Das Herz wird nicht dement

Um Trends in der Betreuung Demenzkranker ging es an der Veranstaltung von Curaviva Thurgau und der Alzheimervereinigung Thurgau.

Christine Luley
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FRAUENFELD. In der Schweiz leben 113 000 an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankte Menschen. Davon entfallen 3300 auf den Thurgau. Die Zahl der Betroffenen steigt: Schweizweit kommen jährlich neu 27 000 dazu, davon 770 im Thurgau.

Rechtzeitige Diagnose

«Nicht wegsehen, die Gesellschaft sensibilisieren, es brauche Solidarität», forderte Birgitta Martensson. Die Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung stellte die von Bund und Kanton verabschiedete nationale Demenzstrategie 2014–2017 vor. Sie erklärte, dass die Förderung der Früherkennung und eine rechtzeitige Diagnose wichtig seien. Schätzungsweise hätte nur die Hälfte der Menschen mit Demenz eine Diagnose. Was für die Betroffenen bedeute, dass sie mit Symptomen lebten, aber sich notwendige Informationen und Hilfeleistungen nicht holen könnten.

Zahlen und Wünsche

«Dass Menschen mit einer Demenz während der ganzen Krankheitsphase ihre unverlierbare Würde behalten» ist für Christoph Schmid eine Grundvoraussetzung. Der Ressortleiter Gerontologie bei Curaviva Schweiz machte auf die Folgen des Leitmotivs aufmerksam: «Möglichst lange zu Hause und in ein Heim, wenn es nicht mehr anders geht.» Druck auf Angehörige, Erschöpfungszustände und schwierige Situationen durch Bewegungseinschränkung oder Gewalt. Er ist überzeugt, dass es ambulante und stationäre Demenzbetreuung braucht. Die Referate gaben Einblick in die Sorgen von Betreuenden und Betroffenen. So sehen 75 Prozent aller Institutionen die ungenügende Finanzierung der aufgewendeten Leistungen als grösste Herausforderung. Zudem befürchten sie, nicht genügend Pflege- und Betreuungspersonal zu haben. Mehr als die Hälfte findet die baulichen Voraussetzungen für demenzgerechtes Wohnen ungenügend. Die Diskussion zeigte, dass für Pflegekräfte eine gute Weiterbildung unverzichtbar ist. Sorge macht den Pflegenden, dass aufgrund von Personalmangel mehr Neuroleptika, sedierende Psychopharmaka, eingesetzt werden, um Bewohner ruhigzustellen.

Loredana Rosca, Stationsleiterin im Wohn- und Pflegeheim Seerose Egnach, war mit dem Anlass zufrieden. Es sei wichtig, dass sich etwas bewegt und man die Krankheit ernst nehme. «Wir arbeiten nach der Devise: Das Herz wird nicht dement.»