«Das ist gelebte Demokratie»

Die Ausgangslage für die Wahl des Gemeindeammanns ist spannend in Lommis. Gleich zwei ernsthafte Kandidaten, Andreas Bernhaut und Karl Gaus-Huss, fordern den Bisherigen Fritz Locher heraus.

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Herr Bernhaut, Herr Gaus, Sie wollen beide Gemeindeammann werden. Warum?

Karl Gaus: Für mich ist dieses Amt eine neue Herausforderung. Als Generalist mit breitem Wissen, einer beruflichen Laufbahn mit viel Führungserfahrung und als Alphatier könnte ich viel für unsere Gemeinde tun.

Andreas Bernhaut: Es ist zwar nicht gegen Fritz gerichtet, aber ich will, dass die Bürger eine Auswahl haben. Und ich habe das echte Bedürfnis, mich in der Gemeinde einzubringen.

Herr Locher, Sie stehen seit über zehn Jahren der Gemeinde vor. Eine weitere Amtszeit soll nun folgen. Jetzt haben Sie zwei Herausforderer. Was bedeutet das für Sie?

Nun, das ist eben gelebte Demokratie.

Bernhaut: Und wir führen hier ja nicht eine schmutzige Kampagne.

Aber Sie würden sicherlich einige Dinge anders machen als Ihr Vorgänger?

Bernhaut: Ich war ja drei Jahre lang bereits Gemeinderat, und Fritz hat das gut gemacht . . .

. . . aber?

Nun, ich würde mich als Gemeindeammann sicherlich mehr unters Volk mischen, mich bei den verschiedenen Anlässen zeigen.

Locher: Ich habe eben immer eine klare Unterteilung der Sachgeschäfte gemacht. Für das Ressort Unterhaltung haben wir einen Verantwortlichen.

Dass Sie beim Neujahrsapéro gefehlt haben, gab im Dorf zu reden.

Locher: Ich hatte persönliche Gründe, mehr will ich dazu nicht sagen.

Das Amt des Gemeindeammanns ist in Lommis bei einem 40-Prozent-Pensum angelegt.

Locher: Man sollte aber ständig erreichbar sein. Mein Natel ist immer eingeschaltet. Denn wenn um neun Uhr morgens der Schnee in einer Auffahrt nicht weggeräumt wird, ruft man mich in der Regel an.

Herr Locher weiss es bereits, darum die Frage an die beiden Herausforderer: Sind Sie sich bewusst, wie zeitintensiv dieses Amt ist?

Gaus: Für mich ist klar, dass ich für die Bürger da sein will.

Ich war lange Leiter der Logistik einer grossen Firma, da war ich Tag und Nacht für unzählige Dinge verantwortlich. Ich bin mir also einen 24-Stunden-Betrieb gewöhnt. (lacht)

Haben Sie überhaupt noch ausreichend Zeit neben Ihrem Beruf?

Gaus: Ja, als Selbständiger mit einer eigenen Beratungsfirma für Qualitätsmanagement kann ich die Anzahl der Mandate selber steuern.

Bernhaut: Bei mir sieht es ähnlich aus, ich habe eine eigene IT-Firma und kann mir die Zeit sehr gut selbst einteilen.

Ein anderes Thema, das im Dorf zu reden gab, war der Wegzug der Kindertagesstätte.

(alle stöhnen auf)

Locher: Dass Lommis nun über keine Kita verfügt, bedauern wir sehr. Die Finanzen liefen aus dem Ruder, und als wir dann davon Kenntnis erhielten, war es zu spät.

Hätte man als Gemeindeammann etwas besser machen können?

Bernhaut: Schwierig, das Ganze lag ja auch in den Händen der Schulgemeinde.

Gaus: Sehe ich auch so. Aber bei der Kommunikation lief meiner Meinung nach nicht alles optimal. Die Bürger hatten es nur durch eine kurze Mitteilung in den Gemeindenachrichten erfahren.

Ein Gemeindeammann muss ein guter Kommunikator sein. Was sonst noch, Herr Locher?

Locher: Nun, er muss auch eine dicke Haut haben. Denn man kann es nicht allen recht machen, das ist einfach so.

Und er muss im Team arbeiten können. Das ist das Wichtigste. Ein Beschluss braucht eine Mehrheit im Gemeinderat. Es ist illusorisch zu glauben, dass man in diesem Amt die grossen Würfe alleine machen kann.

Klingt etwas ernüchternd, nicht?

Gaus: Es ist klar, dass man den Konsens finden muss. Aber ein Gemeinderat muss vorangehen und die Leute motivieren können. So kann man doch etwas bewegen.

Bernhaut: Für eine Strategie braucht es Visionen. Ich denke da zum Beispiel an den Anschluss an das Glasfasernetz. Ich weiss, dass die TB Wil bereits die Grundversorgung gewährleistet hat. Dass heisst, man müsste jetzt nur noch die Haushalte an die Hauptleitung anschliessen.

Gaus: Lommis braucht ein Leitbild, einen Masterplan. Und die Kooperationen mit den Nachbargemeinden muss intensiviert werden.

Locher: Diese Arbeiten laufen ja alle schon lange. Wir sind beispielsweise im Elektroverbund Stettfurt-Lommis-Thundorf, im Feuerwehrzweckverband Affeltrangen-Lommis oder in der Regio Wil vertreten. Es ist sehr wichtig, dass man da selbst auch in den Kommissionen sitzt, das tue ich. Ich denke auch, dass man zukünftig in die Infrastruktur investieren muss. Das Projekt eines Spiel- und Sportplatzes ist ein grosses Thema für uns.

Interview: Yann Cherix