Das geheime Schlupfloch der Stadtregierung

Im Keller

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«Sicher ist sicher», sagte sich der Frauenfelder Stadtrat und liess sich in den Hang hinter dem «Bollag» einen vierstöckigen Bunker aus Eisenbeton bauen. Das war 1939. Die kriegerischen Zeiten liessen die Schweizer Behörden das Schlimmste befürchten. Es entstanden landauf, landab massive Ortskommando­posten, für den Fall, dass Hitlers Blitzkrieg die Schweiz erreicht.

Es ist eng und leicht muffig, als eine Schar Journalisten dem Stadtpräsidenten Anders Stokholm und dem Stadtschreiber Ralph Limoncelli diese Woche in die sagenumwobenen Räume folgt. Strom gibt es keinen mehr. Die Inneneinrichtung ist mehr oder weniger ausgebaut. Mediensprecher Andreas Anderegg muss mit Kabelrolle und Baustellenscheinwerfer improvisieren. Zum Glück gibt es in der Decke eine kreisrunde Öffnung zum Notausstieg. Nur dort kann der fast zwei Meter grosse Stadtpräsident aufrecht stehen. «98000 Franken kostete der Bunker damals», sagt Stokholm. Eine stattliche Summe, die erst noch deutlich über dem Kostenvoranschlag von 76000 Franken lag. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage dann tatsächlich auch genutzt. Doch seit mehr als 70 Jahren fristet der kreisrunde, unterirdische Bau ein mehr oder weniger nutzloses Dasein. «Wir betreiben so gut wie keinen Unterhalt», sagt der Stadtpräsident den Besuchern. Abbrechen sei zu kostspielig «Der Betrag liegt wohl im siebenstelligen Bereich.» Und eine Umnutzung dürfte an den heutigen Sicherheitsstandards scheitern. (hil)