«Das Gehör kann man nicht ausschalten»

ROMANSHORN. An der ersten «Lärmlandsgemeinde» diskutierten Vertreter der Bahn, der lärmgeplagten Anwohner und der Politik über Lärm von Güterzügen. Die IG Seelinie hat noch viele unerfüllte Forderungen. Mit einer Resolution verleihen sie diesen Nachdruck.

Sebastian Keller
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An der ersten «Lärmlandsgemeinde» diskutieren Politiker, Vertreter der lärmgeplagten Anwohner, Vertreter der SBB und der DB sowie ein Vertreter des privaten Güterverkehrs. (Bild: Reto Martin)

An der ersten «Lärmlandsgemeinde» diskutieren Politiker, Vertreter der lärmgeplagten Anwohner, Vertreter der SBB und der DB sowie ein Vertreter des privaten Güterverkehrs. (Bild: Reto Martin)

Gute und schlechte Nachrichten waren an der «Lärmlandsgemeinde» zu vernehmen. Eine gute brachte SBB-Vertreter Stefan Thalmann mit. Mit dem Regionalexpress auf der Seelinie ab 2015 nehme der Güterverkehr nicht zu. «Die Kapazitäten werden eher verringert», sagte Thalmann. Die Anwohner der Seelinie zwischen Kreuzlingen und Rorschach stören sich nicht am Bahnverkehr, sondern am lärmigen Güterverkehr – dagegen kämpft die IG Seelinie seit acht Jahren.

DB will Lärm bis 2020 halbieren

Peter Westenberger vom Umweltzentrum der Deutschen Bahn in Berlin war nach Romanshorn angereist. Mit im Gepäck: gute und schlechte Nachrichten. Dem Vernehmen nach sei die Elektrifizierung der Bahnlinie am deutschen Seeufer in der Priorität durch die Bundesregierung zurückgestuft worden. Das begräbt die Hoffnung der Schweizer auf eine Verlagerung der deutschen Züge nach Deutschland – zumindest vorerst. Und die gute Nachricht? Die DB will den Lärm des Schienenverkehrs bis 2020 halbieren. Dafür beackert die DB zwei Felder: die Infrastruktur und die Fahrzeugflotte. Von den 34 000 Kilometer Bahn in Deutschland werden 3700 Kilometer saniert. Zum Vergleich: Das sind mehr als die Hälfte des Schweizer Schienennetzes. Bei den Güterwagen bauen sie Flüsterbremsen ein. «Das ist die wirksamste Massnahme», sagte Westenberger. Diese LL-Sohlen sind auch in der Schweiz zugelassen. Frank Gross von der IG Pro Rheintal – einer Bürgerbewegung aus dem deutschen Mittelrheintal – ist ein Leidensgenosse. In der Region, wo die Mosel in den Rhein fliesst, rauben die Güterzüge den Leuten den Schlaf. «Das Gehör kann man nicht ausschalten», sagte Gross. Die Massnahmen der deutschen Behörden und der Bahn genügen ihm nicht.

Auch Antennen sollen helfen

Regierungsrat Kaspar Schläpfer zeigte auf, wie sich die Thurgauer Regierung für die Lärmgeplagten einsetzt. 41 Schallschutzfenster sind ein Resultat. Es gebe auch Punkte, wo sie machtlos seien: ein Nachtfahrverbot ist wegen des Landverkehrsabkommen mit der EU unmöglich. Er hofft, dass sich bei Einsprachen gegen Mobilfunkantennen an der Seelinie etwas tut. Würden diese stehen, könnte ein Lokführer eines Güterzuges vorausschauender fahren, müsste weniger anfahren und bremsen. Wie SBB-Mann Thalmann sagte, wolle sie die sogenannte adaptive Lenkung bis Ende 2014 schweizweit einführen.

Vorstoss braut sich zusammen

Ständerätin Brigitte Häberli machte sich Notizen. Für einen nächsten Vorstoss? «Vielleicht», sagte die CVP-Politikerin. Franz Furrer von der Vereinigung Verlader, Anschlussgleise und Privatgüterwagen (VAP) machte sie darauf aufmerksam, dass es für Lokomotiven keinen Grenzwert gibt. Er meint, dass es solche brauche. «Wenn Sie von der Lok geweckt werden, nützen geräuschlose Wagen auch nichts.»

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