Das Gemeinwohl ins Zentrum rücken

An der Bettagskonferenz holte sich die EVP Thurgau Impulse. Im Zentrum stand die Frage, wie das Gemeinwohl gestärkt werden könnte. Das Podium mit Vertretern der Gewerkschaft, des Gewerbes und der Gemeinwohl-Ökonomie bot Raum für Diskussionen.

Severin Schwendener
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Podiumsdiskussion an der Betttagskonferenz der EVP im Greuterhof. (Bild: Severin Schwendener)

Podiumsdiskussion an der Betttagskonferenz der EVP im Greuterhof. (Bild: Severin Schwendener)

ISLIKON. Gemeinsam mit dem Thurgauer Gewerbeverband, dem Gewerkschaftsbund sowie der Gemeinwohl-Ökonomie Initiative Thurgau veranstaltete die EVP am Samstag im Greuterhof Islikon eine Impulstagung unter dem Motto «Gemeinwohl stärken». Das Programm umfasste Workshops, mehrere Referate und eine breit besetzte Podiumsdiskussion, die sich der Frage widmete, wo die Aufgabe des Staates bei der Förderung des Gemeinwohls liege.

Gemeinwohl-Prüfung

Moderiert vom Gachnanger Gemeindeammann Matthias Müller gingen die Podiumsteilnehmer zuerst der Frage nach, ob eine Gemeinwohl-Prüfung von Gesetzesvorlagen Sinn ergeben würde. Dies ähnlich der Umweltverträglichkeitsprüfung, die man von Bauprojekten her kennt. Ja, fand EVP-Kantonsrätin Regula Streckeisen, und verwies darauf, dass beispielsweise Steine aus Asien, die zwar billig seien, aber der Schweiz auch den Laubholzbockkäfer gebracht hätten, sicher nicht dem Gemeinwohl förderlich seien. Auch SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher sprach sich dafür aus, bei einer Vorlage klar zu deklarieren, wer profitiert und wer nicht. «Gerade bei einer Steuervorlage wäre das sehr angebracht.»

Kritik vom Theologen

Kritische Stimmen gab es allerdings auch. «Ich bin grundsätzlich gegen eine solche Vorprüfung», meinte der Theologe Daniel Schmid Holz und verwies auf die Abstimmung vom kommenden Sonntag. «An dieser Abstimmung entscheiden wir wieder ein kleines bisschen darüber, was unsere Vorstellung von Gemeinwohl ist – eine Vorprüfung mit einer allfälligen Zulassung oder Nichtzulassung würde diese wichtige Debatte einschränken.» Viel zu reden gab auch der stetig zunehmende Druck in der Arbeitswelt. «Etwas ist nicht richtig, wenn es immer mehr Burn-outs gibt», zeigte sich die Unternehmensberaterin Piroska Gavallér-Rothe davon überzeugt, dass eine Änderung im Denken nötig sei. Aber: «Das fängt bei uns selber an, da muss ich mich auch an meiner eigenen Nase nehmen», so die Mitbegründerin der Gemeinwohl-Ökonomie im Thurgau. Bei der Gemeinwohl-Ökonomie stehen Kooperation und Gemeinwohl über dem alleinigen Gewinnstreben. Unternehmen können eine sogenannte «Gemeinwohl-Bilanz erstellen, die ihnen dann Vorteile bringt. Carmen Haag vom Thurgauer Gewerbeverband sagte an der Diskussion: «Ich höre immer der Staat oder die Wirtschaft. Aber wer ist das eigentlich? Das sind wir. Wir als Konsumenten, die immer mehr nachfragen.»

Gezielt einkaufen

Gemeint waren das zweite Auto oder die dritte Ferienreise im Jahr. Laut Carmen Haag hat man heute schon die Möglichkeit, durch sein Kaufverhalten die Gesellschaft zu beeinflussen. Ihr Rat: «Kaufen Sie dort ein, wo Sie davon überzeugt sind, dass es dem Gemeinwohl nützt.» Etwas, das vielleicht nicht immer ganz einfach sei. «Als erstes muss der Staat von der Einflussnahme einzelner Interessenverbände befreit werden», forderte Fritz Andres, der eingangs ein Referat zum Thema «Der Staat und das Gemeinwohl» gehalten hatte. Wie hingegen das erreicht werden soll, darauf wusste auch das Podium keine Antwort.