Das Know-how gibt es im Thurgau

Thurgau Tourismus und zwei kantonale Museen kaufen ennet der Grenze PR-Dienstleistungen ein. Das kommt bei den Thurgauer Agenturen nicht gut an. Insbesondere wegen der Begründung: Die gefragten Kompetenzen gebe es hier nicht.

Michèle Vaterlaus
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Thomas Gut, Inhaber der Agentur Gut Werbung, hat kein Verständnis für die Thurgauer Zusammenarbeit mit einer deutschen Agentur. (Bild: Nana do Carmo)

Thomas Gut, Inhaber der Agentur Gut Werbung, hat kein Verständnis für die Thurgauer Zusammenarbeit mit einer deutschen Agentur. (Bild: Nana do Carmo)

KREUZLINGEN. Thomas Gut schüttelt nur den Kopf. «Ich will niemandem in die Suppe spucken, aber ein bisschen fragwürdig ist das schon», sagt der Inhaber der Agentur Gut Werbung in Kreuzlingen. Das Kopfschütteln gilt Thurgau Tourismus, dem Historischen Museum Thurgau sowie dem Napoleonmuseum. Sie haben Aufträge an eine Konstanzer Kommunikationsagentur vergeben (unsere Zeitung berichtete). Die Begründung der Auftraggeber: Die Agentur sei nicht günstiger als Schweizer Anbieter. Aber es sei die einzige PR-Agentur im ganzen Bodenseeraum mit der Kernkompetenz Tourismus. «Diese Begründung ist eine Farce», sagt Gut.

Die Kompetenzen sind da

Thomas Gut selbst kennt sich nämlich im Tourismus durchaus aus. Er war einst Geschäftsführer von Kreuzlingen Tourismus, aktuell ist er Geschäftsleiter vom Fantastical, dem Kreuzlinger Seenachtsfest. Und er kenne noch weitere kompetente Kommunikationsspezialisten, die bereits Aufträge im Bereich Tourismus bekommen haben – vom Kanton Thurgau: «Koch Kommunikation in Frauenfeld beispielsweise hat die Imagekampagne gemacht.» Philipp Koch, Inhaber der Agentur Koch Kommunikation, wundert sich ebenfalls über die Aussage, dass es in der Ostschweiz keine Agentur geben soll, welche die Kernkompetenz im Tourismus habe. «Damit verpasst man allen PR-Agenturen in der Ostschweiz einen Seitenhieb.» Er hat zwar Verständnis dafür, dass man als Tourismusorganisation den Bodenseeraum als Ganzes betrachtet und Landesgrenzen eine untergeordnete Rolle spielen. «Am Ende des Tages sitzen wir aber volkswirtschaftlich gesehen alle im gleichen Boot und sind froh, dass Aufträge in der Schweiz vergeben werden, wenn die Agenturkompetenz vorhanden ist.» Er kennt denn auch eine Agentur, die ihren Sitz wie Thurgau Tourismus in Amriswil und ihre Kernkompetenz im Tourismus hat: Panta Rhei PR arbeitet zum Beispiel für das Glarnerland, für Schweiz Tourismus oder die Rhätische Bahn. Sie hat auch schon für Gstaad-Saanenland, Savognin oder den Europa-Park gearbeitet. «Wir sind die führende PR-Agentur im Bereich Tourismus in der Schweiz», sagt Inhaber Dominik Joos. Panta Rhei PR hat sogar eine Agentur im deutschen Lörrach und bearbeitet von dort aus den Süddeutschen Raum. «Ich habe die Verantwortlichen von Thurgau Tourismus, vom Historischen Museum sowie vom Napoleonmuseum darüber informiert.» Weiter will Joos die Auftragsvergabe nach Deutschland nicht kommentieren.

Vermutlich spielen Beziehungen

Wenn nun der Preis für die Arbeitsvergabe nicht entscheidend war und die notwendigen Kompetenzen für die Dienstleistung in der Ostschweiz vorhanden sind, warum wurden dann die Mandate nach Konstanz vergeben? «Entweder haben sich die Auftraggeber nicht umfassend informiert oder es spielen Beziehungen», sagt Gut. Er tendiert zum zweiten, denn bei dieser Art der Kommunikation seien Fachkenntnisse eigentlich nicht entscheidend. «Wir müssen Leute erreichen und sie berühren, die Botschaften in den Medien plazieren. Beim Tourismus handelt es sich nicht um einen komplexen Fachbereich wie beispielsweise die Medizin», sagt Gut. «Doch wenn tatsächlich Beziehungen spielen, dann ist man im Markt chancenlos.»

Synergien sind wichtig

Beziehungen bestehen tatsächlich. Dominik Gügel, der Direktor des Napoleonmuseums ist mit der Inhaberin der deutschen Agentur liiert. «Das ist erstens kein Geheimnis und hat zweitens keinen Einfluss auf die Zusammenarbeit mit der Agentur», sagt Gügel. «Wir sind mit der Agentur 2003 in Kontakt gekommen, als Untersee Tourismus das Napoleonjahr aufgleiste.» Die Zusammenarbeit sei von seinen Vorgesetzten gewünscht, weil Synergien genutzt werden können. Auch Thurgau Tourismus betont, dass man mit der Zusammenarbeit Synergien nutze. Das, weil die Agentur auch auf der deutschen Seite touristische Organisationen und Projekte betreut, wie Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, sagt. «Das ist neben der Kompetenz, insbesondere der Kompetenz im Kulturtourismus, der ausschlaggebende Punkt, die Zusammenarbeit nicht in Frage zu stellen.» Wie die Zusammenarbeit vor acht Jahren zustande gekommen ist, weiss Müller nicht. Er war damals noch nicht Geschäftsführer.