«Das ist Verrat! Ein Verrat an der Schweiz»

Schüler-Parlamentsdebatte der Kantonsschule Frauenfeld im Rathaus

Rahel Haag
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Im Schülerparlament heissen die Bundesräte János Bozi, Lydia Schär und Loris Rehli. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Im Schülerparlament heissen die Bundesräte János Bozi, Lydia Schär und Loris Rehli. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Sehr geehrter Ratspräsident, sehr geehrte Bundesrätin und Bundesräte, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste», dies waren die meistgehörten Worte gestern. Manch einer sprach sie enthusiastisch, andere leierten sie vor ihrem Votum eher herunter. Im zweiten Fall war dies wohl der beschränken Redezeit geschuldet.

Alles in allem waren sie nah dran an der Realität. Die rund 50 Schülerinnen und Schüler der zweiten, dritten und vierten Gymnasialklassen der Kantonsschule Frauenfeld. Den Ratspräsidenten mimte der Lehrer Michael Jung, die Rollen der Bundesräte – es gab fünf statt sieben und nur eine Frau – sowie der Ratsmitglieder übernahmen die Schüler selbst. Aufgeteilt auf fünf Tische, in ebenso vielen Fraktionen der grössten Schweizer Parteien SVP, SP, FDP, CVP sowie Grüne.

Die Debatte über die Volksinitiative der SVP, «Schweizer Recht statt fremde Richter», wurde stellenweise hitzig geführt. Beispielsweise als ein Mitglied der SP-Fraktion, ein junger Mann mit wilden Locken, ans Rednerpult trat und sagte: «Das ist Verrat! Ein Verrat an der Schweiz und unseren Werten.»

Grob gesagt, will die Initiative das Bundesrecht über das Völkerrecht stellen. Innerhalb von Europa stände die Schweiz damit ziemlich alleine da. Die FDP führte dazu einen simplen, aber äusserst passenden Vergleich ins Feld: Man solle sich vorstellen, man lebe in einem Mehrfamilienhaus, und der Nachbar spiele um 22.30 Uhr noch Schlagzeug. «Und wenn Sie bei ihm klingeln und ihn auf die Hausordnung aufmerksam machen, sagt er: ‹Wir haben innerhalb der Familie dar­über abgestimmt und die Hausordnung abgelehnt.›»

Zum Thema wurden ausserdem Plakate gestaltet. Dort stach jenes der SP heraus: An einem Galgen hängt das Masseneinwanderungsschaf der SVP. Unter dem Bild heisst es: «Nein zum aussenpolitischen Selbstmord.»

Am politischen Nachmittag folgte eine Debatte über Motionen aus den Fraktionen. Dort wurde lediglich jene der CVP mit der Überschrift «Förderung erneuerbarer Energien» für erheblich erklärt.

Der Sieger hiess am Ende FDP. Gekürt wurde er von einer vierköpfigen Jury. Ihr gehörten René Hunziker, Bezirksrichter Frauenfeld, Johanna Pilat, Parlamentsdienste, Staatskanzlei Kanton Thurgau, Pascale Chenevard, Prorektorin der Kantonsschule Frauenfeld, und ich an.

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch