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Das Grauen in den Gassen

Krimitage Frauenfeld steht am Wochenende im Zeichen des Grusels. Das Junge Theater Thurgau nimmt die Besucher mit auf einen kriminalistischen Stadtrundgang – bei Nacht. Ein Probenbesuch. Stefan Späti
Frauenfeld TG , 03.11.2012 / Krimitage . Proben fue den inszinierten kriminalistischen Stadtrundgang in Frauenfeld . Die Schwestern Sabrina und Sarah Widmer . (Bild: Donato Caspari)

Frauenfeld TG , 03.11.2012 / Krimitage . Proben fue den inszinierten kriminalistischen Stadtrundgang in Frauenfeld . Die Schwestern Sabrina und Sarah Widmer . (Bild: Donato Caspari)

Sabrina Widmer steht auf einer Mauer und rappt. Mit ihrer Stimme kämpft sie gegen den Lärm der vorbeibrausenden Autos an. Vor der Post in Frauenfeld, direkt neben einem stark befahrenen Kreisel, wiederholt die 19jährige Darstellerin aus Flawil ihre Worte, immer lauter, bis sie schliesslich beinahe schreit. Endlich ist Katrin Sauter, die Leiterin des Jungen Theaters Thurgau, zufrieden. «So ist es genau richtig, diese Lautstärke musst du hinkriegen, damit dich die Leute verstehen.» Sie atmet tief ein und geräuschvoll aus. Dabei geht sie leicht in die Knie. «Ihr müsst tief in den Bauch hinunter atmen und fest auf den Beinen stehen, dann klingen eure Stimmen voller und lauter.»

Gruselige Stadtführung

Es ist eine ungewöhnliche Produktion, für die Sabrina Widmer mit ihren Kollegen probt: Die Vorstellungen finden nämlich nicht auf einer Theaterbühne statt, sondern auf der Strasse, genauer gesagt in der Innenstadt von Frauenfeld. «Ich eröffne das Stück mit einem Rap. Das macht mich ziemlich nervös, da der Text wirklich sitzen muss», erklärt Widmer. Es sei der einzige Rap im Stück. Ansonsten hätten sie viel Freiraum für textliche Improvisation, ein Skript existiere nicht.

Im Rahmen der Krimitage hat Katrin Sauter mit ihrem Team eine szenische Stadtführung inszeniert, in der sich die Zuschauer ins späte 18. Jahrhundert zurückversetzt fühlen werden. Das Ganze findet aber nicht etwa am Tag statt – im Gegenteil: Die Schauspieler führen das Stück in der Nacht auf. Premiere ist morgen Freitag um 22 Uhr. Die Geschichte über zwei verfluchte Nachtwächter soll dem Publikum in der dunklen Nacht kalte Schauer den Rücken hinunter jagen lassen.

«Pass auf, hinter dir ist gleich die Strasse», ruft Katrin Sauter. Sabrina Widmer ist völlig in die Proben vertieft. Sie streitet so fest mit ihrer Schauspielkollegin, der 16jährigen Sonja Sasso aus Islikon, dass sie die Autos nicht bemerkt. Die beiden spielen die Hauptrollen und verleihen den Nachtwächtern Johann und Adam Gestalt. «Es ist toll, dass wir die Figuren mitentwickeln und viel zur Geschichte beitragen konnten», sagt Sonja Sasso.

Der Fluch des Fährmanns

Johann und Adam sind offensichtlich ungeschickt mit Feuer umgegangen: Sie haben die zwei verheerenden Stadtbrände im 18. Jahrhundert in Frauenfeld verursacht – eine historisch belegte Tatsache. «Die Inszenierung ist eine Mischung aus wahren Begebenheiten und Fiktion», erklärt Katrin Sauter, «die Stadtführerin Andrea Hofmann begleitet die Besucher auf dem Rundgang und streut immer wieder Geschichten ein, die historisch belegt sind.»

Um die Dramatik zu steigern, hat die Gruppe zusätzlich einen fiktiven Erzählstrang eingeflochten: Die beiden Nachtwächter werden von einem unheimlichen Fährmann mit einem Fluch belegt, der sie dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit über die Stadt wachen zu müssen. Fieberhaft suchen die beiden nach einer Möglichkeit, sich von dem Bann lösen zu können.

Die Dunkelheit macht's

Knapp eine Woche vor der Premiere finden die Proben zum erstenmal nicht im Frauenfelder Eisenwerk, sondern an den Originalschauplätzen statt. Katrin Sauter ist im Schuss. «Ich muss alle Szenen vor Ort und Stelle plazieren und den gesamten Ablauf klären.» So richtiger Grusel will sich bei Tageslicht zwar nicht einstellen – noch nicht: «Die Stadt hat sich bereit erklärt, die Strassenlaternen während des Stückes auszuschalten», sagt Sauter. Das einzige Licht komme dann von den Fenstern der Häuser.

Vor der nächtlichen Kälte haben die Schauspielerinnen keine Angst. Man könne sich ja unter dem Kostüm warm anziehen. Nur eines stimmt Sonja Sasso nachdenklich: «Jemand taucht meinen Kopf in einer Szene in einen Brunnen. Das wird bestimmt eiskalt.» Ganz Profi, wiegelt sie aber gleich ab: «Wird schon nicht so schlimm werden.» Katrin Sauter grinst – das Gruseln kann beginnen.

Üben für die Krimitage: Sonja Sasso (linkes Bild) spielt Nachtwächter Adam, Sabrina Widmer (im rechten Bild links) Nachtwächter Johann. (Bild: Donato Caspari)

Üben für die Krimitage: Sonja Sasso (linkes Bild) spielt Nachtwächter Adam, Sabrina Widmer (im rechten Bild links) Nachtwächter Johann. (Bild: Donato Caspari)

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