Das Glück kommt aus Thundorf

THUNDORF. Zu Silvester sind Glücksbringer gefragt. Neben Säuli und Hufeisen ist der Glücksklee beliebt. Ein grosser Teil der Kleetöpfe, die Detailhändler in ihrer Auslage haben, stammt aus dem Thurgau. Die Gärtnerei Küng bringt jährlich 120 000 Pflanzen auf den Markt.

Inge Staub
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Klee, so weit das Auge reicht: Dölf Küng und seine Gärtnerin Nadja Sauter kontrollieren das Wachstum der Pflanzen. (Bild: Reto Martin)

Klee, so weit das Auge reicht: Dölf Küng und seine Gärtnerin Nadja Sauter kontrollieren das Wachstum der Pflanzen. (Bild: Reto Martin)

Es ist kühl. Ganz untypisch für ein Gewächshaus herrschen gerade mal zehn Grad. Den Pflanzen gefällt dieses Klima: Bei der Gärtnerei Küng in Thundorf reiht sich Topf an Topf. In jedem Topf wachsen vierblättrige Kleeblätter. Verteilt über vier Gewächshäuser stehen hier 120 000 Töpfe mit Klee. Jedes Gewächshaus gleicht einem Teppich aus Glücksklee. In der grossen grünen Fläche stehen Dölf Küng, Inhaber der Gärtnerei, und seine Gärtnerin Nadja Sauter. Sie sind zufrieden. «Der Klee steht gut da», sagt Dölf Küng, während er einen Topf begutachtet.

Doppeltes Glück: Kleetöpfe mit Kaminfegern. (Bild: Reto Martin)

Doppeltes Glück: Kleetöpfe mit Kaminfegern. (Bild: Reto Martin)

Zwei Millionen Zwiebeln

Es ist nicht ganz einfach, den Glücksklee in Form zu halten. Er darf nicht austrocknen, aber auch nicht in die Höhe schiessen. Um dies zu erreichen, werden die Pflanzen speziell behandelt. Sie dürfen höchstens fünf bis sieben Zentimeter hoch werden. In diesem Zustand müssen sie ausharren, bis die Gärtnerei Küng sie an diverse Grossabnehmer oder an die Blumenbörsen ausliefert. Denn der Glücksklee wird erst in den Tagen vor Silvester Schweizer Haushalte und Gastrobetriebe zieren.

Der Glücksklee – oxalis deppei «Braunherz» – gehört zur Gattung Sauerklee. Mit dem bekannten Wiesenklee hat er nichts gemeinsam. Letzterer wird aus Samen gewonnen, der Glücksklee wird aus Zwiebeln gezogen. Um die zwei Millionen Zwiebeln haben die Mitarbeiter der Thundorfer Gärtnerei Anfang November in die Töpfe gelegt – von Hand. Jeder Topf enthält zwischen 18 und 35 Zwiebeln, je nach Topfgrösse. Wärme und Wasser lassen die Kleeblättchen bereits nach zwei Wochen spriessen. Damit eine gute Qualität erreicht wird, muss das Verhältnis Wasser, Temperatur, Licht und Nährstoffe stimmen.

Die Gärtnerei Küng besteht seit 1976 in Thundorf. Seit 1983 produziert sie Glücksklee, anfänglich nur 500 Stück. «Wir mussten viel Lehrgeld während der Zeit des Aufbaus der Kultur bezahlen», sagt Dölf Küng.

Mit dem Glücksklee kann der Gärtner seine Gärtnerei auch in einer Zeit auslasten, in der eigentlich nicht sehr viel Betrieb ist. Die Gärtnerei produziert Frühjahrsblüher, Kräuter, Gemüsesetzlinge, Balkon und Rabattenpflanzen sowie Herbstflor. Dölf Küng hat sich die Auslastung im Winter für den Anbau von Glücksklee entschieden, weil dieser im Gegensatz zu Weihnachtssternen weniger Energie benötigt.

Ausland drückt den Preis

Dölf Küng bedauert, dass er in diesem Jahr weniger für seinen Klee erhält als in den Vorjahren. «Der Euro drückt auch uns», sagt er. Da der Klee im Ausland günstiger eingekauft werden kann, muss er sich diesem Preisgefüge anpassen. Doch hat die Gärtnerei gegenüber der Importware einen grossen Vorteil: Die Pflanzen kommen frisch in den Verkauf. Die Thundorfer Gärtner arbeiten auch an den Weihnachtsfeiertagen. «Ich habe schon seit Jahren kaum Weihnachten», sagt Dölf Küng. Es werden auch am 26. Dezember Glücksklee ausgeliefert. Küng empfiehlt den Kunden, den Klee hell, eher kühl und mässig feucht zu halten. «Man darf ihn nicht ersäufen.»

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