von der Denkmal Stiftung dorthin überführt. Falls sich wider Erwarten jemand für den Ofen erwärmen sollte, kann er für einen symbolischen Preis abgeholt werden.